„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“
(Textzeile aus dem „Bundeslied“ von 1863.)

Es gibt Jobs und Jobs – wichtige Jobs und unwichtige Jobs. Wenn man berücksichtigt, dass der eine Job im einen Land gut und im anderen Land schlecht bezahlt wird, dann scheint der Verdienst für die geleistete Arbeit kein geeignetes Mittel zur Unterscheidung der wichtigen von den unwichtigen Jobs zu sein. Was kennzeichnet überhaupt die jeweilige Job-Kategorie? Wichtige Jobs sind meiner unmaßgeblichen Meinung nach alle die Jobs, von denen jedermann unmittelbar profitiert. Also die Jobs, denen wir das Funktionieren unserer Gesellschaft verdanken und die uns – man betrachte die Forschung – künftig weiter bringen werden, also Investitionen in die Zukunft. Unwichtige Jobs dagegen sind Tätigkeiten, die nur eher selten mal benötigt werden oder aber auf die man sogar gänzlich verzichten könnte. Zur Klarstellung: Mit unwichtigen Jobs meine ich keine sinnlosen Tätigkeiten, bei denen die Arbeit nur um der Arbeit willen – also quasi als Beschäftigungstherapie – gemacht wird (bspw. Verwaltung zum Selbstzweck). Das nämlich sind Bullshit-Jobs und um die soll es hier nicht gehen.

Bleiben wir daher bei den wichtigen und den unwichtigen Jobs. Wie kann man man zwischen den beiden Kategorien differenzieren? Das ist auf den ersten Blick nicht wirklich einfach. Nehmen wir mal als Beispiel einen Schornsteinfeger. Der schlägt vielleicht zweimal jährlich auf um den Schornstein zu reinigen. Ohne diese Reinigung droht ein Schornsteinbrand. Der Hausbesitzer mag vielleicht nur die reine, seltene Präsenz bei ihm zuhause sehen und den Schornsteinfeger daher als unwichtig betrachten. Doch der Schornsteinfeger selbst ist durchaus voll beschäftigt, hat er doch ein Haus nach dem anderen abzuklappern und ohne seine Tätigkeit droht Gefahr für Leib und Leben. Nehmen wir auf der anderen Seite mal einen Call-Center-Mitarbeiter vom Typ Telefondrücker. Der will dir etwas aufschwatzen was du nicht brauchst und dir so das Geld aus der Tasche ziehen. Für dich selbst ist der denkbar unwichig. Er hingegen hat möglicherweise eine Familie zu ernähren und ist froh, dass er mit seiner Tätigkeit das Geld dafür verdient. Für ihn selbst ist dieser Job daher überlebenswichtig.

Die beiden Beispiele zeigen, dass es gar nicht mal so einfach ist, zwischen wichtigen und unwichtigen Jobs zu unterscheiden: Gehalt funktioniert nicht und Tätigkeit funktioniert offensichtlich auch nicht. Gut, betrachten wir einmal die Auswirkungen der Tätigkeit. Beim Verzicht auf den Schornsteinfeger könnte dein Haus abbrennen. Beim Verzicht auf den Telefondrücker hast du mehr Geld zur Verfügung und obendrein noch deine Ruhe in Bezug auf unerwünschte Anrufe. Aha – die Auswirkungen einer Tätigkeit zeigen die Unterschiede zwischen den beiden Jobkategorien ziemlich deutlich auf! Damit lässt sich doch schon etwas anfangen! Damit kann gefiltert werden …

Was aber wäre ein geeigneter Filter? Am naheliegendsten ist der temporäre Verzicht auf die jeweilige Arbeit, bspw. in Form eines Streiks. Der würde anhand der Auswirkungen sehr genau zeigen, wer den Laden am Laufen erhält und wer nicht. Stell‘ dir einfach mal vor, alle Politiker, Investmentbanker, Unternehmensberater und Aufsichtratsvorsitzenden würden ein Vierteljahr lang streiken. Welche Auswirkungen hätte das für dich ganz persönlich? Stell‘ dir im Gegenzug mal vor, alle LKW-Fahrer, Müllwerker und Pflegekräfte würden ein Vierteljahr lang streiken. Wie sähe es dann aus? Im erstgenannten Fall dürfte der Streik nur von Einzelpersonen überhaupt zur Kenntnis genommen werden. Im zweiten Fall würde unsere Gesellschaft zusammenbrechen.

Werfen wir allerdings jetzt mal einen Blick auf die jeweiligen Entlohnungen, dann wird’s paradox – um nicht zu sagen sogar paranoid. Picken wir mal den Jahresverdienst des Vorstandsvorsitzenden und den Jahresverdienst der Pflegekraft raus: Da ist jede Verhältnismäßigkeit schon seit Jahrzehnten völlig verloren gegangen! Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe nichts dagegen, wenn der Vorstandsvorsitzende deutlich mehr als die Pflegekraft verdient. Aber muss es gleich ein Vielhundertfaches davon sein, obgleich sein Job hinsichtlich der Auswirkungen offensichtlich unwichtiger ist? Was mir persönlich hier fehlt ist eine Deckelung bei den Spitzenverdienern – meinetwegen gerne auch in Form einer Vermögens- oder/und einer Finanztransaktionssteuer, so dass wenigstens ein Teil des Geldes in welcher Form auch immer wieder zu denen zurückfließen kann, die den tatsächlich wichtigen Job ausüben.

Eine entsprechende Weichenstellung müsste seitens unserer Politiker vorgenommen werden. Die allerdings zählen zum überwiegenden Teil selbst zur Gruppe der Spitzenverdiener – damit meine ich gar nicht mal die beständig erhöhten Diäten, sondern vielmehr die Beraterverträge und Nebeneinkünfte – und sind somit vordringlich daran interessiert, alles beim Alten zu belassen, denn das sichert ihre eigene Position. Eine weitere Sicherung der Position wird durch Großspenden an Parteien erreicht: Dann ist der eine dem anderen verpflichtet und eine Hand wäscht die andere. Auf Otto Normalverbraucher mag das zwar wie Korruption wirken, doch es ist völlig legal. Und so lange das völlig legal ist wird sich auch niemals etwas ändern.

Wodurch könnte denn überhaupt eine Veränderung bewirkt werden? Dazu haben wir Wahlen. Bloß: Was nützen Wahlen, wenn alle das Gleiche wollen und sich nur der Weg zum Ziel unterscheidet? In dem Falle kann man lange auf eine Veränderung zum Positiven hin – also zur Aufwertung von wichtigen Jobs – warten. Veränderung bedeutet ja nichts anderes, als das auch anzustreben. So etwas setzt eine gewisse Grundeinsicht voraus und die wiederum resultiert aus Bildung. Und damit schließt sich ein Kreis: Reduziert man die Bildung auf Knöpfchendrücker für die Wirtschaft und streut dem so vorsätzlich verblödeten Stimmvieh Sand in die Augen, dann braucht man Widerstand (oder gar Veränderung) nicht mehr zu fürchten. Es geht bei dem Ganzen nicht darum, wer das Denken kontrolliert, sondern vielmehr darum, wer es lenkt. So lange aber die Lenker sich in unwichtigen Jobs unverdienterweise eine goldene Nase verdienen, so lange werden auch die Menschen in den wirklich wichtigen Jobs vergeblich auf eine Verbesserung warten! Eben das ist auch der Grund, warum ich von unserer neuen, künftigen ReGIERung absolut gar nichts erwarte … 😦