Laschet: „Das Land ist in einem schlimmen Zustand!“
Lanz: „Wer hat denn jetzt 16 Jahre regiert?“
Laschet: „Das hat doch damit nichts zu tun!“
Lanz: „Doch.“
Laschet: „Nein.“
Lanz: „Doch.“
(Dialog aus einer bundesdeutschen Talkshow im Jahr 2021 zur Erinnerung an einen unvergessenen Komiker.)

Ich bin da über eine interessante Publikation vom Umweltbundesamt gestolpert, nämlich über den „Umweltmonitor 2020„. Darin zeigt sich, dass unsere Regierung wirklich etwas für die Umwelt getan hat bzw. noch tut, denn in den Bereichen Gesamtrohstoffproduktivität, Erneuerbare Energien und Grünlandfläche werden die gesteckten Ziele erreicht bzw. nahezu erreicht. YEAH!!! Das ist doch was! Da kann doch keiner mehr von umweltpolitischer Untätigkeit sprechen!

Zugegeben, es gibt da noch ein paar andere Kleinigkeiten, in denen die Ziele nicht erreicht oder sogar deutlich verfehlt werden. Also sowas wie Primärenergieverbrauch (Es lebe das Elektroauto!), Endenergieproduktivität (Es geht doch nichts über Kohlekraftwerke!), Umweltinanspruchnahme des Konsums (Mt. Kippe als Naherholungsziel und Übungsgelände für Bergsteiger!), Umweltfreundlicher Konsum (Nachhaltige Produkte schaden der Wirtschaft und die dient uns ja schließlich allen!), Nationaler Wohlfahrtsindex (Es lebe H4!), Umweltmanagement (Klöckners Werbeauftritte!), Umweltkosten von Energie- und Straßenverkehr (Wohin mit den Altlasten?) und-und-und … – die Liste ist verdammt lang. Also streng genommen fast zehnmal so lang wie die Liste der erreichten Umweltziele. Aber hey! Wen interessiert das schon? Damit argumentieren doch bestenfalls Miesmacher!

Ich kann mich noch sehr gut an eine Zeit erinnern – das war so gegen Ende der 1960er und zu Anfang der 1970er Jahre – als man bei der Analogfotografie wirklich Entwicklungskosten einsparen konnte, indem man die belichteten Bilder einfach mit dem so genannten Wasser des Rheins entwickelte. Seinerzeit zierten hohe Schaumberge jedes noch so kleine Gewässer und für die Produkte aus dem eigenen Garten wurden Verzehrverbote ausgesprochen. Das änderte sich aber ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre nach und nach und gegen den Widerstand der aufstrebenden Glaubensgemeinschaft der Neoliberalisten (denn den Neoliberalismus mit gesundem Menschenverstand erklären kann man nicht – das muss man schon glauben!).

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre waren wir dann schon wieder soweit, dass man im Rhein baden konnte – jedenfalls stellenweise. Und das Zeug aus dem eigenen Garten konnte man, so denn gerade kein Geigerzähler zur Hand war, auch wieder essen (Schema: Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß!). Ja, so wurden Umweltziele erreicht! Auch der ÖPNV war ausgebaut worden. Jedenfalls in den Städten. Auf dem Lande wäre das natürlich unwirtschaftlich gewesen; da geriet der eigene fahrbare Untersatz zur unverzichtbaren Selbstverständlichkeit. Dann kamen Sozialrassistisches Pack Deutschlands und Öko-Couch-Potatoes an die Macht und machten endlich Nägel mit Köpfen!

D. h. was vorher in Bezug auf den Neoliberalismus von der Chaos-Durch-Unfähigkeit-Regierung nur eher zögerlich angegangen worden war, das wurde jetzt im Rekordtempo durchgepeitscht: Freie Bahn den Konzernen! Umweltschutz musste sich rechnen; geheiligt seien Margaret die Eiserne und Ronald der Cowboy! In den Folgejahren mutierten dann das Sozialrassistische Pack Deutschlands und Chaos Durch Unfähigkeit, unterstützt von der FDP mit Krötenschutzprogramm (Zitat Sahra Wagenknecht) zur NLEPD, d. h. zur Neo Liberalen Einheits Partei Deutschlands. Aus einem heute nicht mehr wirklich nachvollziehbaren Grund scherten dann aber plötzlich ein paar Abweichler aus der gemeinsamen NLEPD-Linie aus und brachten so merkwürdige Sachen wie „Windenergie“, „Atomaustieg“ oder „Kohleausstieg“ ins Gespräch. Nur denen ist unser heute zerrissener Umweltmonitor zu verdanken. Ohne die hätten wir es wirklich geschafft, nicht nur 90%, sondern volle 100% der Umweltziele zu verfehlen – schämt euch!

Aber sei’s drum … Rechnen wir das einfach mal ganz grob hoch. Um 10% der Umweltziele zu erreichen haben wir rund zwanzig Jahre benötigt. Bemüht man den Dreisatz, dann könnten wir folglich die hundert Prozent ungefähr im Jahr 2221 erreicht haben: Gut Ding will Weile haben und nur nichts überstürzen! Wir gehen das Thema Umwelt eben mit deutscher Gründlichkeit an und das dauert selbstverständlich seine Zeit, zumal dazu sicherlich noch viele, viele Berater beauftragt und angehört werden müssen – damit später alles richtig läuft. Ich hoffe nur, dass die Kinder unserer Kindeskinder dann irgendwann in den Genuss einer (wieder) intakten Umwelt kommen werden. Sofern dann noch etwas von der Umwelt da sein sollte …