MP3 und Vorkriegstechnik … – na ja, Vorkriegstechnik stimmt nicht wirklich. Aber die Kombianlage (Kassette, Receiver und Plattenspieler), die zur Soundwiedergabe dient, ist so ein 1970er-Jahre-Teil mit Diodenanschlüssen – seinerzeit der letzte Schrei – und schon seit ein paar Tagen sozusagen „out of date“. Kurzum: Es geht um meine demenzkranke Schwiegermutter. Demenzkranke blühen mitunter richtiggehend auf, wenn sie geeigneten Input erfahren. Also bspw. alte Schlager. Ich habe folglich sowas zusammengestellt – von Marlene Dietrich über Ralf Bendix, Freddy Quinn, Billy Mo, Rudi Carrell, Gus Backus, Theo Lingen, Hans Albers, Roy Black, Klaus Havenstein und Heinz Schenk bis hin zu Wum Töle – also so die Schiene „Wirtschaftswunderhits“ plusminus ein paar Jahre – bislang 131 Titel (es war übrigens an meinem Musikgeschmack gemessen der reine Horror!). Aber wie bekomme ich das jetzt auf das Vorkriegsteil, wenn da der einzige Eingang schon vom CD-Player belegt ist?

Beim Wühlen in der großen Kiste mit den Adapterkabeln fand ich einen knapp zwanzig Jahre alten „Music Fly“. Das ist so ein FM-Transmitter, der aus dem Kopfhörersignal ein UKW-Signal zum Empfang mit dem regulären FM-Radio macht. Die Dinger gibt’s auch heute noch – zwar primär für’s Autoradio, aber vereinzelt mit eingebautem Akku auch für Uralt-Stereo-Antiquitäten wie oben beschrieben, Kostenpunkt zwischen sechs und zwölf Euro (da ist das Porto teurer). Einfach mal nach „FM Transmitter“ suchen … OK, das war der eine Teil. Jetzt müssen die MP3s noch wiedergegeben werden. Mein uralter und schon ewig ausgemusterter ODIS-MP3-Player streikte. Watt ’nu?

Da gab’s noch das mittlerweile sechs Jahre alte und gleichfalls ausgemusterte Handy von meiner Frau, ein Acer Liquid Z630. Es hatte immer seinen Dienst verrichtet. Zugegeben, das Android war etwas betagt (6er-Version) und aktuelle Apps liefen darauf schon lange nicht mehr. Irgendwann im Dezember vergangenen Jahres geschah es dann, dass das Ding auch die SD-Card nicht mehr erkannte und somit meine bessere Hälfte auf einem neuen Handy bestehen ließ. Bekam sie – O-Ton: „Das alte Handy war viel einfacher!“ Tja, das alte Handy – viel zu schade zum Wegschmeißen. Deswegen wagte ich noch einen Versuch: Hardreset und Kontakte der Micro-SD mit einem Glasradierer für Fotoapparate misshandelt: Klappte hervorragend – Speicherkarte wird wieder erkannt!

Bloß: Schwiegermutter lebt Vorkriegstechnik. D. h. kein Internet, kein WLAN, Telefonkarte sowieso nicht usw. Ich beabsichtigte, das Handy als reinen MP3-Player drahtlos über UKW an ihre Uralt-Stereoanlage zu hängen. Geht das überhaupt? Ja – es haut hin! Und zwar auf folgendem Wege: Zuerst wird die SD-Card mit der Musik bestückt und in das Smarphone eingebaut. Anschließend das per Hardreset „jungfräulich“ gemachte Handy einschalten und per WLAN auf den eigenen Google-Account personalisieren, damit überhaupt Apps aus dem Play Store runtergeladen werden können. Jetzt können die Apps, die man möglicherweise braucht, ausgesucht und installiert werden.

Also „Music Folder Player“ und „Foldplay“ als MP3-Player installiert. Dazu noch den „Task Manager“ um die Player auch definitiv wieder abschalten zu können (schont den Akku). Für den Fall der Fälle – wenn also das Handy wider Erwarten doch irgendwann mal im Netz verwendet werden soll – kamen zusätzlich noch als Videoplayer „VLC„, als I-Net-Radio „radio.de„, als PDF-Reader „Xodo“ und als Messenger „Signal“ mit drauf – und das war’s dann auch schon.

Nächster Schritt: Die Personalisierung wieder beseitigen, denn der Play Store wird jetzt ja nicht mehr benötigt. Ich bin dabei nach der CHIP-Anleitung vorgegangen, d. h. in den „Einstellungen“ des Handys nach „Nutzer und Konten/ Google“ navigieren, das Google-Konto antippen und nach Aufruf des Drei-Punkte-Symbols „Entfernen“ auswählen. Klar, das Handy meckert jetzt: Einfach ignorieren! Das Konto an sich bleibt ja bestehen – nur auf dem Handy wird es beseitigt. Letztlich noch das WLAN deaktiviert und nun ist das Ding offline, denn eine SIM-Card ist ja auch nicht drin. Abschalten und neu hochfahren: Jetzt wird irgendwas im Android umgefummelt. Was weiß ich nicht; das macht das Ding automatisch. Nochmal abschalten und neu starten und jetzt hat man ein offline-Handy als MP3-Player. Musik einschalten und den FM-Transmitter an den Kopfhörerausgang anschließen.

Und dann? Dann wird das Smartphone mit dem UKW-Sender nur noch auf oder neben das als Empfänger dienende Radio gelegt. Am Radio die UKW-Frequenz des FM-Transmitters einstellen und schon steht dem „Hörgenuss“ – sofern man bei den alten Schinken überhaupt davon sprechen kann – nichts mehr im Wege. Sicher, meine Schwiegermutter ist in ihrem Alter und bei ihrem Krankheitszustand mit der Handybedienung überfordert. Aber das kann ich ja machen. Und siehe da: Sie hat sich gefreut und man konnte deutlich bemerken, wie sie plötzlich ein paar von den stillgelegten Gehirnwindungen wieder in Betrieb genommen hat!