Bei Facebook machen ja gerade so genannte 3D-Fotos ganz verschärft die Runde und – da ich ja nun schon seit rund 40 Jahren in die 3D-Fotografie involviert bin – natürlich interessierte es mich, wie man sowas zusammenbastelt. Denn so richtig nach 3D sehen mir die Bilder bei FB nicht aus. Beim Suchen nach der Anleitung fand ich aber noch was anderes, nämlich bei der CHIP, und da wurde GIMP zum Basteln von 3D-Aufnahmen bemüht. In beiden Fällen wird von EINEM Foto ausgegangen u. d. h., dass echtes 3D schonmal nicht möglich ist. Was da also als 3D „verkauft“ wird, das ist in Wirklichkeit Pseudo-3D.


Das echte 3D-Bild, aufgenommen mit einer richtigen 3D-Kamera (Fujifilm 3DW3). Zum Betrachten wird eine handelsübliche Rot-Cyan-Anaglyphenbrille mit dem Rotfilter vor dem linken Auge benötigt.

Das GIMP-Verfahren interessierte mich am meisten und deswegen probierte ich das auch gleich mal aus – und zwar im Vergleich an Hand von einem echten 3D-Foto, von dem ich nur ein Teilbild (nämlich lediglich die linke Aufnahme) verwendet habe. Die Vorgehensweise zeigt die folgende 15-Schritte-Anleitung:

  1. Bild unter GIMP laden.
  2. „Ebene/ Ebene duplizieren“ selektieren.
  3. Im Ebenenfenster die erste Ebene selektieren (Original, steht unten).
  4. „Farben/ Werte“ aufrufen.
  5. „Kanal: Grün“ und „Zielwerte“ Anfangs- sowie Endwert auf 0 setzen, mit OK bestätigen.
  6. „Farben/ Werte“ aufrufen.
  7. „Kanal: Blau“ und „Zielwerte“ Anfangs- sowie Endwert auf 0 setzen, mit OK bestätigen.
  8. Im Ebenenfenster die zweite Ebene selektieren (Kopie, steht oben).
  9. „Farben/ Werte“ aufrufen.
  10. „Kanal: Rot“ und „Zielwerte“ Anfangs- sowie Endwert auf 0 setzen, mit OK bestätigen.
  11. Im Ebenenfenster unter „Modus“ den „Bildschirm“ wählen.
  12. Verschiebewerkzeug aktivieren und die zweite Ebene (Kopie, steht oben) wählen.
  13. Zweite Ebene ein kleines Stück nach links verschieben (dabei Anaglyphenbrille tragen und den Effekt beobachten!).
  14. „Ebene/ Nach unten vereinen“ auswählen.
  15. Bild exportieren.


Das mit GIMP erzeugte Pseudo-3D-Bild. Zum Betrachten wird eine handelsübliche Rot-Cyan-Anaglyphenbrille mit dem Rotfilter vor dem linken Auge benötigt.

Im Vergleich zum echten 3D-Bild zeigt sich, dass der Pseudo-3D-Effekt deutlich weniger realistisch ausfällt: Die Aufnahme ist „nicht mehr ganz“ 2D und „noch nicht wirklich“ 3D. Es funktioniert auch nur (hab’s ausprobiert) mit Motiven im nahen Panum-Areal u. d. h. in einer Motiventfernung zwischen drei und höchstens hundert Metern. Bei Landschafts- und Fernaufnahmen ist das Ergebnis ziemlich unzureichend. Der Einsatz eines Pseudo-3D-Bildes empfiehlt sich allerdings immer dann, wenn unter realen Fotobedingungen keine 3D-Kamera einsetzbar ist (z. B. bei bewegtem Aufnahmestandort im Verkehrsmittel, unter Wasser o. ä.). Die Pseudo-3D-Aufnahme wirkt im Kontext von realen 3D-Aufnahmen (z. B. als Einzelbild bei einer 3D-Diashow) dann wie eine „weniger gelungene“ 3D-Aufnahme. Das bemerkt wirklich nur derjenige mit dem 3D-geschulten Auge!


Ein weiteres Pseudo-3D-Bild nach dem obigen Verfahren. Zum Betrachten wird eine handelsübliche Rot-Cyan-Anaglyphenbrille mit dem Rotfilter vor dem linken Auge benötigt.