People try to put us d-down (Talkin‘ ‚bout my generation)
Just because we get around (Talkin‘ ‚bout my generation)
Things they do look awful c-c-cold (Talkin‘ ‚bout my generation)
I hope I die before I get old (Talkin‘ ‚bout my generation)
This is my generation
This is my generation, baby
(The Who in „My Generation„)

Warnung! Der nun folgende Beitrag dürfte einigen Leuten nicht schmecken – weil er nicht in ihr Konzept passt! Ich will nämlich einmal etwas zu einer Bewegung sagen, die ich ziemlich zwiespältig betrachte. Und – nein! – ich leugne den Klimawandel keineswegs; insofern betrachte ich die betreffende Bewegung sogar als wichtig, ohne deswegen gleich ein Greta-Anhänger zu sein. Durch Corona ist es mittlerweile recht still geworden um „Fridays For Future„. Fridays For Future – kurz FFF – das sind vorwiegend junge Leute, die freitags anstelle die Schulbank zu drücken zwecks Klimademonstration auf die Straße gehen. Das ist ihr gutes Recht. Nur: Was hat es bisher gebracht? Was bringt es noch?

„Wer Umweltprobleme nicht ernst nimmt ist selbst eins.“
„Rettet die Welt nicht euren Arsch.“
„Die Dinos dachten bestimmt auch sie haben noch Zeit.“
„Warum für die Zukunft lernen wenn ihr sie zerstört.“
„Die Ampel steht auf Rot aber Vollgas gebt ihr.“

All das, was ich oben zitiert habe, entstammt Plakataufschriften bei den FFF-Demos. Diese Aufschriften machen zumindest für mich eins sehr deutlich: Es fehlt einerseits an Differenzierung und andererseits am Wissen um die jüngste Geschichte. Das eine ist die Folge des anderen. Da wird „ihr“ – also meine Generation – pauschal wegen Klimazerstörung beschuldigt. Wir alle, die wir heute kurz vor der Rente stehen oder schon in Rente sind zählen daher wohl ganz offensichtlich zu den Umweltschweinen. Nur scheinen die Demonstranten dabei ein paar klitzekleine Kleinigkeiten zu übersehen: Es ist unerheblich, ob man den Beginn der Industrialisierung an der Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1712 oder an ihrer entscheidenden Weiterentwicklung im Jahr 1769 festmacht. Fakt ist, dass damit die Verbrennung fossiler Energieträger im ganz großen Stil begonnen hat und das liegt nun schon 250 bis 300 Jahre zurück. BTW: Ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der wirklich so alt ist und der deswegen als Verursacher der Klimaerwärmung infrage kommt.

Ich sehe es vielmehr sogar so, dass es gerade meine Generation war, die denjenigen, die uns heute mangels besserem Wissen beschuldigen, ein halbwegs lebenswertes Leben ermöglicht haben. Klingt ketzerisch? Ist es nicht! Blicken wir mal zurück, so ungefähr auf das Jahr 1974. Damals war ich 16 Jahre alt und somit etwa im Alter der Meisten von den heutigen Demonstranten und stand auch bei Demos auf der Straße – nämlich bei Demos, die mit dem Umweltschutz zu tun hatten. Nur ging es damals noch um ganz andere Sachen. Einen Fluss konnte man damals schon aus weiter Ferne ausmachen. Entweder am Geruch oder an den zwei bis drei Meter hohen Schaumbergen, denn natürliche Gewässer galten für die Industrie und Wirtschaft als natürliche Abwasserkanäle. Deswegen waren die auch begradigt worden: So gelangte der Dreck schneller in die Nordsee. Mit dem „Wasser“ im Rhein (Leben gab es in dem früheren Fluss längst nicht mehr) konnte man belichtete Filme aus der Analogfotografie entwickeln. An einem Rhein-Zufluss namens „Wupper“ bekamen die Schüler stinkefrei, wenn der Abwasserkanal zu atemberaubend geworden war. Heute ist die Wupper ein Naturschutz- und Naherholungsgebiet. Im Rhein kann man wieder baden. Die Schaumberge der natürlichen Gewässer sind verschwunden und das Leben ist zurück gekehrt. Wer wenn nicht wir hat das vollbracht?

„Our future is in your hands.“
„Wir streiken bis ihr handelt.“
„Ride bike or go home.“
„Klimaschutz statt Klimaschmutz.“
„Wenn die Erde eine Bank wäre hättet ihr sie längst gerettet.“

Als ich noch in Lutter a. Bbge. wohnte gab es häufiger Verzehrverbote für die Produkte aus dem eigenen Garten – und das zu einer Zeit, als ein gewisser Anteil an Selbstversorgung rein aus finanziellen Gründen unverzichtbar war: Verzehrverbot für die Gartenfrüchte bedeutete knurrenden Magen! MäcDoof & Co existierten noch nicht! Warum wurden die Verzehrverbote ausgesprochen? Weil von den Luftlinie recht nahe gelegenen Verhüttungsbetrieben in Goslar und Oker Blei-Arsen-Cadmium-Stäube rüberwehten. Ich kann mich noch sehr gut an Tage erinnern, an denen die „Luft“ so dick war wie an einem heutigen Smog-Tag in Dehli oder in Peking, wo selbst das Atmen schon schwer fiel. In der Innerste und in der Innerstetalsperre durften wir auch im heißesten Sommer nicht baden. Warum? Typhusgefahr – denn Klärwerke gab’s so gut wie gar nicht und man musste ständig damit rechnen, beim Schwimmen auf „alte Bekannte“ zu treffen. Den Typhuserreger hat’s gefreut. Heute ist das alles schon längst nicht mehr so. Heute gibt es Klärwerke und Luftfilter. Bloß: Wer wenn nicht wir hat das vollbracht?

Wilde Müllhalden, inklusive Giftmüllfässern, existierten allenthalben. Obst und Beeren, die an Bundestraßen wuchsen, waren aufgrund ihres Bleigehaltes (der sich auf den verbleiten Treibstoff zurückführen ließ) absolut ungenießbar. Asbest stellte ein beliebtes Baumaterial da. Dioxin-verunreinigte Holzschutzmittel wurden überall verkauft und eingesetzt. Maikäfer galten de facto als ausgestorben. Es gab kaum einen Greifvogel, der nicht auf irgendeiner roten Liste stand, weil das verschwenderisch eingesetzte DDT sich negativ auf die Dicke der Eierschalen ausgewirkt hatte. Ozonschicht-zerstörende PCBs galten als Standardfüllung für Transformatoren und Kühlgeräte. Heute hat die Anzahl der Greifvögel wieder merklich zugenommen, die Adler inbegriffen. Auch Maikäfer gibt es wieder. Asbest wird entsorgt, PCBs sind geächtet und Holzschutzmittel sind „öko“. Die Treibstoffe sind bleifrei. Tja … – wer wenn nicht wir hat das vollbracht?

„Die Politik soll sich ändern – nicht das Klima.“
„No more empty promises.“
„Macht ihr eure Hausaufgaben – dann machen wir unsere.“
„Klimaschutz beginnt vor der Haustür.“
„Mit Abschalten ist nicht euer Hirn gemeint.“
„If you can’t act like adults we will.“

Eine Generation ist hinsichtlich ihres Zeitraumes mit ungefähr 30 Jahren definiert. Bei 300 Jahren Industriegeschichte entspricht das einer seit 10 Generationen anhaltenden Verschmutzung der Umwelt. Eine Generation davon – meine! – hat sich rückblickend ausgesprochen stark und auch recht erfolgreich dafür eingesetzt, unsere nahezu ruinierte Umwelt wieder eingermaßen lebenswert zu machen. Sicher, das reicht nicht aus – noch lange nicht! Aber die nur allzugern und allzuoft von Anhängern der FFF-Bewegung abgesonderte Pauschalverurteilung meiner Generation als Umweltschweine ist einfach nur eine Verdrehung von Tatsachen! Wie können diese jungen Menschen es wagen, das, was wir erreicht haben, als selbstverständlich hinzunehmen und einfach so noch mehr zu fordern? Diesen Leuten kann ich nur sagen: Eine Generation kann nicht das aufarbeiten, was 9 Generationen vor ihr verbockt haben – macht daher ganz konkret im Beruf und nicht nur mit Demos auf der Straße da weiter, wo wir aufhören mussten!

Abschließend vielleicht noch etwas zur Klarstellung: Wir können den Klimawandel weder rückgängig machen noch aufhalten. Wir können ihn bestenfalls noch begrenzen, doch dazu bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft – und zwar weltweit! Es bringt nichts, ein E-Auto zu fahren, das kein CO2 ausstößt, wenn zur Produktion eben so eines Fahrzeugs mehr CO2 in die Luft geblasen wird als ein herkömmlicher Verbrenner das während seiner gesamten Lebenszeit tun würde. Jede andere Argumentation verlagert die Probleme nur und ist daher Augenwischerei. Wer bei FFF wirklich etwas für das Klima tun will der muss damit bei seinem allerersten Wahlzettel anfangen (und später im Berufsleben weitermachen), denn sonst wird es immer „die da oben“ geben, die weitermachen wie bisher. Allerdings sollte man sich bei denjenigen, denen man eine Veränderung zutraut, auch davon überzeugen, dass die entsprechende Kompetenz mitbringen und nicht nur auf ein leistungsloses Grundeinkommen in fürstlicher Höhe aus sind. Denn – so hart das jetzt klingen mag – wer jetzt schon für die Zukunft gerüstet sein will, der ist angesichts des steigenden Meeresspiegels gut damit beraten, in Hannover einen Großcontainerhafen zu bauen. Bedeutet: Wir müssen lernen mit der Klimaerwärmung zu leben! Ein Zurück gibt es nicht mehr.