Vor vielen, vielen Jahren stieß ich beim Basteln mal auf ein altes, defektes Relais. Normalerweise schmeißt man sowas weg. Ich werkelte aber getreu dem Motto „Was passiert dann?“ dran rum. Zusammen mit einer 9V-Batterie und einem Schalter wurde das Ding zu so einer Art von Summer. Mehr noch: Man konnte deutlich erkennen, wie innen elektrische Funken zwischen den Kontakten entstanden. Funken, die absolut zuverlässig Funkstörungen verursachten. Mit anderen Worten: Ich hatte ohne es zu wollen meinen ersten Jammer gebastelt. Unter einem Jammer versteht man in der Funktechnik nämlich einen Störsender. Dessen Reichweite erstreckte sich auf einen Radius von vielleicht 30-50m – immerhin! Der Jammer (er umfasste alles von LW bis UHF und durchdrang jede Schirmung) erwies sich als recht praktisch, wenn man ein Telefonat aufgrund einer „technischen Störung“ vorzeitig beenden „musste“, ohne den Gesprächspartner vor den Kopf zu stoßen. Irgendwann allerdings waren die Kontakte verschlissen und das Teil wanderte endgültig in den Müll.

Kürzlich kam meine bessere Hälfte mit einem Problem zu mir, denn in ihrem Freundeskreis gibt es da so eine Person, die immer und immer wieder (täglich!) zu den ungünstigsten Zeiten wegen absoluter Nichtigkeiten anruft und einem eine Blase an’s Ohr sabbelt – ganz egal, ob gerade Essen kochen, Hausputz oder Arbeit in Form von Homeoffice angesagt ist. Eine Person, die sich auch dann nicht beeindrucken lässt, wenn man ihr mitteilt, dass man gerade wirklich ganz und gar keine Zeit hat. Die dann wieder und wieder anruft und weiterlabert. Die man durch das Sperren des Anschlusses oder durch einfaches Auflegen aber auch nicht brüskieren will, denn es könnte ja doch mal was Wichtiges dabei sein. Als sie mir die Geschichte erzählte, da erinnerte ich mich gleich wieder an den eingangs angeführten, alten Jammer: Sowas müsste sich doch auch mit aktueller Technik basteln lassen …

Ich guckte nach, was noch so in der Bastelkiste rumflog. Dabei fielen mir ein uralter und längst ausgemusterter MP3-Player (mit saaagenhaften 128MB Speicher, dabei lächerliche 70MB nutzbar, zudem noch ein Batteriefresser par excellence) und ein wirklich furchtbar klingender Ohrhörer in die Hände. Hm… – für einen rein akustischen Jammer würde das ja völlig ausreichen! Wenn man das Ding nämlich mit alarmierenden Sounds bestückt, einschaltet und den Ohrhörer dann in die Nähe des Mikrofons bringt, dann ist da plötzlich so ein Störgeräusch. Das Gespräch zwischen Anrufer (nachfolgend Telefonzecke genannt) und Angerufenem (nachfolgend Opfer genannt) nimmt dabei mit absoluter Sicherheit in etwa folgenden Verlauf …

Telefonzecke: „Laber-Rhabarber-Seier-Sülz-Nöl …“
Opfer: (Schaltet den Jammer ein und nähert ihn dem Mikrofon.)
Telefonzecke: „Iiih, was ist das denn? Hörst du das auch?“
Opfer: „Nein, was denn?“
Telefonzecke: „Da ist plötzlich so ein furchtbares Geräusch in der Leitung …“
Opfer: (Schiebt den Ohrhörer näher ans Mikro.) „Nein, ich höre nichts. Bei mir kommt alles ganz klar an!“
Telefonzecke: „Das ist ja grausam!“
Opfer: „Dann muss es an der Leitung liegen. Lass‘ uns einfach Schluss machen!“
Telefonzecke: (Hartnäckig.) „OK, dann rufe ich gleich nochmal an!“
Opfer: (Genießt den Moment der Ruhe und schaltet den Jammer wieder aus.)
Telefonzecke: (Ruft nochmal an.) „Ist’s jetzt besser?“
Opfer: „Nee, jetzt höre ich so ein komisches Geräusch. Ich kann dich kaum verstehen!“
Telefonzecke: „Na gut, dann probiere ich es morgen nochmal!“

Dieser Gesprächsverlauf ist quasi vorprogrammiert und nachdem das ein paarmal so gelaufen ist sucht die Telefonzecke sich ein anderes Opfer für das Zumüllen mit verbalem Ausfluss. Doch wie macht man das mit dem Jammer jetzt im Detail? Zunächst mal braucht man alarmierende – d. h. als unangenehm empfundene – Sounds. Die gibt’s als MP3s zuhauf zum Gratisdownload im Internet. Das ist dann sowas wie ein 1kHz-Sinuston oder Zahnarztgeräusche, das Kreischen einer Säge o. ä. Normalerweise sind derartige Sounds nur wenige Sekunden lang und deswegen fertigt man Kopien davon an; als gute Spieldauer haben sich drei Minuten herauskristallisiert.

Die Kopien werden also mit Merge MP3 zum Dreiminutenstück zusammengefügt. Dann ab damit auf den MP3-Player und überprüfen, ob der das auch komplett abspielt. Gerade bei den älteren Playern wird nämlich ein verkettetes MP3 nicht unbedingt vollständig erkannt. Wenn’s läuft dann war’s das auch schon. Wenn nicht (wenn also nur der erste Teil der Verkettung abgespielt wird) kommt jetzt CDex zum Einsatz. Damit den Sound in Wave umwandeln, ggf. noch mit irgendeinem Wave-Editor den Pegel auf 100% bringen (muss nicht sein) und nun wieder mit CDex das Ding zurück nach MP3 verwandeln – jetzt erkennt der Player es auch, garantiert!

Hatte man keinen Wave-Editor zur Hand und liegt der Pegel zu niedrig, dann kann der auch noch nachträglich mit Audacity auf 100% korrigiert werden. BTW: Alle angeführten Programme sind portable Freeware für Windows ab Version 7. Bei „Merge MP3“ bitte beachten, dass nur obiger Link zur Freeware führt. Die Suche danach mittels Suchmaschinen verweist nämlich immer auf kommerzielle Software gleichen Namens, doch dann gibt man nur sinnlos Geld aus. Das fertige MP3 wandert schließlich auf den Player. Jetzt nur noch den Ohrhörer als Wiedergabegerät an den Player anschließen, Gerät einschalten, Lautstärke auf Maximum drehen und besagten Ohrhörer in die Nähe des Mikrofons bringen. Der Erfolg stellt sich ganz von selbst ein und die Bastelei hält sich mit einem Zeitbedarf von einer Viertelstunde wirklich in Grenzen: Zwar fies, aber funktionell … 😉