Der Grünschnittabfall ist beseitigt. Die Gartenmöbel stehen drinnen. Meine Blumentopf-Chilis für die nächste Saison sind gesät. Die Töpfe für meine richtigen Chilis – die Lauenauer Aliens – sind fertig zum Beschicken (haben aber noch acht Wochen Zeit). Rund 20 Bäume sind gekürzt worden und zwei gefällt. Ob ich den Rasen irgendwann nochmal mähen muss weiß ich nicht. Anschließend jedenfalls ist der Rasenmäher für die Winterpause trocken zu legen. Zu verarbeitendes Brennholz wartet und läuft mir nicht weg. Kurzum: Es ist Herbst geworden! Der Herbst, das ist die Zeit, in der die Tiere sich den Winterspeck anfressen um sich anschließend in den Winterschlaf zu begeben. Vielleicht wäre ein ähnliches Verhalten gar keine so schlechte Idee für uns: Auf den Winterschlaf folgt die Frühjahrsmüdigkeit, von der man sich im Sommerurlaub erholen muss und im Herbst baut man für den nächsten Winterschlaf vor. Wäre vielleicht auch mal ’ne Möglichkeit um zu leben … 😉

Herbst … – es gibt ein paar Herbstlieder, allerdings nicht viele davon. Eins davon geht mir seit Wochen schon nicht mehr aus dem Sinn. Die jüngere Leserschaft kennt wahrscheinlich eher die (sehr gute!) Santiano-Neuaufnahme davon. Ich will hier aber mal das aus dem Jahr 1976 und von Knut Kiesewetter stammende Original vorstellen. Ihr kennt das Lied sicherlich: Es handelt sich um den „Fresenhof„. Das Lied ist in Plattdeutsch verfasst. Die Experten streiten darüber, ob Platt nun eine Sprache oder ein Dialekt ist, doch selbst tendiere ich mehr zur Sprache – eine Sprache, die uns Kindern vom Dorf in Norddeutschland mit Eintritt in die Schule abgewöhnt worden ist, denn die aus der Stadt stammenden Lehrkräfte verstanden kein Wort davon. So wurde Hochdeutsch meine erste Fremdsprache. Diejenigen, die des Plattdeutschen nicht mächtig sind, finden weiter unten den Versuch einer hochdeutschen Übersetzung. Den bitte nicht allzu wörtlich nehmen, denn Platt ist keinesfalls gleich Platt. Da gibt’s Riesenunterschiede: Hannöversch Platt ist kein Brunswiger Platt ist kein Westfalenplatt ist kein Ostfriesisch Platt ist kein Harzer Platt usw. Entsprechend mehrdeutig lässt sich der Text auch übersetzen. Doch das tut dem Song keinen Abbruch: Ein zeitloser Ohrenschmaus!

Fresenhof

Wenn de Wind dör de Bööm weiht
Un Gras nich mehr wassen deiht
Un geel all ward, denn kummt bald de Tied
Wenn de Storm över’t Feld geiht
Wo lang schon keen Korn mehr steiht
Un Mehl all ward, denn ist bald sowiet

Dat de Dag köder ward un de Nach de duert lang
Un de Kinner vun Nabar, de warn in Düstern bang
Wenn de Regen vun’t Reitdack dröppt
Mien Söhn buten gauer löppt
Sonst ward he natt, denn snurrt bin’n de Kat

Wenn de Wind dreiht, vun Nord weiht
Un Regn gegn de Finster neiht
De Schiebn dahl rennt, denn föhl ik mi wohl
Wenn dat Füer in Kamin brennt
Un jeder di bi’n Vörnam nennt
Weil he di kennt, denn is uns Huus vull

Denn de Nabers sünd disse Tied ok nich geern alleen
Un bi Teepunsch an’t Füer ward de Wedder weder schön
Wenn de Blädder sik brun farvt
Un Water steiht inne Groof
Denn ward dat Harfs, op uns Fresenhof

Ungefähre Übersetzung nach Hochdeutsch

Wenn der Wind durch die Bäume weht
und das Gras nicht mehr wächst
und alles gelb wird, dann kommt bald die Zeit.
Wenn der Sturm über das Feld geht
wo lange schon kein Korn mehr steht,
und das alles zu Mehl geworden ist, dann ist es bald soweit.

Das der Tag kürzer wird und die Nacht lang dauert
und die Kinder vom Nachbarn die sind bei Dunkelheit verängstigt.
Wenn der Regen vom Reetdach tropft
mein Sohn draußen schneller läuft
damit er nicht nass wird, dann schnurrt drinnen die Katze.

Wenn der Wind dreht, von Norden weht
und Regen gegen die Fenster pladdert
der die Scheiben hinunter rinnt, dann fühle ich mich wohl.
Wenn das Feuer im Kamin brennt
und jeder dich mit dem Vornamen anspricht
weil er dich kennt, dann ist unser Haus voll.

Denn die Nachbarn sind in dieser Zeit auch nicht gern allein
und beim Teepunsch am Feuer wird das Wetter wieder schön.
Wenn die Blätter sich braun färben
und das Wasser im Graben steht
dann wird es Herbst auf unserem Friesenhof.