Achtung, jetzt wird’s im wahrsten Sinne des Wortes klein, bunt und lustig. Jetzt gibt’s nämlich digitale Kunst. Ich habe letztens nicht schlecht gestaunt, als ich aus den Nachrichten erfuhr, dass ein so genanntes „digitales Kunstwerk“ bei Christie´s für über 69 Millionen Dollar versteigert worden ist. Nun will ich dem Künstler Beeple keineswegs Konkurrenz machen – ganz im Gegenteil; ich gönne ihm seinen Erfolg von Herzen – sondern stattdessen vielmehr einmal zeigen, wie jeder so eine Collage selbst anfertigen kann, und zwar einfach nur so zum Spaß. Denn außer dem versteigerten Kunstwerk gibt’s ja auch noch digitale Kunst zum Runterladen. Mein Programm der Wahl ist dabei die portable Windows-Freeware „AndreaMosaic“ (für Win ab XP), die nach dem Entpacken rund 30MB an Plattenspeicher beansprucht. Wie funktioniert das jetzt?

Den zuerst mal zeitaufwändigsten Schritt dürfte wohl das Raussuchen geeigneter Bilder (im Programm „Kacheln“ genannt) sein. Dabei gilt rein von der Optik her: Je mehr desto besser und einen Grenzwert von 150 verschiedenen Bildern sollte man möglichst nicht unterschreiten, damit es hinterher auch noch nach was aussieht. Anschließend sucht man sich das Quellbild, welches zum Mosaik umgeformt werden soll. Mit „AndreaMosaicPortable.exe“ wird das Programm gestartet. Es verlangt zunächst nach der Wahl des Kacheltyps.

Der Kacheltyp hängt vom vorliegenden Bildformat ab: Einer fotografiert mit dem Verhältnis 3:2, einer mit 16:9 und ich bevorzuge 4:3 – folglich erfolgt der Klick bei mir auch auf 4:3, damit die Bilder nicht verzerrt werden. Umgehend poppt die Programmoberfläche auf. Mit dem Klick auf das Flaggensymbol unten rechts lässt sich bei Bedarf die Sprache auf Deutsch umschalten. An dieser Stelle ist ein kleiner Einschub nötig: Einerseits finden sich bei der Programmbedienung ein paar „künstlerische Freiheiten“, so dass das etwas „tricky“ ist.

Andererseits ist die deutsche Beschriftung der Buttons und Bedienelemente zwar durchaus korrekt, jedoch nicht immer eindeutig verständlich, so dass jemand, der die Software zum ersten Mal einsetzt, vielleicht doch etwas ins Grübeln gerät. Doch keine Angst: Wenn man man erstmal raus hat wie es funktioniert, dann macht es richtig Spaß! Außerdem erklären zahllose, hilfreiche Tooltips haarklein, was man wo machen muss. Hat man sich erst einmal mit der Programmbedienung vertraut gemacht, dann werden besagte Tooltips jedoch schnell nervig (zumal sie mitunter Bedienungslemente verdecken). Dann sollte man sie abschalten. Das geschieht mit dem Button „Weitere Optionen“. Dort kann u. a. auch ein abweichendes Ausgabeverzeichnis für das fertige Mosaik definiert werden.

Das zum Mosaik umzusetzende Quellbild wird nun per drag’n drop auf die Oberfläche von AndreaMosaic gezogen (eine andere Möglichkeit zum Öffnen oder Laden von Dateien ist sonst nicht vorgesehen).

Das über dem Bild liegende Gittermuster zeigt nun die Kachelung des Mosaiks, also die Stellen, welche durch Aufnahmen aus der o. e. Bildsammlung ersetzt werden sollen.

Links des Quellbildes kann man nun die Mosaikgröße, Auflösung, Kachelgröße usw. vorgeben. Hinsichtlich der Mosaikgröße gilt: Je größer desto besser! Das hat einen ganz einfachen Grund. Derartige Mosaikbilder wirken am besten, wenn sie als Solitärbild irgendwo an die Wand gehängt werden. Aus der Ferne sieht man das Quellbild. Geht man näher ran, dann offenbaren sich die Kacheln u. d. h. die zahllosen Einzelfotos, aus denen das Mosaik zusammengesetzt ist. Je größer der Abzug, desto größer sind auch Erstaunen und „Aha“-Effekt beim Betrachter. D. h. man sollte nicht unter DIN A3 gehen, sondern tunlichst immer darüber hinaus. Hinsichtlich der Auflösung gilt je feiner desto besser – 50PPI ist m. M. nach aber definitiv zuwenig. Es sollten schon 100-300PPI sein und wer auf allerhöchste Qualität Wert legt der nimmt eben noch mehr. Bei der Kachelanzahl empfehle ich einen Wert von 5.000 oder 10.000, was natürlich voraussetzt, dass Bilder wiederholt eingebaut werden, sofern der ursprüngliche Bildbestand kleiner ist. Weiter geht es dann mit dem Betätigen des Buttons „Kacheln“, woraufhin eine Dialogbox erscheint.

Mit dem Button „Verzeichnis hinzufügen“ wählt man den Ordner mit der bereits vorbereiteten Bildersammlung. Kleiner Hinweis dazu: Die Bilder müssen NICHT auf die gleiche Größe normiert worden sein! Sie sollten allerdings die gleiche Ausrichtung – also nur Quer- bzw. nur Hochformat – aufweisen.

Der Button „Liste speichern“ liest anschließend die Bildersammlung ein. Das erfolgte Einlesen wird gemeldet und es erscheint eine Aufforderung zum Speichern der Bilderliste: Diese Speicherung ist ZWINGEND NOTWENDIG und bitte den Speicherort MERKEN, falls man die Bilder für ein weiteres Mosaik verwenden will. Gespeichert wird standardmäßig eine Binärdatei mit der Bezeichnung „Meine Kachelliste.amc“.

In Folge werden die eingelesenen Bilder u. d. h. die Kacheln als Thumbnail-Liste angezeigt. Mit dem Button „OK“ bestätigt man diese Auswahl und die Dialogbox schließt sich. Nun kann das Mosaik erstellt werden.

Der Klick auf „Mosaik erstellen“ startet die Bearbeitung. Je nach Bildgröße, Auflösung und Kachelanzahl kann die durchaus etliche Minuten beanspruchen – je mehr RAM-Speicher man zur Vefügung hat desto besser, aber selbst mit 2GB RAM funktioniert es auch. Man muss dann eben nur etwas mehr Geduld mitbringen.

Die Fertigstellung des Mosaiks wird zwar gemeldet, das Mosaik selbst allerdings NICHT angezeigt. Dazu muss man es schon mit einem Bildbetrachter wie z. B. IrfanView öffnen. In der Nahansicht zeigen sich sich dann die Einzelbilder u. d. h. die Kacheln.

Das komplette Bild kommt auf dem Bildschirm natürlich erst dann zum Vorschein, wenn man die Ansicht verkleinert. Wie so etwas hinterher aussieht, will ich einmal anhand von ein paar Beispielen deutlich machen (draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab).


Das obige Echsenmosaik, zusammengesetzt aus knapp 150 Amphibien- und Reptilienbildern.


Foto eines Klatschmohns, mit rund fünzig Downloads von Feen und Elfen zum Mosaik umgearbeitet.


Foto einer Blume, mit rund fünfhundert anderen Blumenbildern zum Mosaik umgearbeitet.


Gleiche Bildrsammlung wie oben, jetzt aber mit einer Kleeblüte als Quellbild.


Ein Blatt auf einer Wasseroberfläche und hier sind wieder die bereits o. e. Bilder von Fabelwesen zum Einsatz gekommen.


Karibischer Sonnenuntergang, aus rund fünfzig Space- und Landschaftsfotos (alles aus dem Internet) zusammengesetzt.


Herbstlaub, bestehend aus gut 300 Waldaufnahmen.


Die blumige Blume: Hier wurde zuerst ein Blumenmosaik aus Blumenbildern erstellt, davon die Blüte ausgeschnitten und in das Originalbild eingefügt.

 

Natürlich könnte man jetzt auch noch einen großen Schritt weitergehen und das Mosaik aus Mosaiken zusammensetzen, doch wenn ich mir überlege, dass man dafür zuerst mal mindestens so um die 150 Mosaike als Kacheln anfertigen und – um noch etwas erkennen zu können – mit größtmöglicher Auflösung arbeiten muss, dann artet das schon wirklich echt in Arbeit aus: Matrjoschka-Bilder oder so ähnlich … 😉