Die Bildbearbeitung GIMP wird nicht umsonst als „Photoshop für Linux“ bezeichnet. Ich selbst verwende GIMP nur für die Bearbeitung von Fotos und mir ist völlig klar, dass ich damit lediglich einen geradezu winzigen Teil der Möglichkeiten von dieser Software ausnutze. Doch mehr brauche ich von den Möglichkeiten auch nicht, denn ich arbeite ja nicht als professioneller Grafiker. Letztere können GIMP in alle Himmelsrichtungen erweitern, doch die Erweiterungen muss man sich selbst zusammensuchen und auch selbst vornehmen.

Das erfordert Kenntnisse von der internen Ordnerstruktur des Programms. Ein seit jeher bestehendes Problem dabei ist die enorme Versionsabhängigkeit besagter Erweiterungen (GIMP-Version, G’Mic, Python, SCM- und PY-Scipte etc.) und gar nicht mal selten die Inkompatibilität oder Abhängigkeit von anderen Erweiterungen. In Folge ist nicht jede Erweiterung auch möglich bzw. kompatibel und man muss schon überlegen was man macht bzw. was man wirklich braucht. Deutlich einfacher wird es in diesem Moment, wenn auf Photoshop-8bf-Filter und deren Einbindung setzt, da die wesentlich kompatibler sind (GIMP strebt langfristig zwar auch ähnliche Erweiterungen an, doch das ist heute – Stand 2021 – noch Zukunftsmusik). Wenn man denn die Einindung der Filter hinbekommt …

Um BEI WINDOWS Photoshop-Plugins unter GIMP laufen zu lassen gibt es das GIMP-Plugin PSPI.exe (Download bspw. bei GIMP-Chat). PSPI funktioniert mit den GIMP-Installerversionen ganz gut, wenn man PSPI.exe nach „C:\Benutzer\{NAME}\.gimp-2.8\plug-ins\“ und die 8bf-Filter nach „C:\Benutzer\{NAME}\.gimp-2.8\photoshop-plugins“ kopiert. Angeblich sollen damit über 90% der Photoshop-Plugins unter GIMP lauffähig sein. Ich relativiere das mal anhand meiner eigenen Erfahrungswerte (getestet!): Es sind nur gut 60% – aber immerhin!

Allerdings ist der Einsatz von PSPI bei portablen GIMP-Versionen durchaus problematisch, da die Letzteren eben NICHT auf die Pfade der Installversionen zugreifen (können). Und ich benutze grundsätzlich portable Versionen, weil ich immer wieder an verschiedenen Rechnern vom USB-Stick aus bzw. unter verschiedenen Betriebssystemen arbeiten muss. „Was tun“, spach Zeus, „die Götter sind besoffen und der Olymp ist vollgekotzt und Hera ist am Schimpfen …“ Anders gefragt: Ist es überhaupt möglich, PSPI auch unter den portablen GIMP-Versionen zu nutzen?

Ich habe dazu viel (sehr viel!) und lange (sehr, sehr lange!) rumprobiert und kann jetzt sagen: Ja, das geht! Jedenfalls war ich unter GIMP 2.8 portable und unter GIMP 2.10 portable erfolgreich. Zuerst wird die PSPI.exe-Freeware runtergeladen (ggf. ZIP-Archiv zuvor entpacken). Anschließend wird PSPI.exe in den Ordner „..\App\gimp\lib\gimp\2.0\plug-ins“ der portablen GIMP-Installation kopiert. Zusätzlich ist da noch ein neuer Ordner „..\App\gimp\lib\gimp\2.0\photoshop-plugins“ anzulegen. In den neuen Ordner wandern alle die Photoshop-Plugins, die man künftig unter GIMP nutzen möchte. Danach GIMP portable starten. Es findet sich jetzt unter „Filter“ der Eintrag „Photoshop Plug-in Settings“. Den Anklicken und eine Dialogbox öffnet sich. In der den Button oben links betätigen und mit dem Button oben rechts unter GIMP 2.8 bzw. dem vorletzten Button oben rechts unter GIMP 2.10 den neu angelegten Ordner „photoshop-plugins“ aufsuchen. Diese Auswahl bestätigen und GIMP BEENDEN! Jetzt weiß PSPI.exe, wo es bei künftigen Programmstarts nach den 8bf-Filtern suchen soll.

Nun wird GIMP neu gestartet. Eine ggf. auftauchende Fehlermeldung listet von vornherein inkompatible 8bf-Plugins auf. Es empfiehlt sich DRINGEND, deren Bezeichnungen zu notieren und erst danach die Fehlermeldung zu quittieren. Daraufhin startet GIMP. Unter „Filter“ werden jetzt die 8bf-Plugins namentlich aufgeführt. Anschließend irgendein Bild laden und besagte Plugins der Reihe nach durchtesten. Einige verabschieden sich mit Fehlermeldungen. Andere bewirken den Absturz von PSPI. Auch hier gilt: Die Bezeichnungen der Fehler- und Absturzkandidaten notieren. Im Falle eines PSPI-Absturzes (wird als solcher gemeldet) muss GIMP ohnehin erstmal beendet und dann neu gestartet werden. Hat man alle 8bf-Filter durchgetestet, dann wird der Ordner „..\App\gimp\lib\gimp\2.0\photoshop-plugins“ aufgesucht und alle Fehler- sowie Absturzkandidaten werden gelöscht – das sind dann die Plugins, die garantiert NICHT funktionieren. BTW: Wer viele Filter hat – sind bei mir so gut 500 Stück – der mache das am besten so nach und nach oder so wie es gebraucht wird, denn es dauert wirklich ewig!

Sobald das erledigt ist wird GIMP neu gestartet. Jetzt muss alles laufen – inklusive der verbliebenen, funktionellen Photoshop-Plugins. Eine Einschränkung ist allerdings noch zu machen: Die Vorschau etlicher Plugins ist häufig nicht korrekt bzw. die Vorschaufunktion nicht korrekt gewährleistet, obgleich das Filter grundsätzlich funktioniert. In solchen Fällen wird das Photoshop-Plugin eben nach Gefühl und Erfahrung bedient. Fazit: PSPI.exe kann man auch unter den portablen GIMP-Versionen verwenden. Es ist eben alles nur ein „gewusst wie“.