„Wenn wir so weitermachen wie bisher gebe ich der Menschheit noch hundert Jahre.“
(Stephen Hawking, wenige Wochen vor seinem Tod)

Stephen Hawking war ein Optimist. Denn wenn wir so weitermachen wie bisher, dann schaffen wir das auch viel früher. Und – nein! – ich meine damit jetzt mal nicht Umweltprobleme, Klimaerwärmung, Pandemie, unbegrenztes Wachstum im begrenzten System usw. Ich meine damit den Menschen an sich. Ich meine das Verhalten der Menschen. Das Verhalten derer, die zwar auf einem Minicomputer mit Touchscreen und Drahtlosanbindung zum Internet wie selbstverständlich rumdaddeln, die aber paradoxerweise gleichzeitig die Wissenschaft ablehnen. Ich meine das Verhalten derer, denen ganz selbstverständlich alles auf einem goldenen Tablett serviert werden muss. Es gibt zahllose Beispiele dafür …

Ich fahre auf der Autobahn – dreispurig und viel Verkehr. Auf dem mittleren Fahrstreifen „schwimme“ ich bei 120km/h im Verkehrsstrom mit, immer darauf bedacht, genug Abstand zum Vordermann einzuhalten. Plötzlich schert hinter mir einer aus, bügelt rechts an mir vorbei, geht vor mir rüber nach ganz links und schneidet wieder rechts rüber fahrend den LKW vor mir. Der macht wilde Lenkbewegungen zur Vermeidung eines Chrashs und sein Auflieger schlingert und schleudert quer über zwei Fahrbahnen. Ich selbst bin mit verzweifeltem Ausweichen vollbeschäftigt. Gerade nochmal gutgegangen …

Auf der Rolltreppe in der U-Bahn-Station in Hannover. Rolltreppe kommt unten an und der Vollpfosten vor mir bleibt unvermittelt stehen, weil er auf die Anzeigetafel glotzen muss. Ist es denn wirklich zuviel verlangt, mal ein paar Schritte zur Seite zu treten und die anderen Passanten nicht zu behindern? Oder reicht das verbliebene Resthirn für einen derartigen, eigentlich selbstverständlichen Gedankengang schon nicht mehr aus?

Der Eingang zum Edeka-Discounter. Bloß rein komme ich nicht. Denn da stehen zwei Omas mit quergestellten Einkaufswagen und blockieren, während sie hemmunglos tratschen, alles. Das könnten die auch an der Seite tun, wo sie niemanden behindern. Tun sie aber nicht. Mal etwas weiter zu denken ist offensichtlich schon wieder viel zuviel verlangt.

Der Admin, der über Jahrzehnte hinweg mit Netzwerken, Datensicherheit etc. beschäftigt war. Der mal zur Hacker-Elite gezählt hat. Der vielleicht nicht alle, aber doch verdammt viele Tricks kennt. Berufserfahrung lässt sich nunmal nicht durch Scheine sammeln. Nur ist der heute nicht mehr als Admin tätig. Deswegen hat der auch keine Ahnung zu haben, wenn einer, der noch Pampers trug, als besagter Admin schon Hacker aussperrte, heute den Ton angibt und alles besser weiß. Aber wer braucht schon Erfahrung wenn nur noch Scheine zählen? Da wird Intelligenz und Bildung gleichgesetzt. Merke: Jemand kann Bildung zwar durch zig Abschlüsse erworben haben, aber zugleich trotzdem so dämlich wie hundert Meter Feldweg sein!

Morgens beim Bäcker und der Typ vor mir – einer aus der Kategorie „ich neureich, watt’n ekliges Fußvolk“ – kauft vier Brötchen. Das sind Centbeträge. Er will aber mit ’nem Hunni bezahlen. Die Bäckersfrau kann das nicht wechseln. Der Kunde regt sich tierisch darüber auf, wird laut und ausfallend. Hätte der mal mitgedacht, dann hätte der auch viel kleineres Kleingeld in der Tasche haben können.

Der früher jahrelang in der Mikrobiologie tätige Techniker, der weiß, wie er wann und wo welche Schutzausrüstung einzusetzen hat. Auf den aber niemand hört, weil selbsternannte, i. d. R. berufsfremde und sachlich unbeleckte „Experten“ im Fernsehen oder in den Zeitungen die Meinung (und damit nicht selten alles schlimmer) machen. Ich spreche hier über (Zitat Oliver Kalkofe) „… jene verzweifelte Randgruppe ohne emotionale Heimat oder geistigen Halt, die ob ihrer Lebensunfähigkeit brutal aus sämtlichen Gemeinschaften ausgestoßen wurde. Die meisten von ihnen stammen aus intellektuellen Elendsvierteln und bizarr-virtuellen Parallelgesellschaften fernab der bürgerlichen Realtität und verfügen über keinerlei besondere Talente, Fähigkeiten oder Schulbildung, leiden gleichzeitig jedoch größtenteils unter Narzissmus und dem egomanischen Irrglauben, der Rest des Volkes würde sich in irgendeiner Weise für sie interessieren.“

Zwei Desinfektionsmittel: Auf dem einen steht „Händedesinfektion“ und auf dem anderen steht „Flächendesinfektion“. Dem Aufkleber über die Zusammensetzung von dem Zeug ist zu entnehmen, dass sich in beiden Pötten absolut das Gleiche, nämlich 70%iger Alkohol befindet. Dennoch darf man die Inhalte der beiden Pötte nicht untereinander austauschen. Weil ja „von ganz oben her“ (und von in fachlicher Hinsicht kompetenzallergenen „Führungskräften“) die Unterschiede vorgegeben worden sind. D. h. wenn das Zeug zur Flächendesinfektion alle ist, dann darf man es trotz gleicher Zusammensetzung nicht einfach ersatzweise durch das Zeug zur Händedesinfektion ersetzen: Lieber gleich ganz auf die Flächendesinfektion verzichten! Logik scheint ein Fremdwort zu sein und Chemie ist offensichtlich ein obskurer Aberglaube von einem anderen Stern …

Beim Bewerbungsgespräch wird die künftige Auszubildende gefragt, wieviel sie spart, wenn auf die 50€-Bluse 10% Rabatt gegeben werden. Sie kann die Frage nicht beantworten und versucht sich damit rauszureden, dass sie ja über die Kompetenz verfügen würde, die Prozentrechnung erlernen zu können. Nein Mädchen: Du bist mit der Schule fertig. Du brauchst nicht mehr die Kompetenz, das erlernen zu können – du musst es jetzt bereits beherrschen!

Ich gehe in die Apotheke und verlange ein ganz bestimmtes Ibuprofenpräparat von einem ganz bestimmten Hersteller. Damit sollte der Mitarbeiterin eigentlich schon klar sein, dass ich das Zeug bereits kenne. Dennoch kommt die unausweichliche Standardfrage: „Die Anwendung ist bekannt?“ Beim letzten Mal antwortete ich daher: „Ja, um Mitternacht bei Vollmond über einem Pentagramm zermörsern und anschließend mit einem Teufelsrochenschwanz einpeitschen!“ Der Blick der Apothekerein war filmreif. Aber mal ehrlich: Was soll man auf derartige Fragen denn sonst antworten?

Bei C&A steht ein reißerisch aufgemachtes Schild: „1 Hemd 15€. 2 Hemden je 10€. Sie sparen 5€!“ Ähem… Zugegeben, Mathematik ist nicht jedermanns Sache. Aber die vier Grundrechenarten sollten am Ende der Grundschule eigentlich sitzen …

Eine Bekannte von mir fährt voll auf Umweltschutz ab. Deswegen hat sie sich jetzt auch ein E-Auto gekauft, Reichweite lt. Herstellerangabe bis 300km. Ich weiß aber, dass sie häufiger zwecks Besuchs ihrer Kinder größere Touren von jeweils ein paar hundert Kilometern fährt. Danach gefragt, wie sie das mit dem E-Auto bewerkstelligen will, kommt als Antwort, dass sie ja zusätzlich auch noch den Diesel hat. Umweltschutz ist also, wenn man ein E-Auto, dessen Produktion in ökologischer Hinsicht ohnehin schon äußerst bedenklich ist und zusätzlich noch einen „dreckigen“ Diesel nimmt: Interessant … – und arme Umwelt!

Da ist die Kundin im Discounter, die eine Verkäuferin danach befragt, ob die angebotenen Äpfel auch tatsächlich vegan sind. In dem Moment habe ich die Verkäuferin echt bedauert, denn was soll man auf so eine Frage antworten? Etwa, dass die Äpfel einer Massenobsthaltung entstammen?

Vielleicht täusche ich mich, aber ich vertrete die Auffassung, dass derartige und ähnliche Vorfälle im Verlauf der letzten Jahrzehnte zugenommen haben und noch immer weiter zunehmen. Vielleicht werde ich mit zunehmendem Alter aber auch bloß empfindlicher dagegen. Vielleicht schlägt aber auch der Dunning-Kruger-Effekt inzwischen voll durch. Sollte letzteres der Fall sein, dann wird die Menschheit untergehen. Definitiv! Und zwar noch vor Ablauf der von Stephen Hawking genannten Hundertjahre-Frist: Es lebe die Idiocracy! Es gibt zwei Arten, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Die eine Art umfasst ein lebenslanges Lernen. Die andere Art umfasst ein blindes Folgen, weil andere es besser wissen müssen. Der zuletzt genannte Fall ist zweifellos bequemer. Bloß: Die kleinen grauen Zellen bleiben durch Nichtbenutzung nicht länger frisch – das Gehirn ist ein Muskel, der trainiert werden will! Das aber setzt kritisches Mitdenken voraus und eben nicht das eingangs angeführte Servieren auf dem goldenen Tablett.