„Diese Regierung hat von Organisation soviel Ahnung wie eine Heuschrecke vom Dressurreiten!“
(Dieter Hallervorden)

Es gibt inzwischen Impfstoffe gegen Corona: SinuVac, Sputnik-V, BionTech, Moderna, Johnson&Johnson, Astra-Zeneca und demnächst vielleicht auch CureVac sowie ein paar andere. Grundsätzlich ist dabei zwischen zwei verschiedenen Verfahren zu differenzieren, nämlich den auf mRNA basierenden „neuen“ Impfstoffen (BionTech, Moderna, CureVac – müsssen auf mindestens -20°C, ideal auf -70°C gekühlt werden und bedürfen daher der Verabreichung in Impfzentren) und den herkömmlichen Verfahren mit Vektorviren (SinuVac, Sputnik-V, Astra-Zeneca – müssen bei Kühlschranktemperatur aufbewahrt werden und könnten eigentlich in so ziemlich jeder Arztpraxis verimpft werden). Dann gibt es noch die prinzipielle Möglichkeit der Impfung mit mono- oder polyklonalen Antikörpern. In welche dieser Kategorien das Mittel von Johnson&Johnson passt weiß ich übrigens nicht. Ist aber auch egal.

Aktuell ist der Impfstoff von Astra-Zeneca wieder in die Schlagzeilen geraten. Angeblich kann er die überaus seltenen Hirnvenenthrombosen verursachen. Bloß so genau weiß das auch keiner. In dem Wissenschaftsbeitrag bei Scinexx wird gesagt, dass derartige Thrombosen ganz natürlich bei zwei bis fünf von einer Million Menschen auftreten. Bei den Impfungen mit Astra-Zeneca-Impfstoff sind es 4,5 von einer Million Menschen und das bewegt sich noch im „natürlichen“ Rahmen. Auffällig ist dabei nur der zeitliche Zusammenhang mit dem Auftreten nach der Impfung. Das kann natürlich auch Zufall sein.

Ich finde, man sollte dieses vermeintliche „Astra-Zeneca-Problem“ angesichts der jetzt laufenden, dritten Seuchenwelle nicht überbewerten. Bedeutet: Die Impfungen sollten weiterhin erfolgen, und zwar bei all denen, die sich dazu bereit erklären, während parallel dazu der Impfstoff nochmal genauer unter die Lupe genommen wird. Einfach schon aus dem Grunde, weil das Zeit spart und Zeit angesichts der Pandemie ein kostbares Gut ist. Zudem gehören Vektorviren-Impfstoffe in die Arztpraxen und nicht in die Impfzentren, weil das nochmal Zeit spart! Doch selbst wenn sich die Thrombosen eindeutig auf den Impfstoff von Astra-Zeneca zurückführen lassen würden, dann könnte man meiner Meinung nach doch durchaus versuchen, mit simultan verabreichten Blutverdünnern die Problematik in den Griff zu bekommen. Das muss nicht gleich Xarelto sein; dazu reicht vielleicht sogar schon Asprin aus. Oder man nimmt simultan ein Mittel wie z. B. Clexane zur Thromboseprophlaxe. Könnte man ja auch mal untersuchen. Wenn man nur wollte …

Eins ist jedenfalls sicher: Ohne die Impfungen dürfte es verdammt hart werden. Härter als vor einem Jahr. Dann steigt die Inzidenz wieder. Dann leben wir eine Folge von Lockdown-Lockdownerwartung-Lockdown-Lockdownerwartung usw. bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Aber ist es denn überhaupt sinnvoll, einzig auf die Inzidenz zu schauen? Ich glaube nicht. Eine wichtige Rolle dürften nämlich auch die Impfquote in der Bevölkerung sowie die Auslastung der intensivmedizinischen Plätze spielen, also die belegten Intensivbetten. Berücksichtigt man beides, dann könnte so manches mittelständische Unternehmen vielleicht überleben – im Lockdown geht das nicht – und so manche Schule oder Kita geöffnet bleiben.

Doch wie würde so eine Berücksichtigung aussehen? Braucht man dazu nicht aufwändige, mathematische Modelle, Computer und so’n Zeugs? Ich meine nein. Die vier Rechenarten der Grundschulmathematik reichen völlig aus – genauer gesagt Multiplikation und Division. Wenn man die Inzidenz mit der prozentualen Auslastung der Intensivbetten multipliziert und das dann durch die Impfquote in der Bevölkerung dividiert, dann erhält man einen Quotienten, der alle drei Bereiche – nämlich Inzidenz, Auslastung und Impfquote – wiederspiegelt und den man viel besser zum Abbilden der Verhältnisse auf Kreisebene verwenden könnte. Entsprechend sähen dann die zu ergreifenden Maßnahmen aus. Macht man einen Lockdown an diesem Quotienten fest, dann gestattet das sehr viel mehr Freiheiten für den einzelnen Bürger. Kompliziert? Gar nicht! Rechnen wir zur Veranschaulichung doch einfach mal ein paar Beispiele durch!

Beispiel 1: Die Inzidenz liegt bei 50, die Auslastung der Intensivbetten bei 70% und die Impfquote bei 6%. Dann haben wir „50*70/6=583,3“. Hier bräuchte man weder einen Lockdown noch zu befürchten, dass unser Gesundheitssystem den Bach runtergeht und zusammenbricht. Einzelne Einschränkungen könnten allerdings durchaus angebracht sein.

Beispiel 2: Die Inzidenz liegt bei 100, die Auslastung der Intensivbetten bei 80% und die Impfquote bei 2%. Macht „100*80/2=4000“. Da läuten alle Alarmglocken. Da lohnt sich der Lockdown durchaus.

Beispiel 3: Als Inzidenz nehmen wir 30 an, als Auslastung der Intensivbetten mit 30% und als Impfquote 7%. Ergibt „30*30/7=128,6“. Es ist fraglich, ob dann überhaupt noch Einschränkungen notwendig wären.

Beispiel 4: Gehen wir bei der Inzidenz von 150 aus, bei der Auslastung der Intensivbetten von 50% und bei der Impfquote von 4%. Dann errechnet sich „150*50/4=1875“. Das ist bereits im kritischen Bereich und es erscheint sinnvoll, das öffentliche Leben zumindest teilweise herunter zu fahren.

Soviel erstmal dazu. Bleibt festzuhalten, dass der Inzidenzwert allein eben nicht das Ei des Kolumbus sein kann. Aber was käme denn dabei raus, wenn eine hohe Durchimpfungsrate vorliegt? Nehmen wir mal 80% Durchimpfung an (geht, Beispiel Israel). Im Beispiel 1 hätte wir dann den Quotienten 43,75. Im Beispiel 2 wäre es 100, im Beispiel 3 sind es 112,5 und im vierten Beispiel kommt 93,75 raus. Das bedeutet: Die Impfung ist das A und O, ist der Faktor, der den Pandemieverlauf entscheidend beeinflusst – und zwar um Welten entscheidender als irgendein Lockdown das je könnte! Womit wir wieder beim Impfstoff wären …

Die chinesischen und russischen Impfstoffe (SinuVac und Sputnik-V) galten hierzulande über lange Zeit hinweg nicht als zulassungsfähig, weil dort per Notzulassung die klinische Phase III der Impfstoffprüfung übersprungen und das Zeug gleich im real life an der Bevölkerung ausprobiert worden ist. Nach aktueller Datenlage könnte aber aufgrund von inzwischen nachgereichten Daten zumindest der Sputnik-V auch hierzulande von den Zulassungsbehörden geprüft werden – stünden da nicht Sanktionspraxis und Russenbashing davor, die offensichtlich wichtiger sind als das Leben derer, die hier bestenfalls als Stimmvieh gelten. Über SinuVac hingegen habe ich keine Daten finden können – hier sollte es allerdings zu denken geben, dass der chinesische Impfstoff nicht nur in China, sondern darüber hinaus im gesamten südostasiatischen Raum eingesetzt wird.

China hat lt. Wikipedia 1.400.050.000 Einwohner. Davon sind lt. Ärzteblatt inzwischen 3,5% geimpft. D. h. es gibt 49.001.750 Geimpfte: Deutlich mehr als in Deutschland. Russland hingegen weist bei 2,8% Impfquote und 144.526.636 Einwohnern – somit 4.046.745 Geimpften – einen Impfrückstand ähnlich wie in Deutschland auf. Warum erwähne ich diese Zahlen? Ich will damit verdeutlichen, dass man sich hierzulande auch rechtzeitig nach Lieferkontingenten des chinesischen und des russischen Impfstoffes hätte umsehen können. Könnte man auch jetzt noch tun. Hätte und könnte, wenn man nur wollte … Aufgrund von Vorbehalten wollte man aber offensichtlich nicht und setzte auf „westliche“ Entwicklungen. Der in die Kritik geratene Impfstoff von Astra-Zeneca gehört mit dazu. Die Kritik entstand bisher dadurch, dass immer wieder Daten nachzuliefern waren: Wo liegt bei derartigem Procedere eigentlich der gravierende Unterschied gegenüber dem russischen Impfstoff?

Jedenfalls wird jetzt aufgrund des Aussetzens der Impfungen mit Astra-Zeneca wieder einmal ein Impfstoffmangel beklagt. Ein Mangel, der meiner Meinung nach nicht hätte eintreten müssen und der (vgl. oben, Stichwort Blutverdünner) vielleicht auch gar keiner ist, wenn man ihm in organisatorischer Hinsicht Rechnung trägt. Doch da steht das Zitat des eingangs angeführten Dieter Hallervorden davor. Vielleicht stünde es unseren so genannten „Volksvertretern“ mal gut zu Gesicht diejenigen zu fragen, die tagtäglich ganz unten am Fuß der Machtpyramide dem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, anstatt teuren Rat in der gleichen sozialen und elitär-abgehobenen Schicht zu suchen. Aber das alles sind selbstverständlich nur die vernachlässigbaren Gedanken eines Laien, die zudem noch im Internet stehen …