Vorab und um Missverständnissen vorzubeugen: Der nun folgende Beitrag bezieht sich einzig und allein auf die Digital- und NICHT auf die Analogfotografie! So, und nachdem das jetzt geklärt wäre kann es ja losgehen. Ich bin schon zigmal gefragt worden, welche Kamera die Beste sei. Meine Antwort darauf war immer gleich und hat den Fragenden nie wirklich gefallen. Sie lautet nämlich: Die beste Kamera ist immer die, die man gerade zur Hand hat. Aber welche ist das? Welcher Kameratyp? Wo liegen die Vor- und Nachteile bestimmter Kameratypen? Genau darum soll es hier gehen. Wobei es sich um reine Erfahrungen aus knapp einem halben Jahrhundert (Analogfotografie inklusive) handelt und ich ganz sicherlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit daraus ableite!

Das Smartphone:
Fangen wir mal mit dem Smartphone an. So ziemlich jedes Handy hat eine Kamera eingebaut, mal besser und mal schlechter. Für den schnellen Schnappschuss zwischendurch oder um irgendwas zu dokumentieren eignet sich das Handy mitunter ganz gut (je nach Kameraqualität). Taugt zudem noch die eingebaute Kamera was, dann lässt sich auch durchaus das eine oder andere Urlaubsbild damit schießen. Aufgrund von physikalisch-optischen Gesetzmäßigkeiten darf man aber bspw. bei Ausschnitten oder beim Vergrößern der Bilder nichts erwarten: Dazu ist die Optik einfach zu mickrig! Das Handy macht Bilder mit einer bestimmten, festen Brennweite – Punkt! Viel mehr aber auch nicht.

Die einfache Digitalkamera (aka „Digiknipse“ oder „Hosentaschenknipse“):
Hier gilt es zwischen Billigmodellen mit fester Brennweite und den etwas besser ausgestatteten Modellen mit optischem Zoom zu differenzieren. Die Billigmodelle mit fester Brennweite betrachte ich als „Verbrauchskameras“ – nicht besser oder schlechter als das Handy, aber wenn so eine Kamera den Geist aufgibt (weil bspw. bei Regen das Wasser unten wieder rausläuft) dann ist es auch nicht wirklich schade drum. Anders sieht es bei den etwas besser ausgestatteten – und i. d. R. auch teureren Modellen – aus. Hier hat man zumeist schon ein paar grundlegende Möglichkeiten zur Bildgestaltung (und sei es nur durch das Zoomen) sowie ein paar unterschiedliche Programme zur Verfügung, nicht selten auch eine größere und somit besser abbildende Optik. Der ganz große Vorteil der etwas besser ausgestatteten Digiknipse ist meiner Meinung nach allerdings darin zu sehen, dass man so ein Teil wirklich problemlos – da klein und leicht – in der Hosentasche mit sich rumschleppen kann und somit immer eine halbwegs brauchbare, wenngleich auch minimalistische, Fotoausrüstung dabei hat.

Die Bridge:
Die Bridge ist meine Lieblingskamera, denn sie vereint eine kleine Bauform (wie bei der Hosentaschenknipse, obgleich man schon eine kleine Kameratasche benötigt) mit vielen Möglichkeiten von System- und DSLR-Kameras. Im Gegensatz zu den beiden letztgenannten Kameratypen ist das Objektiv jedoch fest montiert und nicht austauschbar; auch das Vorsetzen von Filtern o. ä. gelingt bestenfalls mit optionalem Zubehör oder mit Bastelei. Das Objektiv selbst unterscheidet sich hinsichtlich seiner optischen Eigenschaften jedoch um Welten vom kleinen Objektiv der Digiknipse. Ein optischer 1000mm-Zoom sollte schon da sein (den elektronischen Zoom kann man grundsätzlich knicken, denn der „verschlimmbessert“ nur). Wichtig ist, dass die Optik gut ist, nicht jedoch unbedingt die Kamerasoftware – denn eine optimierende Nachbearbeitung ist immer möglich. Die Bridge ist sehr schnell und universell einsetzbar; sie eignet sich daher hervorragend für schnell bewegliche Motive wie z. B. Kinder, Tiere o. ä. ohne lange Einstellarbeiten zu erfordern inklusive Schnappschüssen. Der Einsatzbereich erstreckt sich vom Makro- bis hin zum Telebereich und das alles mit nur einer einzigen Kamera ohne weiteres Zubehör. Allerdings bietet die Bridge hinsichtlich Langzeitbelichtung, Kombiprogrammen o. ä. deutlich weniger Möglichkeiten als bspw. eine DSLR- oder eine Systemkamera.

Die DSLR:
Die DSLR ist die digitale Spiegelreflexkamera. Hier deckt ein Spiegel den Sensor ab und spiegelt das Bild in den Sucher. Der Vorteil dabei: Man sieht immer das Bild im Original und in Echtzeit. Der Nachteil: Auf den Monitor muss man verzichten. Der dient nur der Wiedergabe von bereits aufgenommenen Bildern oder zu Einstellarbeiten, denn erst im Moment der Aufnahme klappt der Spiegel um und erst dann fällt das Licht auch auf den Sensor. Zusätzlich besteht die DSLR aus Gehäuse und Wechselobjektiven. D. h. hier sind die Kamera und das Objektiv getrennt. Das bringt auch wieder Vor- und Nachteile mit sich. Die Vorteile sind darin zu sehen, dass für jede Aufnahmesituation ein optimal geeignetes Objektiv an das Gehäuse angeschlossen werden kann. Nachteile: Das dauert – und auch das Justieren des Objektivs kostet Zeit. Bei vielen Motiven hat man diese Zeit aber nicht. Das bedeutet: Abwarten bis sich die Fotosiutation wiederholt u. d. h. man muss mitunter viel Geduld mitbringen. Zudem ist die DSLR merklich schwerer und größer als die vorgenannten Kameratypen und Objektivpreise im Bereich der Kosten eines Kleinwagens (zumindest bei wirklich guten Objektiven) sind keine Seltenheit. Daraus folgt, dass man ziemlich viel an ziemlich teurem Zubehör mitzuschleppen hat – und schleppen ist hier wörtlich gemeint. Gerade bei Gewichtsbeschränkungen (Flugreisen!) wäre eine der anderen Kameratypen vielleicht die bessere Wahl. Andererseits verfügen DSLRs normalerweise über größere Sensoren, was mit einer merklich besseren Abbildungsqualität einher geht und über eben die Extras, die eine Bridge (noch) nicht bietet, also Langzeitbelichtung, Fernauslöser, Serienaufnahme, Filter, Zwischenringe u. ä. Hier muss man eben einfach entscheiden, was einem wichtiger ist. Eins aber ist sicher: Die DSLR-Ausrüstung ist aufgrund ihrer vielfältigeren Einsatzmöglichkeiten schon von Haus aus um ein Vielfaches teurer als eine Bridge mit in Grenzen annähernd vergleichbarer Leistung. Zu erwähnen ist noch, dass die DSLRs aufgrund ihrer Trennung von Gehäuse und Objektiv sehr viel anfälliger gegen Verschmutzungen durch bspw. Sand oder Staub als die anderen Bauformen sind.

Die Systemkamera:
Die Systemkamera bildet irgendwie eine Chimäre aus Bridge und DSLR. D. h. hier wird das Bild elektronisch erzeugt und erscheint somit erst verzögert auf dem Monitor. Aber die paar Millisekunden Verzögerung – Sch… drauf! Man kann das Bild ständig auf dem Monitor oder wahlweise im Sucher sehen und muss daher u. a. bei Aufnahmen in Bodenhöhe oder wenn man bei der Makrofotografie in den Schärfebereich hinein geht keine Yoga-ähnlichen Verrenkungen machen – um einen Molch Auge in Auge ablichten zu können muss man folglich nicht der Länge lang im Matsch liegen. Auch bei der Systemkamera sind Gehäuse und Objektiv getrennt (Verschmutzungsproblem, s. o.), allerdings ist das Gehäuse nicht selten kleiner und leichter als bei der DSLR, so dass die Systemkamera die Vorteile beider Systeme – also Bridge und DSLR – in sich vereint. Hinsichtlich ihrer fotografischen Möglichkeiten gleicht die Systemkamera ebenfalls der DSLR. Ich würde, vor die Wahl gestellt, die Systemkamera jederzeit der DSLR vorziehen.

Sonderbauformen:
Unter den Sonderbauformen versteht man Kameratypen für ganz bestimmte Anwendungsfälle – Fälle, bei denen man mit normalen Kameras so keine Bilder machen kann. Am bekanntesten dürften dabei folgende Typen sein: Die Unterwasserkamera dient der Aufnahme im Flachwasser bis hin zu knapp drei Metern Tiefe. An Land sind die Aufnahmen häufig nicht gerade berauschend und im Aquarium funktionieren die Teile auch nicht (ausprobiert!), doch im offenen Meer bei klarem Wasser staunt man durchaus, wie gut die Fotos selbst mit Billigstteilen werden. Außerdem eignen sich derartige Kameras auch für Wetterlagen, bei denen es wie aus Kübeln schüttet. Wildkameras sind Überwachungskameras, die bei Dunkelheit im Infrarotbereich arbeiten und bspw. Tiere oder aber unwünschte Besucher ablichten. 3D-Kameras gestatten es, da sie über zwei gleichzeitig auslösende Objektive im Augenabstand verfügen, auch bewegte Motive räumlich abzubilden. Die Luftbildfotografie hingegen ist die Domäne der Drohnenkameras, mit denen man allerdings außer Luftbildern nichts anderes machen kann. Daneben ist die Spanne der Sonderbauformen riesig und reicht je nach Anwendungsfall von der wissenschaftlichen High-Speed-Kamera bis hin zu den Animatronic-Spy-Creature-Anfertigungen, wie sie vereinzelt von professionellen Tierfilmern eingesetzt werden. Allen diesen Sonderbauformen ist jedoch eins gemeinsam, nämlich die Tatsache, dass es sich NICHT um Alltagskameras handelt.

Womit wir schließlich wieder bei der eingangs angesprochenen Frage wären: „Welche Kamera ist die Beste?“ Das hängt immer von den persönlichen Schwerpunkten des jeweiligen Fotografen ab. Je nach Schwerpunkt stellt man sich irgendwann eine individuelle Ausrüstung zusammen. Das ist dann die Kamera, die man gerade dabei hat – nämlich die beste Kamera! Mit der Kamera verhält es sich wie mit dem Auto: Mit einem Formel-1-Renner zieht man keinen Wohnwagen, mit einem Trecker nimmt man nicht am Formel-1-Rennen teil und mit einem einem E-Auto macht man keine Langstreckenfahrt …