Die Renovierung schreitet (viel zu langsam!) voran. Dann ist da noch dieser KASPER-Schrank (KASPER war die Modellbezeichnung) von der dämlichen Bettenbude. Den hatte meine Frau vor sechs Jahren gekauft – allein! Sie kam irgendwann zurück und sagte nur: „Ich habe für das Zimmer einen Kleiderschrank gekauft. Zwar nicht ganz billig; aber der sieht supertoll aus!“ Na ja … – abwarten. Als das supertolle Teil selbstverständlich zerlegt angeliefert wurde war bei uns gerade ein Handwerksmeister zugange. Der warf bloß einen Blick auf die Verpackung und meinte: „Den Müll braucht ihr gar nicht erst auszupacken. Sowas hatte ich auch mal bestellt, gleiches Modell. Der Schrank lässt sich nicht aufbauen, reiner Sperrmüll.“ Hm… – soviel aus fachlich kompetentem Munde.

Ich versuchte es trotzdem. Dauerte. Verursachte graue Haare. Kostete viele Flüche. Haute irgendwann aber hin. Sechs Wochen später kam meine Frau an und teilte mir mit, dass sie den zum Schrank passenden Aufsatz auch noch bestellt habe. Der wurde geliefert. Ich versuchte mich am Aufbau – und scheiterte auf ganzer Linie. Wir berieten was zu tun ist und baten einen gestandenen Tischlermeister um Hilfe. Der kam, sah und meinte eben nicht „Oha!“ (was auf Norddeutsch soviel bedeutet wie „geht, wird aber teuer“), sondern sagte stattdessen „Ohauahauaha!“ (was auf Norddeutsch soviel bedeutet wie „Machen Sie schonmal einen Termin mit Ihrem Bankberater!“). Na gut, nach etlichen Stunden hatten er und ich zusammen das dann doch irgendwie hingekriegt. Er ließ aber auch keinerlei Zweifel aufkommen: „Wenn nochmal etwas mit dem Schrank sein sollte dann beauftragen Sie bitte jemand anderen!“ Und ich sagte zu meiner Frau: „Wenn ich das Scheißding nochmal anfassen soll, dann nur mit Axt oder Vorschlaghammer!“ Anschließend setzte ich mich hin und teilte dem Lieferanten meine Erfahrungen beim Aufbau mit.
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Sehr geehrte Damen & Herren,

kürzlich kaufte meine Gattin in Ihrer Filiale … den KASPER-Schrank sowie nachträglich den zugehörigen, so genannten „Aufsatz“. Es oblag mir, das DING!!! – denn anders lässt sich dieses Stück restlos überteuerten Brennholzes nicht bezeichnen – aufzubauen. Ich habe schon mehrere hundert Schränke aufgebaut, so dass das für mich kein Neuland darstellte. Dennoch bediente ich mich in diesem ganz speziellen Fall dazu der Hilfe eines erfahrenen, gelernten Tischlermeisters. Lassen Sie es mich vorsichtig ausdrücken: Rein von der Konstruktion her und komplett inklusive Rückwand in Kiefer ausgeführt besteht bei diesem Schrank eine gewisse, wenngleich geringe Chance, ihn stabil aufzubauen. Mit dem grauenhaften Holzmix aus viel zu dünner 16mm-Spanplatte und besserer Pappe als Rückwand ist die Instabilität jedoch von Haus aus vorprogrammiert. Dennoch schafften wir es, das wackelige Etwas aufzustellen. Unnötig zu erwähnen, dass die Chinaschrott-Schlösser defekt waren und dass der Spanplattenmüll angestoßen geliefert worden und zunächst durch Kleben vor dem Aufbau zu reparieren war.

Nun zum so genannten Aufsatz. Ein Aufsatz ist dadurch gekennzeichnet, dass man ihn zusammenbaut und anschließend auf einen Schrank AUFSETZT. Bei dem KASPER – wahrscheinlich werden die Kunden, die den Schrank kaufen, intern so bezeichnet – ist das nicht möglich. Man muss von dem in sich schon schon instabilen Teil den Deckel, das einzige für ein Minimum an Stabilität sorgende Teil, abnehmen. Woraufhin der Rest wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, so man keine selbst ersonnene, hölzerne Hilfskonstruktion verwendet. Und selbst in dem Falle wird noch extrem viel Geschick und Erfahrung benötigt, weil besagter Deckel schließlich ja auch auch zum Deckel des so genannten Aufsatzes – der tatsächlich, weil nicht eigenständig, ja gar keiner ist – werden soll. Mit viel Geduld und Improvisationstalent schafften der o. e. erfahrene Tischlermeister und meine Wenigkeit es schließlich nach Stunden, den hahnebüchenen Plunder zusammen zu setzen.

Ich habe in der Vergangenheit schon häufiger Mobiliar von Ihrem Unternehmen gekauft. Die Qualität war akzeptabel, als die Möbel noch komplett aus Kiefer bestanden. Was dem Kunden jetzt untergejubelt wird ist hingegen eine Zumutung. Jedes Teil eines schwedischen Möbelhauses ist um Welten haltbarer! Lieber gebe ich künftig hundert Euro mehr aus und gehe in ein Möbelhaus. Da weisen die Spanplatten wenigstens 20mm Stärke auf. Das war definitiv der allerletzte Kauf bei Ihrer Firma, denn geliefert wurde wirklich nur das Allerletzte! Es gibt nichts Besseres zum dauerhaften Vergraulen von Kunden. Vielleicht teilen Sie das einmal Ihrer Einkaufsabteilung mit.

Mit wenig freundlichen Grüßen
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Selbstverständlich erfolgte keine Stellungsnahme des Lieferanten, sondern es kam als Antwort nur das übliche Blabla von wegen Kundendienst wird sich mit mir in Verbindung setzen, andere Käufer hätten sich noch nie beschwert (Wie auch wenn die wegen dem Teil in der Klapse gelandet sind?) usw. Jetzt, bei den Renovierungsarbeiten, müsste das Teil eigentlich weg. Eigentlich … – aber dazu müsste man es zerlegen. Und – viel schlimmer! – später nochmal neu aufbauen. „Ohne mich!“ meinte ich und erneuerte meine Aussage von vor sechs Jahren: „Wenn ich den Schrank nochmal anfassen soll, dann nur mit Axt oder Vorschlaghammer!“ Ergo wird drum herum tapeziert. In Ecken und Nischen, in die kein normal gebauter Mensch reinkommt und wozu Yoga-ähnliche Verrenkungen nötig sind. Es ist so ein widerliches Elend … So kann man freie Tage auch versauen! 😦