Schmeiß weg!“ lautete in der Wirtschaftswunder-Ära der Titel eines Schlagers von Klaus Havenstein. Die Wegwerf-Mentalität des einen erfreut den anderen. Der andere war und bin seit jeher ich selbst, denn was ich umbauen oder reparieren kann, das bekomme ich für lau – und meistens hält es hinterher auch sehr viel länger als vorher bzw. funktioniert es sehr viel zuverlässiger. Das habe ich schon seit meiner Kindheit so gehalten. Heute nennt man das Recycling. Um so einen Recyclingfall soll es hier auch gehen. Da war nämlich diese Weihnachts-Fensterpyramide von meiner Schwiegermutter. Die Pyramide funktionierte zwar nicht mehr – eine Kerze abgebrochen und dazu noch etliche Kabelbrüche – aber das Motiv war ganz schön und deswegen sollte das Teil auch nicht weggeschmissen werden. Nun handelte es sich aber um billigen China-Schrott. D. h. alles war untrennbar miteinander verklebt worden und jeder Reparaturversuch hätte unweigerlich zur Zerstörung der Pyramide geführt!


Die defekte Pyramide mit abgebrochener Kerze und zahllosen Kabelbrüchen.

Ergo umbauen statt wegwerfen – aber wie? Das Bestücken mit neuen Kerzen schied von vornherein aus. Womit kann man aber die elektrischen Kerzen ersetzen? Mit LED-Teelichtern! Folglich besorgte ich erstmal ein paar passende Teelichteinsätze und ein paar passende LED-Teelichter. Das ist Billigware. Die wurden vorbereitet.


Die Teelichteinsätze – original, gelocht und die Schablone zum Lochen.

Schnell eine kleine Schablone aus Papier angefertigt, die bündig in einen Teelichteinsatz reinpasste und die die Mitte markierte. Mit Hammer und Nagel wurden die Einsätze quasi mittig „gelocht“, so dass eine kleine Schraube durchgesteckt werden konnte. Die Schraube (auf die man vielleicht sogar verzichten kann) stellt sozusagen die „Pfahlwurzel“ dar, die der ganzen Sache hinterher mehr Stabilität verleihen soll. Mutter Natur macht bei tiefwurzelnden Bäumen ja vor wie das funktioniert.


Die „ausgewaidete“ Pyramide.

Anschließend wurde die Pyramide „ausgewaidet“. Mittels Saitenschneider kappt man das Netzkabel und die Kabel etwaig abgebrochener Kerzen. Den Kerzen, die noch bombenfest sitzen, rückt man mit einer feinzahnigen Säge zuleibe u. d. h. bündig absägen, anschließend die Kabel so knapp wie nur irgend möglich abschneiden. Jetzt stehen nur noch die Plastikkanten hoch. Mit einem in der Gasflamme heiß gemachten Messer glättet man die. Die Pyramide ist damit für dem Umbau vorbereitet.


Die fertig zum Bestücken mit Teelichtern vorbereitete Pyramide.

Die nach dem Entfernen der Kerzen entstandenen Hohlräume müssen jetzt nur noch mit irgendwas aufgefüllt werden – also mit Kitt oder Acryl oder einer Kleber-Sägespähne- bzw. Kleber-Papierschnipsel-Mischung (z. B. aus dem Papierlocher). Hauptsache klebrig und Hauptsache voll. Nun die Teelichteinsätze inklusive der mittigen Schraube in das noch nasse Kleberbett einsetzen. Anschließend wegstellen und gut durchtrocknen lassen. Die Teelichteinsätze sitzen danach bombenfest und müssen nur noch mit den Teelichtern beschickt werden – das war’s!


Fertig: Die umgebaute Pyramide.

Zuletzt noch die entscheidende Frage: Rechnet sich das überhaupt? Nicht wirklich, denn die zusammengerechneten Kosten der Ersatzteile (Teelichteinsätze, LED-Teelichter und Kleber) summieren sich mit gut zehn bis knapp zwanzig Teuronen zum Preis eines neuen Chinaschrott-Billigteils. Aber wenn das Motiv gefällt und man daran hängt, dann lohnt sich der Umbau trotzdem allemal. Vor allem auch deswegen, weil die Sache nach erfolgtem Umbau bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hält bzw. immer wieder erneuert – repariert! – werden kann.