Panoramafotos oder kurz Panos genannt machen was her! Das konnte ich erst kürzlich bei einer Vereinssitzung wieder bestätigt finden, als dort im Hintergrund ein aus Panos gebastelter Film zwecks optischer Untermalung lief, denn das eigentlich nur zur Auflockerung gedachte Video erzeugte mindestens genausoviel Aufmerksamkeit wie die Beiträge der Anwesenden. Zur Anfertigung von Panoramen findet man entsprechende Funktionen in vielen Kameras und Smartphones. Vergleicht man die Qualität derartiger Panos allerdings mit der Qualität von aus Einzelbildern zusammengesetzten Panoramen, dann tun sich Abgründe auf – die zusammengesetzten Panos sind qualitativ um Welten besser!

Es gibt nicht viele Programme, mit denen man das Zusammensetzen, auch „Stitchen“ genannt, machen kann. Sucht man dabei nach Freeware, dann kann man das, was übrig bleibt, an wenigen Fingern einer Hand abzählen. Schaut man dann noch bei diesem Rest nach portablen Alternativen dann sieht es ganz mau aus. Sicher, die allererste Version von MS ICE war gratis und portabel. Doch wo bekommt man die heute noch her? Oder nehmen wir Panorama Studio 1.5 aus dem Jahr 2010. Auch das war portabel und als die Nachfolgeversionen der eigentlichen Kommerzware erschienen da wurde diese Version zeitlich befristet gratis abgegeben. Aber sonst? Sonst sucht man vergebens. Außer vielleicht, dass sich jemand die Arbeit macht, ein normalerweise nicht portables Freeware-Programm entsprechend umzustricken.

Bei Hugin ist das geschehen. Hugin gibt’s schon seit 2003 und ursprünglich handelte es sich „nur“ um eine Sammlung von Kommandozeilen-Tools. Ich hatte das Programm vor Urzeiten mal unter Win98 oder WinXT angetestet und bin damals auf ganzer Linie gescheitert. Und heute? Heute existiert Hugin immer noch, und zwar als Installer für die verschiedensten Plattformen, inklusive grafischer Benutzeroberfläche (GUI). Die GUI vereinfacht alles.

OK, aber gibt’s das jetzt auch portabel? Ja, gibt es! Und zwar für Windows ab XP in 32bit- und 64-bit-Versionen. Man muss eben nur die zum jeweiligen Betriebssystem passende Version runterladen. Deswegen habe ich Hugin Portable für Windows 10 64bit auch mal ausprobiert. Hugin kommt als 7z-Archiv von rund 23MB Größe (kann man bspw. mit PeaZip entpacken). Nach dem Entpacken ist ein Ordner „Hugin_2015.0.0_64bit“ von rund 85MB Speicherbedarf angelegt worden und darin steckt das portable Programm. Dessen Startfile ist „Hugin_2015.0.0_64bit\bin\hugin.exe“. Das Starten des Programms dauert eine Weile.


Button 1: Das Einlesen der Bilder.

Die Programmbedienung ist unüblich und wohl der Herkunft des Programmes aus dem Bereich der Kommandozeilen-Tools geschuldet. Nachdem die Arbeitsoberfläche aufgebaut worden ist sind oben unter der Menüleiste drei Buttons zu sehen und eigentlich werden auch nur die gebraucht. Mit „Button 1: Bilder laden“ lädt man alle zum Panorama zu vereinenden Bilder; das Anklicken mit gedrückter [Shift]-Taste gestattet die Mehrfachauswahl.


Das automatische Ausrichten der Bilder lässt sich in einem Arbeitsfenster verfolgen.

Die Arbeitsoberfläche nach erfolgter Ausrichtung.

Nach dem Einlesen der Aufnahmen wird „Button 2: Ausrichten“ angeklickt. Der Arbeitsablauf beim Ausrichten lässt sich in einem Arbeitsfenster verfolgen. Das verschwindet nach erfolgter Ausrichtung wieder.


Die Wahl des Ausgabeformates und der Zusammenfügungsmethode.

Es folgt der Klick auf „Button 3: Erstellen des Panoramas“, woraufhin sich ein Fenster öffnet. In dem kann man das Ausgabeformat für das Pano (unterstützt werden TIF, JPG und PNG) und – manchmal – zusätzlich noch die Methode des Zusammenfügens wählen: Mit „OK“ bestätigen. Es folgt ein Hinweis dahingehend, dass das Projekt zunächst gesichert werden muss.


Die Projektsicherung als PTO-Datei.

Quittiert man diesen Hinweis, dann erscheint ein Fenster, welches den Ort der Sicherung als PTO-Datei angibt (Namensformat „Bildnummer – Bildnummer.pto“). Den vorgeschlagenen Dateinamen kann man getrost übernehmen, da diese Zwischenspeicherung später normalerweise nicht mehr gebraucht wird und ohnehin zu löschen ist.


Die Namensvergabe für das Panorama.

Auf die Zwischenspeicherung folgt die Namensvergabe für das neu anzufertigende Panorama. Dabei bitte beachten, dass der Dateiname OHNE Dateierweiterung eingeben wird, da das Dateiformat (TIF, JPG, PNG) ja bereits zuvor ausgewählt worden ist. Daraufhin startet die Bearbeitung; Entzerren, Überlagern und Zuschneiden geschehen automatisch.


Das eigentliche Stitchen wird durch zwei Fenster signalisiert.

Das übrig gebliebene Fenster zeigt das Ende des Vorgangs an.

Im Anschluss zeigen sich zwei neue Fenster auf der Arbeitsoberfläche und je nach Anzahl sowie Größe der Fotos und Leistungsfähigkeit des Rechners kann es eine ganze Weile dauern, bis sich darin etwas zeigt: Geduld! Ein Fenster ist wieder das bereits bekannte Arbeitsfenster und es verschwindet nach dem Ende des Stitchens von selbst. Das zweite Fenster zeigt, inwieweit alles geklappt hat: Nur dann, wenn in dessen Fußzeile „Stapelverarbeitung erfolgreich beendet“ erscheint ist der Prozess auch erfolgreich abgeschlossen worden. In dem Falle findet man jetzt in dem Ordner, dem die Ausgangsbilder entstammen, auch das neue Pano unter dem oben angegeben Namen.


Das fertige Panoramabild.

Was bleibt? Hugin beenden und die überflüssig gewordenen Dateileichen beseitigen – das ist die PTO-Datei und das sind, sofern man mit Kopien gearbeitet hat (was man grundsätzlich immer tun sollte) die Ausgangsbilder. Für das Pano selbst schließt sich im Bedarfsfalle noch die Konvertierung in ein anders Dateiformat an, wozu GIMP sehr gut geeignet ist, während man eine etwaige Größenänderung oder einen Ausschnitt am besten mit IrfanView vornimmt (ist bequemer und einfacher). Fazit: Mit Hugin hat man einen sehr guten und kostenlosen Panorama-Stitcher für alle möglichen Betriebssysteme und im Falle von Windows sogar noch portabel!