Bildbearbeitungsprogramme gibt es wie Sand am Meer, von kostenlos bis sündhaft teuer. Heute will ich mal ein kostenloses Programm – eine Freeware – aus dieser Kategorie vorstellen, die bei mir einen sehr postiven Eindruck hinterlassen hat. Dabei handelt es sich um Photo Demon und getestet habe ich die Software unter Win7 und unter Win10. Photo Demon ist portabel sowie klein und handlich. Der Download umfasst ein 12,5MB-ZIP-Archiv und entpackt werden gut 60MB an Plattenspeicher beansprucht. Die Startdatei ist „PhotoDemon.exe“. Das schonmal vorab.

Die Software wirkt wie eine kleine Schwester von THE GIMP, lehnt sich hinsichtlich der Bedienung auch stark daran an und zielt offensichtlich auf alle diejenigen, denen GIMP zu kompliziert ist, ab. D. h. es werden die meisten Standardfunktionen zur Bildbearbeitung berücksichtigt. Einiges könnte man m. M. nach allerdings besser machen, doch dazu weiter unten mehr. Betrachten wir erstmal das Programm und seine Funktionen. Ganz im Gegensatz zu GIMP startet es sehr schnell und beansprucht auch sehr viel weniger RAM.


Das Startbild von Photo Demon.

Nach dem Start kann man bspw. ein neues Bild anlegen oder ein vorhandenes Bild öffnen. Da es mir um die Bearbeitung von Fotos geht wird natürlich ein vorhandenes Bild geöffnet. Werfen wir jetzt einmal einen Blick auf die Programmoberfläche. Links können diverse Tools ausgewählt werden. Mittig findet sich das geladene Bild. Rechts hat man die Werkzeuge für Farben und Layer. Oben findet sich eine Menüleiste und unten sind neben den Bildmaßen noch die Feineinstellungen für die jeweils gewählte Toolbox vorhanden: Alles in allem ein sehr übersichtlicher Aufbau, der ein intuitives Arbeites gestattet – und das ist auch notwendig, denn an einer brauchbaren Hilfefunktion oder Bedienungsanleitung fehlt es leider, auch wenn in der Menüzeile ein Punkt „Help“ bzw. „Hilfe“ vorhanden ist.

Das Programm meldet sich von Haus in englischer Sprache. Unter „Tools/ Language“ wird es auf Deutsch umgeschaltet. Betrachten wir nun einmal die einzelnen Optionen des Menüs. Unter „Datei“ liegen alle Dateioperationen, also Laden, Speichern etc., aber auch die Bildübernahme direkt von Kamera oder Scanner ist mit „Importieren“ vorgesehen. Unter „Bearbeiten“ werden Kopier-, Layer-, Ausschneide- und Einfügefunktionen zur Verfügung gestellt. Bitte beachten, dass einige dieser Funktionen erst dann verfügbar werden, wenn man eine Markierung erstellt hat.


Spielereien mit der Auswahl.

Kommen wir zu „Bild“. Diese Sektion umfasst die Gößenänderung, Spiegeln, Drehen und beinhaltet einen spitzenmäßigen Metadaten-Editor. Der Menüpunkt „Layer“ dient, wie der Name schon sagt, dem Layer-Handling – wenn man also bspw. ein Foto im Original und eins in der Bearbeitung hat und das Optimum irgendwo dazwischen liegt, dann lässt sich das mittels Layer durch die Überlagerung der beiden an sich ja gleichen Bilder perfekt hinbekommen. Aber das ist natürlich nur eine Variante der Layerbearbeitung.

Der Menüpunkt „Auswahl“ setzt eine vorausgegangene Auswahl mittels Auswahlwerkzeug voraus. Hier können dann Bildteile verändert, verschoben, einkopiert usw. werden. Unter „Anpassungen“ beginnen die Standardfunktionen zur Optimierung von Fotos, also Weißabgleich, Helligkeit, Kontrast u. ä. Dabei fällt auf, dass die Sättigung nur über Pegel und Dynamik angepasst werden kann. Bemerkenswert sind aber noch „Farbe/ Farbe ersetzen“ (dient dem Austauschen einer Farbe) sowie „Beleuchtung/ HDR“ (erzeugt einen HDR-Effekt). Derartige, wirklich nützliche Funktionen sucht man in Bildbearbeitungsprogrammen zumeist vergebens.


Original und HDR-Bearbeitung.

Unter „Effekte“ bringt Photo Demon eine ganz ordentliche Sammlung von Filtern, teils Standards zur Bildverbesserung und teils auch zur Bildverfremdung, mit. Da sind auch ein paar Exoten mit dabei, welche eine gezielte Weichzeichnung gestatten oder mit denen es möglich ist, das Bild mit Regenbogenfarben zu überlagern. Das Schöne daran: Alle Filter werden einheitlich bedient und beinhalten eine Vorschau, so dass damit nach Herzenslust „gespielt“ werden kann. Derartig umfangreiche Filtermöglichkeiten sucht man in anderen Bildbearbeitungen i. d. R. auch vergebens.


Der Regenbogenfilter in der Anwendung.

Mit „Extras“ wird die Sektion der Bildbearbeitung verlassen und man erreicht die Einstellmöglichkeiten für das Programm, also Sprache, Laden und Speichern der Bilder, Suche nach Updates u. ä. „Ansicht“ beinhaltet die Zoomfunktion für die Bilddarstellung und die Anzeige von Linealen sowie Statusleiste. Unter „Fenster“ wird eingestellt, welche Toolboxen angezeigt werden sollen und welche nicht. „Hilfe“ schließlich hätte man sich schenken können, denn dort wird im Grunde genommen nur auf die PhotoDemon-Webseite verlinkt und eine Hilfe findet man leider nicht. Im Großen und Ganzen allerdings benötigt man die auch kaum, da sich die Bedienung der Software weitestgehend von selbst erschließt.

Fazit: Bei Photo Demon handelt es sich um eine solide kleine und intuitiv benutzbare Bildbearbeitung für Standardfälle der Fotokorrektur. Die Freeware ist zwar kein „Schweizer Messer“, kann aber doch mit einigen nützlichen Extras aufwarten. Verbesserungs- bzw. Entwicklungspotenzial gibt es in Detailpunkten: Die Funktion der Erstellung von Bildauschnitten (gerade auch unter Beibehaltung des Seitenverhältnisses) ist bei IrfanView wirklich besser gelöst, das Drehen kann Photoscape besser (aufgrund seiner Gitternetzlinien zur Ausrichtung und seiner automatischen Randergänzung), für alle Arten von Ausleuchtungskorrekturen bleibt der JPG Illuminator schlicht unerreicht, eine konkrete Hilfe wäre wünschenswert und eine 8bf-Schnittstelle zum Einbinden von Photoshopfiltern vermisse ich. Na ja, man kann eben nicht alles haben. Doch auch in der vorliegenden Form (Version 8.4) gefällt mir die Software schon ziemlich gut.