Wenn man zehn unterschiedliche Rechner nimmt und da eine Linux-Distribution draufpackt, dann hat man hinterher auch zehn gleiche Rechner. Wenn man aber zehn baugleiche PCs nimmt und da eine einzige Windows-Version draufpackt, dann hat man hinterher zehn unterschiedliche PCs. Das ist mir heute mal wieder so richtig zu Bewusstsein gekommen. Ich habe hier nämlich z. Zt. zwei Win10-Rechner: Meine eigene Kiste und die vom Verein. Wie gesagt: Gleiches Windows! Windows 10 wird mit Microsoft 365 als Officepaket ausgeliefert. Dessen Verwendung ist kostenpflichtig. Daher wird darauf verzichtet und stattdessen kommt LibreOffice zum Einsatz. So weit, so gut. Heute nun standen bei dem Vereinsrechner mal wieder Updates an. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass das Ding sich andere Updates zieht als es mein eigener Rechner mit gleichem Betriebssystem tut.

Dann aber staunte ich nicht schlecht. Erstmal kam nach dem auf ein kumulatives Monster-Mörder-Update folgenden Hochfahren ein gänzlich ungewohnter, neuer Einrichtungs-Bildschirm: Bahnhof?!? Watt‘ nu‘ los??? Habe mich da durchgehangelt und hatte hinterher das Gefühl, vor einem anderen Rechner zu sitzen. „Na ja, Windows eben …“, dachte ich mir. Plötzlich erschien die Frage, ob ich nicht – wenn ich schon kein kostenpflichtiges Microsoft 365 benutze – eine Web-basierende Gratis-Version des Officepaketes, die in jedem Browser laufen soll, installieren möchte, zumal das zum o. e. Monster-Mörder-Update mit dazu gehörte. Ja, warum eigentlich nicht? Gesagt, getan. Der PC fror ein. Es kostete mich Geduld, Zeit, Trickserei und graue Haare bis er es wieder tat. Microsoft 365 tat es danach auch – und zwar gratis, kostenlos als Web-App, mit in die Taskbar eingeklinktem Icon und direktem Zugriff ohne weitere Anmeldung.

Hm… – wenn das auf dem Vereinsrechner hinhaut, dann sollte das eigentlich bei meiner Kiste auch funktionieren! Geguckt, gesucht, recherchiert – NÜSCHT! Das Win10 von meinem Rechner kannte die kostenlose Microsoft-365-Web-App nicht oder wollte sie nicht kennen. Ich tippe eher auf den letztgenannten Fall, denn Microsoft will ja auch was verkaufen. OK, suchen wir mal wo die Unterschiede liegen. Wenn es sich um eine Web-App handelt, dann muss da ja auch irgendwo und irgendwie gut versteckt eine Webadresse zu finden sein. Dieser Gedankengang erwies sich als korrekt und im Vergleich beider Rechner konnte dann „microsoft.com/de-de/microsoft-365/free-office-online-for-the-web“ als Adresse ausgemacht werden. Die als Verknüpfung auf dem Desktop abgelegt wurde und eigentlich bin ich ganz froh, dass die Web-App meine ohnehin schon rappelvolle Taskbar nicht noch weiter belastet.

Die Adresse in den Browser meines PCs geschubst und siehe da: Es geht! Der einzige Unterschied gegenüber dem Vereinsrechner besteht darin, dass ich mich auf meinem Rechner bei der App anmelden muss. Für die Anmeldung sind die gleichen Zugangsdaten (Account und Password) vonnöten, die man für sein seit Win10 zwangsweise aufgedrücktes Microsoft-Konto (muss bei der Ersteinrichtung angelegt werden bzw. wird dort abgefragt) braucht. Wichtig: NICHT zu verwechseln mit den Anmeldedaten von Windows-Live-Mail unter outlook.live.com! Einmal eingeloggt hat man Word, Excel, Powerpoint, Outlook etc. zur Verfügung. Das Ganze nennt sich „Office im Web“, ehemals „Office Online“. Vergleichen wir jetzt mal die MS-Office-Pakte:

Variante 1: Office im Web
Speicherplatz: OneDrive Basic 5GB
Kosten: 0,00€
Hinweis: Funktionell eingeschränkt.

Variante 2: Office Home
Speicherplatz: keiner
Kosten: 149,00€/Lizenz
Hinweis: Installer für einen PC, keine Mail, kein Support

Variante 3: Abo Microsoft 365
Speicherplatz: 1TB Cloudspeicher auf OneDrive
Kosten: 69,00 €/Jahr
Hinweis: Installer mit Online-Anbindung

Selbstverständlich habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, mal die erste Variante so grob anzutesten, denn ich wollte ja wissen, was unter „funktionell eingeschränkt“ zu verstehen ist. Es sieht etwas anders als bei der Offline-Installation aus. Möglichkeiten zur Datenbankanbindung fehlen bzw. habe ich nicht finden können. Auch auf Makros und solche Sachen wird man wohl verzichten müssen. Aber einen Brief schreiben, ein Manuskript verfassen, Tabellen und Präsentationen erzeugen etc. sind allemal drin. Das Ganze wird automatisch auf OneDrive gespeichert und kann jederzeit runtergeladen werden. Ich finde, für Otto Normalverbraucher reicht das vollkommen aus! Da muss man kein teures Office-Paket kaufen. Wer aber mit dem o. e. LibreOffice nicht zufrieden ist (weil das ja stellenweise doch etwas anders als ein MS-Office-Paket bedient wird), deswegen eine Microsoft-Lösung befürwortet und keine überzogenen Anforderungen stellt, der ist mit der Gratisversion recht gut bedient. Stellt sich bloß noch die Frage, warum Microsoft das nicht publik macht. Simple Antwort: An einem Gratisprodukt kann man nichts verdienen!

BTW: Der Speicherplatz des Gratisproduktes scheint klein zu sein. Das täuscht! Denn es handelt sich um Office-Dateien. Die brauchen normalerweise nicht viel Speicher. 5GB Text in DIN A4 entspricht über den ganz breiten Daumen rund 5 Millionen Seiten. Reichlich bebildert sind das aber immer noch so um die 3.500 Seiten, wenn man die Grafiken nicht gerade im riesigen Original einbaut. Das muss erstmal einer alles schreiben!