Optische Linsensysteme weisen Verzeichnungen auf. Physikalisch betrachtet wird das durch eine lokale Veränderung des Abbildungsmaßstabes verursacht, doch die Physik dahinter soll hier weniger interessieren, denn es geht um die Fotografie. Die Verzeichnungen treten dort insbesondere bei kleinen Brennweiten sowie bei kleinen Blendenöffnungen (d. h. großen Blendenzahlen) auf und werden als „stürzende Linien“ bezeichnet. Bei den stürzenden Linien – besonders auf Fotos mit vertikalen Motiven zu bemerken, also Bauwerke, Bäume, Verkehrsschilder usw. – ist normalerweise ein mittiges, vertikales Element wirklich vertikal, während gleichartige Elemente an den Bildrändern zur Mitte hin zu kippen scheinen: Die wirken schief! D. h. alle drei Linien führen irgendwo weit außerhalb des Bildes auf einen imaginären Schnittpunkt hin. Das sieht unnatürlich aus. Das lässt sich aber mit GIMP ganz einfach – wenngleich es mitunter auch aufgrund von mehreren Versuchen etwas länger dauert – beseitigen.


Das Originalbild: Der mittige Turm des Gebäudes ist ziemlich genau senkrecht. Die Linien der Außenmauern jedoch nicht, denn sie neigen sich etwas zum Turm hin – bei ihnen handelt es sich um stürzende Linien.

Wie funktioniert die Korrektur? Das Bild wird mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP geladen. Im Werkzeugkasten klickt man das „Perspektive“-Werkzeug an und bei dessen Werkzeugeigenschaften wird die Checkbox „Richtung: Korrigierend (rückwärts)“ aktiviert.


Das Perspektive-Werkzeug nebst Werkzeugeinstellungen.

Anschließend wird in das Bild geklickt und es zeigen sich Hilfslinien. Die kann man mit dem Mauszeiger „anfassen“. Zur Korrektur stürzender Linien empfiehlt es sich, die oberen, äußeren Quadrate etwas nach innen hin zu ziehen. In der sich parallel dazu öffnenden Dialogbox klickt man „Transformation“ an und die Korrektur des Bildes wird durchgeführt.


Das Korrigieren der stürzenden Linien.

Allerdings ist diese Korrektur recht rechenaufwändig und erfordert einen Augenblick. Deswegen gibt es auch keine Vorschau der Änderung. D. h. man kann recht leicht überkompensieren. In derartigen Fällen klickt man auf „Bearbeiten/ rückgängig“ und versucht es eben mit anderen Einstellungen nochmal. Bis zu drei Versuche bis hin zum zum Erfolg sind dabei durchaus normal.


Das hinsichtlich der stürzenden Linien korrigierte Bild mit dem „natürlichen Look“.

Fertig – die Aufnahme kann exportiert werden. Bleibt man mit den o. e. Hilfslinien innerhalb des Bildes, dann hat es nach erfolgter Transformation i. d. R. die gleichen Maße wie zuvor. Verlässt man hingegen das eigentliche Bild, dann wird ein nachträglicher Zuschnitt notwendig, da sich die Bildmaße verändert haben. Der Zuschnitt ist immer von Nachteil, denn dadurch gehen Teile des Motivs zwangsläufig verloren.