Vorab: Der nun folgende Beitrag gibt lediglich meine ganz eigenen Erfahrungen aus beinahe zwei Jahrzehnten wieder. Einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit leite ich daraus nicht ab und es mag durchaus sein, dass andere Leute gänzlich andere Erfahrungen gesammelt haben. Dennoch halte ich es für sinnvoll, einmal „aus dem Nähkästchen“ zu plaudern. Sprechen wir an dieser Stelle daher über Rezensionen, und zwar zunächst über Buch- und später kurz über Warenrezensionen. Ich habe ja selbst schon einige Bücher geschrieben und auch veröffentlicht. Warum schreibe ich über Rezensionen hier im Blog und warum nicht bspw. bei Amazon oder in einem Reziportal? Weil ich hier ungeschönt meine ehrliche Meinung darlegen kann.

Bei den großen Portalen ist das nicht immer gewährleistet. Außerdem sind mir als Autor nach vielen eigenen Buchprojekten einige der Ge­pflo­gen­heiten bei Buchrezensionen ausgesprochen sauer aufgestoßen. Denn: Objektiv läuft da gar nichts! Im Gegenteil – je mehr Geld ein Autor zu investieren bereit ist, desto besser fallen oftmals (aber nicht immer!) auch die Rezensionen aus. Daneben spielen noch die persönlichen Beziehungen eine wichtige Rolle. Wer als Autor also investiert und Beziehungen (oder selbst die erforderlichen Ressourcen) hat, der kann es durchaus auf die Bestsellerlisten schaffen und hat dann (vielleicht) ausgesorgt: Einfach mal eben schnell mit dem nötigen Kleingeld ’ne Giganto-Werbekampagne finanziert und danach abkassieren. Mit der Qualität des Buchinhalts hat das aber gar nichts zu tun. Deswegen bleiben auch sehr viele und sehr gute Nachwuchs-Autoren unbekannt, während die Bestsellerlisten von immer den gleichen Personen angeführt werden. Im Buchhandel findet man dann auch unisono immer nur das, was gerade angesagt ist: Buchhandlung für Buchhandlung führt das gleiche Angebot, gerade so wie zu Zeiten von Planwirtschaft.

Rezensionen – auch kurz „Rezis“ genannt – sind für den Autoren eine Art von Zweitwährung, denn sie sind bares Geld wert. Es existieren Rezensionsportale, welche den Onlinehandel, Zeitschriften und Buchhandelsketten mit Rezensionen beschicken. Da Rezensionen den Verkauf unmittelbar beeinflussen, sind sie so eine Art von Wirtschaftsgut geworden – was im Klartext bedeutet: Je mehr Geld ein Autor zu zahlen bereit ist, desto besser fällt die Rezension aus bzw. desto eher wird das Buch überhaupt rezensiert. Gerade bei renommierten Zeitschriften ist das usus, doch hat diese Praxis auch bei einigen Portalen immer weiter um sich gegriffen – wobei gerade die Portale nicht selten nur verschiedene Präsenzen von ein und dem gleichen Unternehmen sind.

Auch sind mir bereits Firmen untergekommen, welche aus den Rezis ein Geschäft gemacht haben. Deren Mitarbeiter füttern unter verschiedenen Namen bspw. gewisse Online-Versandhändler mit Buchbesprechungen. Je mehr ein Autor für die Besprechung zahlt, desto besser fällt die aus. Und umgekehrt: So eine Firma macht dem Autor schon mal unaufgefordert ein Rezi-Angebot für teures Geld und wenn er das ablehnt, dann folgt ein Verriss. Was mir selbst schon passiert ist! Das aber grenzt bereits hart an Erpressung und wirft einen eindeutigen Blick auf die mafiösen Strukturen in diesem Gewerbe. Damals, im Jahre 2005, führte das zu der durch die Medien gegangenen Auseinandersetzung zwischen Autoren und Kritikern. Über andere zu meckern und sich dafür auch noch (gut) bezahlen zu lassen ist eben einfacher und profitabler als selbst kreativ tätig zu werden.

Als Erfahrungswert gilt: Je renommierter und spezialisierter ein Rezensent ist, desto arroganter und teurer ist er auch den Autoren gegenüber! Bei so manchem Rezensenten könnte man als Autor beim Übersenden des kostenlosen Rezi-Exemplars (im Klartext: beim Verschenken des Buches) glatt einen Zweihundert-Euro-Schein als Lesezeichen beilegen, um die Chancen zu erhöhen. Eine Gewähr für eine Rezi ist das aber keineswegs und für eine gute Rezi noch lange nicht. Letztlich findet man dann zu allem Überfluss irgendwann das dem Rezensenten zur Verfügung gestellte Buchexemplar bei ebay angeboten, womit er noch ein zusätzliches Geschäft machen kann. Das hat einige Autoren dazu veranlasst, aus der Not heraus zurück zu schlagen und sich so fragwürdiger Methoden wie „Rezitausch“ (mehrere einander bekannte Autoren verfahren nach dem Motto „schreibst Du mir eine Rezi, dann schreibe ich Dir auch eine“) oder „Rezifakes“ zu bedienen. Rezifakes sind gefälschte, d. h. unter falscher Identität ins Internet gestellte Rezensionen.

Soviel zu den Büchern. Kommen wir jetzt mal zu den Warenrezensionen. Man kennt das ja: Da soll man sich zu einem Kauf äußern und zwischen einem und fünf Sternen vergeben. Ein Stern bedeutet schlecht und fünf Sterne bedeutet sehr gut. Manches ist so schlecht, dass man null Sterne vergeben möchte – nur leider geht das nicht. Ergo schreibt man vielleicht eine Rezension, welche besagte Ware nicht gerade im besten Licht dastehen lässt. Doch jetzt treten die vermeintlich „unabhängigen Faktenchecker“ auf den Plan, denn ausnahmslos JEDE Rezi wird vor der Veröffentlichung überprüft. Ich habe einige Rezensionen über Waren geschrieben. Meine Erfahrung dabei: Eine Rezi, die das Produkt lobt, wird anstandslos akzeptiert, IMMER! Bei mittelmäßigen Bewertungen kommt manchmal die Aufforderung zur Überarbeitung der Rezension. Und Rezis, bei denen man negative Erfahrungen mitteilen will, werden in vielen Fällen zurückgewiesen und gar nicht erst veröffentlicht. Womit sich bei den Warenrezensionen zwangsläufig ein Zerrbild pro Ware und pro Händler ergeben muss.

Es ist ein logisch kaum nachvollziehbares Kuriosum, dass sich nur noch eine kleine Minderheit von Verbrauchern eine eigene Meinung bildet – und die Mehrheit das selbst dann nicht tut, wenn ihr eine Lese- oder gar eine Warenprobe zur Verfügung steht. Die Leute wollen von anderen Personen gesagt bekommen „Kaufe das und das!“. Zwar verrückt und doch verhält es sich oftmals so. Rezensionen wirken sich unmittelbar auf den Verkauf aus – und zwar sofort! Deswegen werden Rezensionen auch als unverzichtbar betrachtet. Rezis in Blogs sind mir da allerdings sehr viel lieber als Rezis in Portalen oder bei Händlern. Denn Rezis in Blogs sind i. d. R. sehr viel ehrlicher. Auch lässt sich aus dem Kontext des Blogs ableiten, welchen Anspruch der betreffende Verfasser vertritt. Wenn ihr also irgend etwas kauft – egal ob ein Buch oder irgendeine andere Ware – dann sollte eine dazu abgegebene Rezension NICHT den entscheidenden Anstoß liefern! Es gibt ja auch noch Testberichte, Uservideos usw.: Sowas ist meist informativer und objektiver!