Vielleicht bin ich ein grottenschlechter Fotograf, denn ich habe im Laufe der Jahre weit über 100.000 Fotos geschossen und im Grunde genommen an jedem einzelnen Bild irgendwas auszusetzen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu anspruchsvoll – jedenfalls ist mir „the one shot“ bisher noch nicht gelungen. Mal stimmte das Drum und Dran nicht, mal sagte ich mir zwangsläufig „… ein Bild ist besser als kein Bild und die beste Kamera ist immer die, die man gerade dabei hat …“ und dann war auch schonmal was Verwackeltes mit dabei. In dem Fall gibt’s nur zwei Möglichkeitetn: Wegschmeißen oder Rettungsversuch. Was davon infrage kommt hängt natürlich immer vom jeweiligen Bild bzw. Motiv ab. Ich will hier mal den Rettungsversuch mit GIMP beschreiben, also das Schärfen von verwackelten Fotos. Manchmal funktioniert das nämlich so halbwegs und wenn man im Anschluss das geschärfte Bild obendrein noch verkleinert, dann fallen die Unschärfen kaum noch auf.

Das Mittel der Wahl ist bei GIMP das Filter „Unscharf maskieren“ bzw. ab GIMP 2.10 „Schärfen (Unscharf maskieren)“ genannt. Bei diesem Filter hat man drei Regler zur Verfügung, nämlich Schwellwert, Menge und Radius. Alle zusammen beeinflussen das Ergebnis. Was macht welcher Regler?
– Mit Schwellwert wird ermittelt, wann eine Kante vom Programm als Kante erkannt wird und das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Farben ist für die Software eben eine Kante.
– Mit Menge wird vorgegeben, wie stark nachzuschärfen ist.
– Mit Radius teilt man der Software mit, bei wievielen Pixeln zu beiden Seiten der erkannten Kante das Nachschärfen anzuwenden ist.
Eine Idealeinstellung gibt es nicht, denn was wie am besten zusammen passt, ist von Bild zu Bild (mitunter völlig) unterschiedlich. Da muss man eben ausprobieren. Deswegen sind die nachfolgend angegebenen Beträge auch lediglich als Richtwerte zu verstehen. Grundsätzlich gilt aber, dass Wenig meist Mehr ist und dass es sichtbar bessere Ergebnisse bringt, wenn man mit mehreren, kleinen Schritten schärft als einmal herzhaft und kräftig.


Eine Biene im Flug – mitziehen und fokussieren gleichzeitig bei einiger Geschwindigkeit: Da ist ein Verwackeln quasi vorprogrammiert!

Wie also schärft man ein verwackeltes Bild? Zuerst wird das mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP geladen. Es erscheint sowohl auf der Arbeitsfläche wie auch im Ebenenfenster. Im Ebenenfenster klickt man mit der rechten Maustaste drauf und selektiert in der Auswahlliste „Ebene duplizieren“. Daraufhin legt GIMP eine Kopie an – die steht oben und ist auch aktiv. Man klickt auf „Filter/ Verbessern/ Unscharf maskieren“. Eingestellt werden zum Schärfen der groben Kanten „Radius 20“, „Menge 0,35“ und „Schwellwert 0“; mit „OK“ bestätigen. Nun wieder im Ebenenfenster mit der rechten Maustaste auf diese Kopie klicken und nochmal „Ebene duplizieren“ anwählen. Es wird eine Kopie der – jetzt bereits grob geschärften – Kopie angelegt. Die ist aktiv und steht oben. WICHTIG: Zum Erhalt der Farben wählt man zusätzlich noch über dem Ebenenfenster den Modus „Wert“.

Weiter geht es mit dem Schärfen der Details. Wieder „Filter/ Verbessern/ Unscharf maskieren“ bemühen und „Radius 6“, „Menge 0,35“ sowie „Schwellwert 0“ einstellen, anschließend „OK“. Sollte das noch nicht reichen, dann wiederholt man diesen Schritt noch ein- oder zweimal. Nun noch zweimal „Ebene/ Nach unten vereinen“ anklicken, so dass letztlich bloß noch eine einzige Bildebene übrig bleibt (der Modus ist dabei übrigens wieder auf „Normal“ zurückgesprungen). Jetzt noch einmal „Filter/ Verbessern/ Unscharf maskieren“ mit den o. e. Detaileinstellungen („Radius 6“, „Menge 0,35“ und „Schwellwert 0“) durchführen. Was gelitten hat sind die Farben. Deswegen „Farben/ Farbton/Sättigung“ aufrufen und ungefähr „Sättigung -5“ einstellen, danach mit „OK“ bestätigen. So kann das Bild prinzipiell schonmal exportiert werden.


Der Vorher-Nachher-Vergleich: Zwar etwas mehr an Schärfe, dafür aber auch leider etwas mehr an Bildrauschen.

Leider weist die Methode aber einen Nachteil auf: Sie verstärkt nämlich das Bildrauschen! Als letzter Schritt kann sich daher (muss aber nicht) ein beliebiges Denoising-Verfahren anschließen.


Das Bild nach dem Entrauschen.

Vergleich von Original und Bearbeitung: Nach Schärfen und Denoising.

Das dargestellte Verfahren ist wieder so eine Methode aus der „Vielleicht-haut’s-ja-hin“-Kiste. Sollte es zu keinem brauchbaren Ergebnis führen, dann hat man aber ganz sicher immer noch die andere, eingangs genannte Variante zur Verfügung: Nämlich das Bild wegzuschmeißen!