Irgendwann im Frühjahr musste ich meiner Nikon P510 mal wieder mit Klebstoff respektive Kunstharz zu Leibe rücken: Nach so rund 50.000 Bildern mit der Spanne Wüste über Tropenklima bis Eiszeit zeigen die Plastikteile nach nunmehr acht Jahren der Dauerbenutzung hin und wieder Ermüdungserscheinungen. Mit anderen Worten: Das Ding tut’s zwar noch sehr gut, aber ich befürchte, dass es irgendwann schlichtweg auseinander fällt! Das fing schon vor knapp zwei Jahren an. Eine Bridge mit vergleichbar sehr gutem Objektiv gibt’s anscheinend nicht mehr; das wird alles nur noch elektronisch „verschlimmbessert“ – nicht wirklich mein Ding … Also doch wieder eine Spiegelreflex? Was mich – außer der Notwendigkeit des Mitschleppens von einem Mittelgebirge an Ausrüstung – bei der DSLR stört ist die Sache mit dem Bildschirm, weil der ja nur das fertige Bild wiedergibt. Für alles andere ist man aufgrund der Spiegelkonstruktion auf den Sucher angewiesen. Alternativ eine Systemkamera, die diesen Nachteil nicht aufweist, lag schlicht außerhalb meiner finanziellen Reichweite – und zwar weit außerhalb. Seither habe ich die Kamerapreise beobachtet. Dann kam Ende vergangenen Jahres die Nachricht, dass Sony den Verkauf der A6000 einstellt. Bei den Systemkameras wäre das mein Favorit gewesen.

Kassensturz: Was kann ich ausgeben? Da war der wegen Corona vergeigte Urlaub des letzten Jahres. Das Geld dafür hatten wir nach langer Zeit und der Ankündigung juristischer Schritte vom Reiseveranstalter zurück bekommen. Kam noch eine – wenngleich auch nicht große – Einkommensteuerrückzahlung mit hinzu. Ja, warum eigentlich nicht? Ergo beschränkte ich meine Preisrecherchen auf die A6000 (die neueste und modernste Kamera brauche ich nämlich nicht) und wartete ab, dass der Preis deutlich fiel. Das war im Mai diesen Jahres für drei Wochen der Fall und da schlug ich zu: Die A6000 mit Kit-Objektiv für den Standardbereich und noch zwei ganz ordentliche Objektive für Weitwinkel und Tele dazu: Budget ausgeschöpft! Aber Ausrüstung noch nicht komplett … Moment mal! Da lag doch noch meine 30 Jahre alte CanonT90-Ausrüstung rum! Kann man die nicht irgendwie an die Sony dranfummeln? Klar, die Automatiken der A6000 sind damit selbstverständlich nicht nutzbar. Muss man alles manuell einstellen. Mache ich aber sowieso schon gewohnheitsmäßig, denn auf einem Vollautomatik-Knopf rumdaddeln kann jeder! Um nicht falsch verstanden zu werden: Mitunter sind Vollautomatiken wirklich sinnvoll. Wenn das der Fall ist dann nutze ich selbst die natürlich auch, s. u.

Es folgte das ganze Kleinkram – ein ND-Filter hier, ein Filteradapter da, noch ’ne Schnellwechselplatte für’s Stativ, Reserveakkus (weil die A6000 ein Stromfresser ist), Objektivadapter für Canon-FD-Bajonett usw. Das kam alles so nach und nach. Dazu – „Versuch macht kluch …“ – mehrfach verschärftes Umpacken meiner verschiedenen Fototaschen um die wichtigste Ausrüstung komplett an einem Ort zusammen zu haben, viel Bastelei um alte Sachen passend zu machen u. ä. Irgendwie habe ich mir die A6000 gewissermaßen selbst zum 63. Geburtstag geschenkt. Die Bedienungsanleitung ließ ich mir von meinen Kindern schenken. Die A6000 bietet hunderte von Einstellmöglichkeiten. Am Anfang stand daher das Kennenlernen der Kamera und das Anlegen sinnvoller Einstellungen. Hatte ich mir einfacher und nicht so zeitaufwändig vorgestellt, aber mit Anleitungen auf YouTube und anhand des Geschenks meiner Kinder klappte das. Natürlich mussten alle geänderten Einstellungen immer auch ausprobiert werden und so wurden die ersten 250 bis 300 Bilder wirklich nur Testbilder. Aber alles in allem: Trotz des Verkaufsendes ein megageiles Teil!

Nur eine Sache störte mich wirklich. Das war der Verzicht auf den Makrobereich. Klar, mit einem vernünftigen Makroobjektiv kein Thema. Aber irgendwas zwischen 200 und knapp 500 Teuronen dafür hinlegen und dann noch ein Objektiv mitschleppen zu müssen – nee, echt jetzt, wir wollen’s ja auch nicht übertreiben! Hm… – und mit Makro-Zwischenringen? Das hatte bei meiner uralten CanonT90 ja auch mal funktioniert, auch wenn besagte Zwischenringe im Rahmen des Umzugs vor 28 Jahren auf immer und ewig verschwunden sind. Aber konnte die Sache mit den Zwischenringen bei meinen neuen Objektiven eigentlich funktionieren? Das Kit-Objektiv deckt 16-50mm und das Tele 70-350mm an Brennweite ab. Der mögliche Bereich für Makro-Zwischenringe liegt bei 50-100mm und der sinnvolle Bereich bei 60-90mm Brennweite. Hm… – grenzwertig! Ergo wieder: „Versuch macht kluch …“ Glücklicherweise kosten Zwischenringe nicht die Welt. Da ich häufiger frei Hand Insekten fotografiere mussten es allerdings Ringe sein, welche alle Funktionen des Gehäuses auf das Objektiv übertragen. Weil Insekten so ein typischer Fall für blitzschnelle Automatiken sind. Es blieb dennoch preiswert.

Ich beschaffte mir ein Set von kompatiblen 10mm- und 16mm-Zwischenringen. Damit wurde drinnen erstmal rumprobiert. Der 10er-Ring passt zum Kit-Objektiv, bringt aber nicht wirklich pralle Ergebnisse. Mit dem 16er-Ring am Tele sah das aber schon ganz anders aus! Und dann … Kennt ihr das? Wenn schönes Wetter ist und ihr was hobbymäßiges draußen vorhabt, dann stehen Arbeiten im und um’s Haus an und man kommt nicht zum Hobby. Wenn später wieder Zeit sein sollte, dann schüttet es draußen. Wenn’s anschließend wieder schön ist muss man zur Arbeit. Es ist wie verhext! Am heutigen Nachmittag aber (vormittags lagen Beerenernte und Essen kochen an) und im Garten passte es dann: Wieder was ausprobiert! Und zwar den Sport-Action-Modus der Kamera (die ballert dann elf Bilder pro Sekunde durch) in Verbindung mit Makroring und Tele. Selbst wenn das Insekt wegfliegt: Irgendeins der Bilder ist immer scharf und den Rest schmeißt man eben einfach weg. Alles was dabei zu beachten ist, ist der enorme Stromverbrauch – denn diese Art von Fotografie leert den Akku binnen Minuten! Hier sind ein paar Insektenbilder aus dem Garten – draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!