Herbstzeit ist Erkältungszeit. Das weiß jeder. Na ja, Politiker in ihrem Elfenbeinturm vielleicht eher nicht, denn das Leben von Otto Normalverbraucher geht denen mitunter sowas von am Ar… vorbei … Wenn sich im Herbst Erkältungsviren ausbreiten, dann könnten sich – geringfügiges Überlegen mal voraus gesetzt – möglicherweise auch Verwandte von Erkältungserregern stärker verbreiten … Aber wahrscheinlich setze ich mal wieder viel zuviel an gesundem Menschenverstand voraus.

Die zweite Welle des Corona-Virus konnte folglich keiner absehen! Jetzt müssen wir unbedingt was dagegen tun. Tun wir. Es gibt – mangels Vorbereitung in den Sommermonaten, aber das konnte ja nun wirklich keiner ahnen, denn Grippe- und Norovirus-Wellen sind ja auch was ganz anderes und Erfahrungen damit zählen folglich nicht – einen zweiten Corona-Lockdown. Einen „Lockdown Light“ und unter Missachtung aller demokratischen Spielregeln am Parlament vorbei. Ist der sinnvoll oder doch nur ein Ausdruck von politischer Hilflosigkeit – Hilflosigkeit geboren aus fachlicher Inkompetenz, gepaart mit untätiger Ignoranz? Bereits im Mai verlieh ich meiner Befürchtung Ausdruck, dass das Infektionsschutzgesetz als Ermächtigungsgesetz missbraucht werden kann. Genau dieser Fall scheint jetzt eingetreten zu sein – „Honni soit qui mal y pense„!

Seit dem Lockdown im Frühjahr hat das Virus sich verändert. Es ist weniger tödlich, dafür aber ansteckender geworden: Der Parasit passt sich an seinen Wirt an. Und es befällt jetzt bevorzugt jüngere Semester, damit einher gehend gibt es – so man den Wissenschaftsmeldungen folgt – eine größere Rate an langwierigen Spätfolgen und Komplikationen. Spätfolgen, Komplikationen und Ansteckungsrate – das alles zusammen könnte für unser Gesundheitssystem verdammt kritisch werden, wenn es nicht gelingt, die Infektionsketten zu unterbrechen. Dabei spielen die Gesundheitsämter eine zentrale Rolle. In Erwartung einer zweiten Welle im Herbst hätte man die Ämter seitens der Politik personell besser ausstatten und vorbereiten können. Hätte man tun können … – aber Geld ist bekanntlich wichtiger als Menschenleben und eben deswegen wurde sogar das exakte Gegenteil praktiziert, so dass dort jetzt die Bundeswehr aushelfen muss. Da kann man nur konstatieren: Irgendwie hat hier ein gewisses „Corona-Kabinett“ seine Hausaufgaben offensichtlich nicht gemacht.

Angesichts von Herbstzeit gleich Erkältungszeit hätte man auch die Intensivstationen in den Krankenhäusern aufstocken und die Pflegeberufe attraktiver machen können. Hätte man tun können … – aber das hätte selbstverständlich auch Geld gekostet. Beifall klatschen war billiger! Und Geld kann man nicht einfach so raushauen; in der neoliberalen Pseudoreligion steht das ja schließlich über den Menschenleben. Deswegen ist es auch durchaus verständlich, wenn das unterlassen wurde. Stattdessen gefielen sich gewisse Politiker (ich will hier den Namen eines Herren aus Bayern lieber nicht nennen) darin, schon frühzeitig zu polarisieren und die Bevölkerung in „Vernünftige“ und in „Unvernünftige“ zu unterteilen, immer schön getreu dem Motto: „Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte.“ Das funktionierte prima, denn das schürte Panik. Und wo Panik regiert, da kann man die Herde des blöden Stimmviehs nach Belieben lenken – zuerst die Zügel straffen und anschließend wieder propagandaträchtig lockern; der wahlberechtigte Volltrottel ist einem dafür auch noch dankbar.

Nicht zu vergessen ein äußert wichtiger Nebeneffekt: Wenn man die stimmberechtigten Idioten erst einmal an die strafferen Zügel gewöhnt hat, dann kann man die künftig auch völlig unabhängig von Corona nach Belieben und Gutdünken einsetzen, ohne Proteststürme zu riskieren! Damit meine ich nicht, dass Merkel Gruppen von feiernden Menschen inakzeptabel findet – vielleicht stößt sie sich nur daran, dass sie zu derartigen Feten nie eingeladen wird – sondern vielmehr die Tatsache, dass hier eine „Corona-Regierung“ nach vorausgegangener Ignoranz die demokratischen Spielregeln mit Füßen tritt, ohne dazu in irgendeiner Form von irgendwem ermächtigt worden zu sein. Sie macht es einfach deswegen weil sie es kann und ohne überprüfbare Grundlage.

Denn wen trifft der zweite Lockdown eigentlich am stärksten? Er trifft Mittelständler, Freischaffende, Selbständige, Künstler. Nehmen wir mal die Restaurants: Hygienemaßnahmn bis zum Abwinken – so viele, dass ein Restaurantbesuch heute mit einem Restaurantbesuch vor einem Jahr nicht mehr vergleichbar ist und im Grunde genommen auch keinen Spaß mehr macht. Plexiglaswände, Hepa-Luftfilter, Mundschutz, Desinfektionsmittel, ausgefeilte Lüftungen, begrenzte Besucheranzahl, Anwesenheitslisten, Sicherheitsabstände – all das erinnert beinahe eher an ein Laboratorium der Biosafety-Level-4-Stufe als an ein gemütliches Abendessen im kleinen Kreis. Und doch müssen gerade die Gastronomen jetzt im zweiten Lockdown dichtmachen. Ähnliches gilt für Kinos und für Hotels bzw. Pensionen. Der kleine Verein um die Ecke ist völlig am Ar… Das nimmt inzwischen bereits die Züge einer Stigmatisierung an!

Merkt ihr was? Das alles betrifft einzig die Aktivitäten der „kleinen Leute“. Es betrifft einzig deren Freizeitanktivitäten. Was lernen wir daraus? In der Freizeit ist das Virus hundsgefährlich. Im Beruf dagegen ist es nicht infektiös, also: „Raboti, raboti!“ Wer für Steuern schuftet ist offensichtlich immun … Ich für meinen Teil finde das – diese durch keinerlei überprüfbare Zahlen erfolgende Stigmatisierung der o. e. Unternehner- und Vereinsgruppen – schon durchaus bemerkenswert. Das lässt meiner Meinung nach eindeutige Schlüsse auf die Denkweise einer gewissen „Regierung von Krisenmanagern“ zu. Nutzlose Maßnahmen zur Erreichung von Hirngespinsten? Wenn man sich anschaut, wo die meisten Infektionen erfolgen, dann scheint das tatsächlich der Fall zu sein. Ist aber auch egal, denn wichtig ist doch bei eigener – selbstverschuldeter? – Hilflosigkeit nur, einen anderen als Buhmann präsentieren zu können!

Aber sind solche Maßnahmen wirklich nutzlos? Nicht ganz … – denn ich erinnere mal kurz an den o. e. Gewöhnungseffekt. Heute Corona. Irgendwann wird es einen (vernünftigen) Impfstoff dagegen geben. Aber was ist mit morgen? Grippe, Mumps, Masern, Röteln, neue Seuchen etc. pp. – alles kann mit gleicher Begründung künftig für alle möglichen Einschränkungen herangezogen werden. Sobald sich die Bevölkerung an einen derartigen Beschnitt von Bürgerrechten gewöhnt hat sagt keiner mehr was. Das entspricht einem gewaltigen Ruck hin zu einem Polizeistaat – einer, in dem Existenzen kaltlächelnd vernichtet werden, sofern das nur in irgendeiner Form dem eigenen Machterhalt dienlich ist. Genau das ist nämlich die Kehrseite der derzeitigen Corona-Abwehrmaßnahmen.

Nein, ich will die Gefahr durch Corona hier keineswegs herunterspielen. Die ist real und wenn wir nichts tun – wenn wir die Infektionsketten nicht unterbrechen – dann droht uns ein Chaos, ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems, eine nationale Gesundheitsnotlage und in Folge womöglich sogar ein Zusammenbruch unserer staatlichen Ordnung. Es ist inzwischen wirklich ernst! Folglich bleibt uns gar nichts anderes übrig als zu versuchen, die Infektionsketten zu unterbrechen und dabei ist jeder Einzelne gefordert. Ein Lockdown – auch ein „Lockdown Light“ – kann das nicht liefern. Ich will mich hier auch nicht weiter über den Sinn und Unsinn von Masken auslassen. Meine Meinung dazu habe ich an anderer Stelle bereits zur Genüge begründet.

Aber was könnte man sonst noch tun? Man könnte Risikogruppen gezielt schützen. Es gibt derzeit ziemlich deutliche Indizien dafür, dass eine Grippeschutzimpfung zu einer Kreuzimmunität führt. Es wäre also nicht nur zum Schutz vor Grippe sinnvoll, eine Impfung zu bekommen. Allein: Ich selbst (zur Risikogruppe gehörig und beruflich täglich mit der Risikogruppe in Kontakt) laufe seit mittlerweile zwei Monaten vergeblich hinter dem Impfstoff her. Es gibt davon nämlich nicht genug. BTW: Völlig weltfremd predigen unsere „Krisenmanager“ zeitgleich, dass man sich impfen lassen soll. Oder nehmen wir mal die verschiedenen Hygiene-Konzepte. Da soll man in die Armbeuge niesen – und zum „Guten-Tag“-Sagen sich nur kurz mit dem Ellenbogen berühren. Also mit eben dem Arm, den man gerade vollgerotzt hat. Ähem …

Auf den Handschlag ist zu verzichten. Kein Wunder, denn der wird auf den Griff des Einkaufswagens verlagert. Im Hagebau in Stadthagen und im Edeka in Büsum konnte ich sehen, wie sinnvoll vorgegangen wird: Wer rein- oder rauskommt gibt den Einkaufswagen bei jemandem ab, der das Ding desinfiziert – eine gute Lösung! Nur leider die Ausnahme. In den allermeisten Discountern sieht es so aus, dass irgendwo im Eingangsbereich so eine Box rumsteht, in der sich halbvertrocknete Desinfektionstücher befinden. Man grabscht also draußen einen Wagen an, den jemand anders gerade betatscht hat. Drinnen kann man drüberwischen. Was soll das im Nachhinein, also nach dem Kontakt durch Schmierinfektion, bzg. Infektionsschutz noch bringen? Auch diesbezüglich wäre eine verschärfte Kontrolle von Hygienekonzepten angebracht. Aber das kostet wieder Zeit, Personal, Geld – Lockdown ist da doch einfacher.

Oder nehmen wir mal die Corona-Warn-App, derzeit geradezu ein Paradebeispiel für den Datenschutz. Leider aber nur sehr bedingt funktionell, denn wo die Gesundheitsämter mit einem Fax gerade das Stadium der Höhlenmalerei hinter sich gelassen haben, da ist digitale Infrastruktur ein Fremdwort. So mehren sich die Stimmen, die fordern, die Warn-App mit Datensammelwut auszustatten – Google macht so etwas Ähnliches inzwischen ja vor. Bloß bringt das nichts. Davon profitieren nur Dritte und es lebe der Überwachungsstaat! Viel sinnvoller wäre es hingegen, so eine Warn-App auch für die Smartphones mit älteren Betriebssystemen verfügbar zu machen, um die Effektivität zu steigern und die Gesundheitsämter wirklich flächendeckend mit heutiger IT auszustatten. Doch das hat was mit der Lebensrealität des armen Teils der Bevölkerung zu tun – und eben die wird seitens der Politik geflissentlich ignoriert, weil die Politik besagte Lebensrealität mit der auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich ja überhaupt erst geschaffen hat.

Man könnte exemplarisch ganz konkrete Verhaltensempfehlungen kommunizieren, gerade auch, um Ansteckungen im privaten Bereich – dem Hauptinfektionsbereich – zu minimieren. Man könnte empfehlen, Treffen möglichst nach draußen zu verlegen, weil das Virus sich in trockener Luft und bei Raumtemperatur (d. h. in geschlossenen, beheizten Räumen) am wohlsten fühlt. Könnte man machen … – tut man aber nicht, weil man von Otto Normalverbraucher’s Lebensrealität weiter entfernt ist als Andromeda von der Milchstraße. Stattdessen setzt man auf Verbote, Kontrollen, Bestrafung und – so es nach den Herren Söder und Lauterbach gehen sollte – obendrein noch auf Denunziation. Zugegeben, denjenigen, die selbständig sind, wird das mit einem gewissen Finanzausgleich schmackhaft gemacht. Aber was ist eigentlich mit dem Heer der zahllosen Minijobber? Die gehen natürlich wieder leer aus und können zusehen, wie sie über die Runden kommen – oder wie sie überleben. BTW: Dieses Heer der Minijobber geht übrigens auch auf das Konto der „hohen Politik“.

Fassen wir daher den bisherigen Corona-Verlauf mal in politischer Hinsicht zusammen:
– 2012 wurde vor so einer Pandemie gewarnt, aber eine Reaktion erfolgte nicht (denn die hätte ja Geld gekostet).
– Binnen der Folgejahre wurde unser Gesundheitssystem bis unter die Schmerzgrenze runtergefahren (alles andere hätte ja Geld gekostet).
– Im Frühjahr kamen die Pandemie und der erste Lockdown mit gravierenden, wirtschaftlichen Folgen insbesondere für den Mittelstand (das komplett abzufedern hätte ja Geld gekostet).
– Nach dem Lockdown im Frühjahr kamen Verbote und Kontrollen und punktuelle Maßnahmen ohne Geamtkonzept (denn das zu erstellen hätte ja Geld gekostet).
– Die zeitweise personell besser ausgestatteten Gesundheitsämter wurden trotz Erwartung eine zweiten Pandemiewelle im Herbst wieder runtergefahren (denn deren Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten hätte ja Geld gekostet).
– Jetzt ist die zweite Welle da, stärker noch als die Erste (aus der Flutwelle ist ein Tsunami geworden), und man reagiert mit einem zweiten Lockdown, bei dem ein Buhmann präsentiert wird (denn andere Maßnahmen würden ja Geld kosten).
Ich kann mir nicht helfen, aber dieses Schema kommt mir verdammt bekannt vor. Das hatten wir nämlich schonmal, wenngleich auch unter anderen Vorzeichen. Damals nannte sich das „Einführung von H4“ und der seitens der Politik präsentierte Buhmann war der „ungebildete, arbeitsscheue, sozialschmaotzende Arbeitslose“. Irgendwie wiederholt sich das jetzt alles …

Und was passiert eigentlich, wenn weiter so regiert wird wie bisher und wenn wir uns das gefallen lassen? Wohin steuert unser Land mit den ganzen, jetzt angeschobenen Corona-Maßnahmen irgendwann mal nach der Pandemie?
– Die Menschen werden isoliert und vereinzelt, so dass es keine schlagkräftigen Oppositionsgruppen mehr geben wird.
– Totale Überwachung und Denunziation gehören zum Alltag.
– Bürgerrechte können jederzeit beliebig eingeschränkt werden.
– Das Parlament wird wann immer das sinnvoll erscheint übergangen.
– Mit der de facto Abschaffung des Mittelstandes gibt es nur noch Elite und Proletariat.
– Das Gesundheitssystem wird kollabieren und die Lebenserwartung sinkt drastisch.
– Die Sicherheitskräfte sorgen dafür, das eben dieser Weg bis zum bitteren Ende gegangen wird.
Was hat das dann noch mit Demokratie zu tun? Wäre es unter diesen Gesichtspunkten nicht höchste Zeit für Ungehorsam?

Der zweite Lockdown jetzt dürfte sich nach meinem eigenen Ermessen hinsichtlich des Infektionsgeschehens bestenfalls marginal auswirken. Ich betrachte den daher auch eher als das Setzen eines Zeichens. Eines Zeichens, dass von den Versäumnissen in der Vergangenheit ablenken soll. Eines Zeichens der Hilflosigkeit, die in blindem Aktionismus mündet. Aber auch eines Zeichens, welches besagt: „Schaut her, wir können das – wir haben die Macht dazu und kommt uns bloß nicht in die Quere!“ Mal ehrlich: Was soll man von einer derartigen Regierung halten?!? Denn noch ist es nicht zu spät, um die o. e. Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Worte von Heiner Geißler (Zitat): „Die Behauptung, es gibt kein Geld um das Elend zu beseitigen, ist eine Lüge. Wir haben auf der Erde Geld wie Dreck. Es haben nur die falschen Leute.“ Die daraus resultierende Frage lautet doch: Wer profitiert eigentlich von dem Elend und könnte somit daran interessiert sein, es zum Dauerzustand zu machen?