Der nun folgende Beitrag gärt und reift schon seit Jahren. Ich habe mir immer wieder überlegt, ob ich den bringen kann oder nicht. Aber nun ist es an der Zeit und er muss raus. Jedenfalls nachdem ich heute, als ich vom Einkaufen kam, wieder so einen Schneesieber live zu erleben gezwungen war. Ich meine damit allerdings KEINE ganz bestimmte Person! Das betone ich ausrücklich, um Missverstsändnissen vorzubeugen. Der Beitrag ist vielmehr das Resultat aus langer, kritischer Beobachtung. Es gibt Mitmenschen – jeder kennt wohl das eine oder andere Exemplar dieses Typus – denen man instinktiv aus dem Weg geht. Weil man andernfalls vom etwas merkwürdigen Sendungsbewusstsein dieser Menschen glatt erschlagen wird. Manchen kann man leicht aus dem Weg gehen. Manche zählen aber auch zur Kategorie der Feiertags- oder Festtagsgeschwüre und da wird es dann schon deutlich schwieriger. Ich will hier einmal die Eigenschaften eines vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden, unfehlbaren Mitmenschen beschreiben. Vielleicht erkennt ihr ja die eine oder andere Eigenschaft davon wieder …

* Das Rasierwasser oder das Parfum ist so „unaufdringlich“, dass man es schon riecht, wenn er noch draußen vor der geschlossenen Tür steht.
* Der Inhalt seines Glases ist ihm egal, solange das Glas nur einer „Gustav-Klimt“-Kollektion o. ä. gehobener Klasse entstammt.
* Er ist so megacool, dass es eigentlich nur noch peinlich wirkt.
* Er mag zwar weder Kaviar noch Trüffel, doch darf das bei einem standesgemäßen Essen keinesfalls fehlen.
* Er verrät jedem „unter der Hand“, dass man seinen High-Tech-Grill für lumpige 1.500€ noch nicht bekommt, während er billige 79ct-ALDI-Bratwürste draufschmeißt.
* Seine Anzüge (selbstverständlich auch in der Freizeit immer mit korrekt sitzender Krawatte getragen) werden grundsätzlich nur in Boutiqen der Oberklasse gekauft.
* Für ihn ist es urnormal, zu zeigen, dass er Geld hat und Menschen ohne Geld sind in seinen Augen minderwertige, nicht ernst zu nehmende Versager.
* Er weiß besser als jeder Mikrobiologe oder Virologe, dass eine simple OP-Maske zuverlässig vor Coronaviren schützt, weil der Schwager vom Bruder des Kollegen eines Bekannten das glaubhaft versichert haben soll.
* Seine superteure Fotoausrüstung wird „verschämt“ in einer Glasvitrine präsentiert, denn draußen in der rauen Praxis könnte das Teil ja Schaden nehmen.
* Seine Fotos sind grundsätzlich immer die Besten, obgleich er nie an einem Wettbewerb teilgenommen (geschweige denn gewonnen) hat und obwohl er nie ein Foto veröffentlicht (geschweige denn verkauft) hat, dafür aber Anfängerfehler kultiviert.
* Er weiß ganz genau, dass Arbeitslose arbeitsunwillig sowie H4-Empfänger ungebildete Sozialschmarotzer sind und dass Minijobber einen lauen Lenz schieben, denn die arbeiten ja gar nicht richtig.
* Während seiner monatelangen Rekonvaleszens nach einem Sportunfall in der Freizeit kann er zwar leider überhaupt nicht arbeiten, dafür aber mehrwöchige Motorradtouren (natürlich mit der Gold Wing, versteht sich von selbst) durch ganz Deutschland unternehmen; das Geld kommt ja von selbst.
* Er ist ein Fachmann auf jedem Gebiet, denn er legt viel Wert auf Bildung, wobei er immer wieder Dr. Google konsultiert und Vorlesungen an der Uni von YouTubingen belegt.
* Was er nicht begreift (und das ist nicht gerade wenig), das existiert für ihn auch nicht.
* Seine eigene Bildung schöpft er aus den Mainstream-Medien, denn die sind seiner Meinung nach der Wahrheit verpflichtet.
* Er kann bei fremden Völkern immer mitreden, denn er hat die auf seinen mindestens vier Urlaubs-Fernreisen jährlich (das muss ja wohl drin liegen!) ganz genau kennen gelernt (allerdings nur vom Hotelzimmer aus).
* Wenn man wirklich einmal seine Hilfe benötigen sollte, dann hat er dafür keine Zeit, weil er ja ein gefragter und schwerbeschäftigter Typ ist.
* Im Gegenzug drängt er sich manchmal auf, veranstaltet Unruhe und reibt einem jahrelang unter die Nase, dass man ihm für diese eine einzige, unerwünschte und so genannte „Hilfeleistung“ doch in Ewigkeit dankbar sein muss.
* Zu Festivitäten und Feierlichkeiten lädt er sich ganz selbstverständlich selbst ein und langt dann auch ordentlich zu, während Einladungen seinerseits höchstens einmal pro Jahrzehnt ausgesprochen werden – wenn überhaupt.
* Er bleibt am Ende der Rolltreppe unvermittelt stehen weil er sich erstmal orientieren muss und was hinter ihm passiert ist ihm scheißegal.
* Selbstgekochtes Essen, Eingemachtes usw. taugt alles nichts, weil es nicht aus dem Delikatessenhandel kommt: Ausschlaggebend ist einzig das Etikett und Verpackung ist wichtiger als Inhalt.
* Er legt allergrößten Wert auf Äußerlichkeiten, niemals aber auf Substanzielles oder auf Inhalte.
* Wenn er irgendwo etwas sieht, bei dem er nicht mithalten kann, dann muss er das auch haben – bloß eben noch größer und noch teurer.
* Er hat zwar keine Kinder, ist aber der ultimative Experte hinsichtlich der Kindererziehung.
* Mit dem vor vierzig Jahren für den Führerschein gemachten Ersthelferkusus sticht sein Fachwissen die Erfahrung eines jeden gestandenen Rettungs- oder Notfallsanitäters spielend aus.
* Pflege kennt er zwar nur vom Hörensagen, doch um mitreden zu können und gefälligst zu befolgende Ratschläge zu erteilen reicht ihm das völlig aus.
* Er baut und repariert lt. eigener Aussage immer alles selbst, bestenfalls haben Bekannte ein paar Handreichungen gemacht – bis man dann zufällig von dritter Seite erfährt, wer die Arbeiten wirklich durchgeführt hat.
* Er stellt seinen Einkaufswagen quer in den Eingang, so dass keiner mehr vorbei kommt, doch das interessiert ihn nicht die Bohne.
* Er will partout auch allerkleinste Beträge per Karte (egal welche, aber immer die Goldene) bezahlen und hat seine PIN oder Geheimzahl gerade nicht parat, vozugsweise im dicksten Einkaufsgewühl.
* Hausarbeiten kann man ihm nicht zumuten und deswegen ordert er turnusmäßig die Putzfrau, den Fensterputzer usw. und mokiert sich über unzulängliche Leistungserbringung, doch kann man lt. seiner Aussage von solchen Menschen niederer Klasse offensichtlich auch nichts erwarten.
* Er weiß genau, dass Pflegekräfte und Haushaltshilfen jedem die Bude einrennen, weil er sowas noch nie selbst gebraucht hat und auch noch nie selbst suchen musste.
* Er blinkt links und fährt rechts oder aber er blinkt rechts und fährt links.
* Linksabbieger muss er unbedingt links überholen.
* Er lässt ein gewisses (gehöriges!) Maß an Herrenmenschendenken immer wieder ganz selbstverständlich durchklingen, bemerkt das nicht einmal und ist obendrein sogar noch stolz darauf.
* Kann er bei einem Thema nicht mitreden, dann setzt er alles daran, das Thema zu wechseln.
* Am Sonntagmorgen beim Bäcker rückt er mit ’nem Hundert-Euro-Schein an, um zwei Brötchen zu bezahlen.
* Selbstverständlich ist es für ihn, dass Vorschriften über dem Menschen stehen und dazu da sind, um blind befolgt zu werden.
* Er ist unkündbar und weiß genau: Wer Arbeit sucht, der findet auch welche!
* Wer die Meinungsäußerungen des besagten Mitmenschen nicht kritiklos unterstützt, der ist ein Querulant und Störenfried!
* Er badet in seinem Gefühl der Überheblichkeit, wenn es ihm gelungen ist, sich irgendwo einzuschleimen oder wenn ein irgendwie Mächtigerer gerade auf Mastdarmmassage steht.
* Als vermeintlich gebildeter Mittelschichtler bringt er zwar selbst nichts zustande, zerfleischt sich aber vor Neid über andere, wenn die etwas auf die Beine gestellt haben – ohne seine Zustimmung, unerhört!
* Während in seiner Wohnung alles in jedem Raum, auch wenn der noch so selten genutzt wird, in heller Festbeleuchtung erstrahlt – gespeist vom sauberen Atomstrom und zur Abschreckung von Einbrechern – lässt er hinten am Ende des Gartens ganz unauffällig das Altöl vom Rasenmäher oder von der Kettensäge im Erdreich versickern, denn das ist ja aus Erdöl gemacht und folglich reine Natur: Er gibt der Natur somit nur das zurück, was sowieso von ihr kommt.
* Als Hauptwagen (er hat natürlich mehrere Autos) kommt für ihn natürlich nur ein Oberklassefahrzeug in Betracht, das er dann mühsam über zig Jahre hinweg abstottert, doch das weiß ja keiner und das hat auch keinen zu interessieren.
* Er will sofort und immer alles von allen wissen, doch für andere relevante Infos hält er zurück, denn die gehen ihn ja nichts an.
* Er glaubt und naturwissenschaftliche Grundlagen bspw. aus Physik oder Chemie sind ihm dabei völlig egal, denn einzig sein Glaube zählt.
* Erfolge anderer zieht er gundsätzlich in den Dreck weil es nicht seine eigenen Erfolge sind.
* Was er überhaupt nicht ab kann ist die Konfrontation mit der Realität oder wenn jemand anders Recht hat, denn darauf reagiert er ausgesprochen ungehalten bis hin zur Aggressivität.

OK, zugegeben: Sowas wie diese dargestellte, fiktive Person trifft man in dieser Ausprägung gottseidank nur extrem selten. Aber in der einen oder anderen Form stolpert man tagtäglich über derartige Mitmenschen. Die o. e. Eigenschaften sind übrigens nicht ausgedacht, sondern samt und sonders dem prallen, realen Leben entnommen. Wie verhielt sich das doch gleich mit den echten Sozialschmarotzern?