Am Sky Replacement – dem Austauschen des Himmels bei einem Foto – scheiden sich (zu Recht wie ich meine) die Geister. Ich persönlich halte das Sky Replacement zum „Reparieren“ eines Fotos für ein durchaus legitimes Mittel – wenn bspw. ein durch ungeeignete Belichtung weiß abgebildeter und real blauer Himmel durch Blau ersetzt wird oder aber wenn man bei einer Nachtaufnahme einen seitens des Sensors auf Dunkelblau getrimmten Nachthimmel durch einen echten, schwarzen Nachthimmel austauscht, ansonsten das Foto aber komplett unbeeinflusst lässt: Also kein nachträgliches Einfügen von Wolken, Sternen, Mond o. ä. Alles andere ist nämlich schlimmstenfalls Bildmanipulation bzw. bestenfalls Fotokunst. Leider gibt es immer wieder Fotografen, die ein durch Sky Replacement merklich manipuliertes Bild als „echte Aufnahme“ unter die Leute bringen. Nein, das ist es keineswegs! Das ist Betrug! Ich will nicht bestreiten, dass Bilder mit Sky Replacement äußerst reizvoll wirken können. Aber sie haben mit Mutter Natur und damit mit Natürlichkeit bzw. echten Fotos ungefähr soviel zu tun wie ein Einhorn mit einer Büffelherde!

Es gibt verschiedene Techniken des Sky Replacements. Ich habe viele davon ausprobiert. Den einfacheren Verfahren ist allesamt eins gemeinsam: Sie eignen sich nicht für filigranere Motive, wenn also bspw. der Himmel zwischen den Ästen von Bäumen hindurch schimmert o. ä. Aber was lange währt … Das nun folgende Verfahren – man benötigt dazu GIMP – ist das Resultat schier zahlloser, unterschiedlicher Vorgehensweisen und als eher komplex zu bezeichnen. Ich will nicht behaupten, dass es sich um der Weisheit letzten Schluss handelt – aber es funktioniert gut!

Wie dabei vorzugehen ist soll einmal am Beispiel zweier Fotos gezeigt werden. Das Quellbild – also das Bild, bei dem der Himmel ausgetauscht wird – ist im Jahr 2016 auf Fehmarn entstanden. Der ausgetauschte Himmel stammt aus dem Schaumburger Land, aufgenommen im August 2021. Das Bild mit dem „neuen“ Himmel sollte übrigens merklich größer als das Bild mit dem auszutauschenden Himmel sein, damit man die beste Perspektive wählen kann. Wichtig ist auch, dass der Lichteinfall (Stand von Sonne oder Mond) wenigstens ungefähr von der gleichen Seite her erfolgt, damit es nicht hinterher aufgrund des Schattenwurfs unnatürlich wirkt. Auch sollten die zu kombinierenden Bilder bereits hinsichtlich Farbe, Sättigung, Kontrast, Ausleuchtung, Helligkeit etc. fertig bearbeitet worden sein. Was ist beim „besseren“ Sky Replacement (ca. fünf bis zehn Minuten Arbeit pro Bild) also zu tun? Werfen wir zunächst einen Blick auf die beiden Originalfotos.


Der Strand auf Fehmarn.

Der Sonnenuntergang in Lauenau.

Zuerst wird GIMP gestartet und sichergestellt, dass die Vordergrundfarbe Schwarz und die Hintergrundfarbe Weiß ist. Anschließend das Bild mit dem zu ersetzenden Himmel laden. Im Ebenenfenster mit der rechten Maustaste auf dieses Bild klicken und „Ebene duplizieren“ wählen.


Die neue Ebene wird als „Kopie“ angezeigt.

Die duplizierte Ebene „Kopie“ ist jetzt aktiv. Aus ihr muss eine Maske angefertigt werden. Dazu „Farben/ Entsättigen/ Durchschnitt“ aufrufen und die Änderung mit dem Button „OK“ bestätigen. Es entsteht ein Graustufenbild.


Das Graustufenbild ist nur ein Zwischenschritt.

Das Graustufenbild ist allerdings nur ein Zwischenschritt, denn als Maske wird ein reines SW-Bild benötigt – welches sich aber am einfachsten aus dem Graustufenbild erzeugen lässt. Dazu auf „Farben/ Helligkeit/Kontrast“ klicken und den Kontrast soweit erhöhen, bis der Himmel rein Weiß erscheint; anschließend mit „OK“ bestätigen.


Das reine SW-Bild.

Der nicht zu ersetzende Vordergrund enthält jetzt allerdings auch noch weiße Bereiche die es zu erhalten gilt. Das geschieht durch Übermalen mit Schwarz. Dazu das Pinselwerkzeug aktivieren („Deckkraft 100“) und zuerst die zu erhaltenden Feinheiten mit kleinem Pinsel (etwa „Größe 20“), danach die Fläche mit großem Pinsel (ca. „Größe 100“) übermalen – Deckkraft und Pinselgröße werden im Werkzeugfenster justiert.


Das Schwärzen des zu erhaltenden Vordergrundes.

Die Maske mit geschwärztem Vordergrund.

Die reine SW-(Roh-)Maske ist damit prinzipiell fertig. Jetzt müssen die zu erhaltenden bzw. zu ersetzenden Bereiche nur noch durch „Farben / Invertieren“ in die richtige Reihenfolge gebracht werden.


Die invertierte (Roh-) Maske.

Um die Übergänge zwischen den beiden Bereichen etwas fließender zu gestalten wird „Filter/ Weichzeichnen/ Gaußscher Weichzeichner“ aktiviert. Als „Weichzeichnenradius“ ist sowohl horizontal wie auch vertikal ein Radius von 1-3px vozugeben (bei höheren Werten sieht’s hinterher unnatürlich aus) und mit dem Button „OK“ wird das Filter auf die Maske angewandt (die Weichzeichnenmethode ist dabei unerheblich).


Maskenoptimierung durch Weichzeichnen.

Man klickt auf „Auswahl/ Alles“, gefolgt von „Bearbeiten/ Kopieren“. Die fertige Maske ist damit in die Zwischenablage überführt worden und muss nun noch mit dem Bild verbunden werden. Dazu im Ebenenfenster mit der rechten Maustaste auf das Originalbild klicken und „Ebenenmaske hinzufügen“, gefolgt von „Ebenenmaske initialisieren mit: Weiß (volle Deckkraft)“ auswählen, anschließend mit „Hinzufügen“ bestätigen.


Hinzufügen der Ebenenmaske.

Im Ebenenfenster erscheint jetzt neben dem Thumbnail des Originalbildes das leere – weiße – Thumbnail einer Ebenenmaske. Die vorgefertigte Maske muss nun in diese leere Ebenenmaske übertragen werden. Das geschieht mittels der Tastenkombination [Strg][v], die zunächst eine „Schwebende Auswahl“ erzeugt.


Die „Schwebende Auswahl“.

Der Klick auf das Ankersymbol unter dem Ebenenfenster verankert die „Schwebende Auswahl“ in der Ebenenmaske der Originalebene. Klickt man nun – immer noch im Ebenenfenster – auf das Augensymbol neben der SW-Maske, dann verschwindet die Maske im Fenster und auf der Arbeitsoberfläche erscheint das Originalbild mit transparentem Himmel, also das maskierte Bild.


Original mit transparentem Himmel: Das maskierte Bild.

Das Gros der Arbeit ist damit erledigt. Man lädt nun das Bild mit dem neuen Himmel (hier im Beispiel also den Sonnenuntergang), schaltet zurück auf den Tab mit dem transparenten Himmel (also auf das maskierte Bild) und wählt „Bearbeiten/ Sichtbares Kopieren“. Damit ist das maskierte Bild in der Zwischenablage – also OHNE den bisherigen Himmel. Jetzt auf den Tab mit dem neuen Himmel (d. h. mit dem Sonnenuntergang) umschalten und „Bearbeiten/ Einfügen als/ Neue Ebene“ selektieren. Das Verschiebewerkzeug (Doppelkreuz) im Werkzeugkasten aktivieren und die eingefügte Ebene dorthin schieben, wo man sie haben will u. d. h. so hinschieben, dass der neue Himmel am besten wirkt: Je größer der Größenunterschied beider Fotos ist, desto mehr Möglichkeiten hat man dabei.


Das eingefügte, maskierte Bild.

Mit „Ebene/ Nach unten vereinen“ fügt man beide Aufnahmen zusammen. Was letztlich noch aussteht ist der Zuschnitt. Den kann man zwar mit GIMP machen, aber mit IrfanView ist er viel bequemer. Dazu das Bild sicherheitshalber exportieren und anschließend zuschneiden.


Das fertige Bild mit ersetztem Himmel.

Ein weiteres Beispiel: Nordlichter über Tobago (beide Ursprungsbilder dieses Beispiels sind Google-Downloads).

Aber noch einmal: Sky Replacement auf die hier vorgestellte Art ist eine reine Fotospielerei! Mit der Wirklichkeit hat das ungefähr soviel zu tun wie ein politischer Beschluss mit der Lebensrealität: Nämlich gar nichts! Wie heißt es doch so schön? Ein Bild lügt mehr als tausend Worte …