Nachdem ich Pseudo-3D mit GIMP ausprobiert hatte, dachte ich mir, dass das ja eigentlich auch mit echtem 3D funktionieren müsste. Normalerweise verwende ich für 3D-Montagen zwar die portable Windows-Freeware AnaglyphMaker, aber wenn man mal unter Linux arbeitet und lediglich GIMP zur Verfügung steht, dann ist ein Plan B nicht das Schlechteste. Allerdings musste ich feststellen, dass der Teufel wie so oft im Detail steckt und somit eine 1:1-Übernahme der Pseudo-3D-Methode für echte 3D-Bilder nicht möglich war. Ergo kam es zum Rumprobieren. Das aber wurde letztlich von Erfolg gekrönt und die Vorgehensweise will ich euch nicht vorenthalten. Im vorliegenden Beispiel wird also von zwei Teilbildern ausgegangen, nämlich einem für den Blickwinkel des linken und einem für den Blickwinkel des rechten Auges. Die Beispielaufnahme wurde mit einer Fujifilm Finepix 3DW3 angefertigt und der Augenabstand liegt fest bei 69mm (Standard).


Das linke (2D-) Teilbild.


Das rechte (2D-) Teilbild.

Das Zusammenfügen echter 3D-Bilder mit GIMP zum Rot-Cyan-Anaglyphenfoto umfasst zwanzig Schritte:

  1. Linkes Teilbild unter GIMP laden.
  2. „Farben/ Werte“ selektieren.
  3. „Kanal: Grün“ und „Zielwerte“ auf null setzen.
  4. „Kanal: Blau“ und „Zielwerte“ auf null setzen.
  5. Mit „OK“ übernehmen.
  6. Rechtes Teilbild unter GIMP laden.
  7. „Farben/ Werte“ selektieren.
  8. „Kanal: Rot“ und „Zielwerte“ auf null setzen.
  9. Mit „OK“ übernehmen.
  10. „Bearbeiten/ Kopieren“ auswählen.
  11. Linkes Teilbild aktivieren.
  12. „Bearbeiten/ Einfügen als/ Neue Ebene“ auswählen.
  13. Im Ebenenfenster „Modus: Normal“ & „Deckkraft 50%“ einstellen.
  14. Mittels Anaglyphenbrille den 3D-Effekt kontrollieren und im Bedarfsfall mittels Verschiebewerkzeug die Lage der Ebene ggf. geringfügig durch Verschieben korrigieren (meist nicht notwendig).
  15. „Ebene/ Nach unten vereinen“ wählen, wodurch das Anaglyphenbild allerdings deutlich dunkler wird.
  16. Rechtes Teilbild schließen (wird jetzt nicht mehr gebraucht).
  17. „Farben/ Helligkeit/Kontrast“ wählen.
  18. Beide Regler, Helligkeit & Kontrast, auf ca. 60-80% hochfahren (gleiche Einstellung beider Regler beachten).
  19. Mit „OK“ übernehmen.
  20. Fertiges, echtes 3D-Anaglyphenbild exportieren.


So sieht das echte 3D-Anaglyphenbild aus. Zum Betrachten wird eine handelsübliche Rot-Cyan-Anaglyphenbrille mit dem Rotfilter vor dem linken Auge benötigt.

Im Gegensatz zu Pseudo-3D-Verfahren, welches ja nur auf das nahe Panum-Areal begrenzt ist, fallen derartige Einschränkungen beim echten 3D-Foto weg. Übrigens: Eine Anaglyphenbrille kann man sich auch ganz einfach selber basteln!