„If you know your history then you know where you’re coming from.“
(Bob Marley in „Buffalo Soldier“)

Da kommt man spät abends von einer Vereins-Vorstandssitzung nach Hause und findet eine Mail von YouTube mit folgendem Wortlaut vor: „Unser Team hat deine Inhalte geprüft und festgestellt, dass sie gegen unsere Richtlinien zu Hassrede verstoßen. Dieser Verstoß war vielleicht von dir gar nicht beabsichtigt. Deshalb erhält dein Kanal keine Verwarnung. Die folgenden Inhalte wurden aber von YouTube entfernt: ‚Video: Deisterpanoramen‘. Wir können verstehen, wenn du deswegen jetzt möglicherweise enttäuscht bist. Wichtig ist uns dabei aber vor allem, dass YouTube eine sichere Plattform für alle Nutzer ist. Wenn du der Meinung bist, dass es sich hierbei um einen Irrtum handelt, kannst du Beschwerde einlegen. Weitere Informationen dazu findest du weiter unten. Was steht in den Richtlinien? Inhalte, die Gewalt gegen Einzelne oder bestimmte Gruppen verherrlichen oder dazu aufrufen, sind auf YouTube nicht erlaubt. Wir dulden auch keine Inhalte, die Hass auf bestimmte Personen oder Gruppen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer geschützten Gemeinschaft schüren sollen. Im Juni 2019 haben wir Änderungen dieser Richtlinie angekündigt. Da du deine Inhalte vor der Aktualisierung der Richtlinie hochgeladen hast, erhält dein Kanal keine Verwarnung.“

Das Video „Deisterpanoramen“, hochgeladen im Jahr 2016 – was beinhaltete es? Das waren meine eigenen Panoramafotos vom Deister, abgefilmt und als Pano-Diashow zu einem kurzen Filmchen umgearbeitet. Als musikalische Untermalung – und das scheint wohl ganz offensichtlich der Knackpunkt zu sein – verwendete ich die niedersächsische Nationalhymne, nämlich das Niedersachsenlied. Kennt hier in Niedersachsen wahrscheinlich jeder irgendwoher, denn kein Dorffest, auf dem es nicht gespielt wird und keine Kapelle, die das nicht in ihrem Repertoire hat. Der Text des Liedes beschreibt im weitesten Sinne den Freiheitskampf der Niedersachen aus einem Zeitraum etwa von Christi Geburt bis ungefähr zum Ende des ersten Jahrtausends danach. Er beschreibt historische Gegebenheiten. YouTube scheint darüber zu stehen und so etwas als „Hassrede“ einstufen zu müssen. Ich habe erstmal Beschwerde gegen diese Einstufung eingelegt, gebe mich aber keinerlei Illusionen hin – Google (und YouTube gehört nun einmal dazu) hat immer Recht!

Auf das Video kann ich verzichten; das ist nicht so schlimm. Aber etwas ganz anderes bereitet mir dabei gewaltige Kopfschmerzen: Wenn ein Großkonzern sich anmaßt, historische Vorkommnisse aus einem allgemein zugänglichen Informationspool zu löschen und wenn besagter Großkonzern zudem noch ein Marktgigant ist, an dem keiner vorbei kommt, ist dann nicht der Manipulation der Nutzer Tür und Tor geöffnet? Hier wird Kulturgut verboten, frei nach dem Motto: Was nicht berichtet wird ist auch nicht passiert? Dann nämlich läuft das auf eine auf ganz leisen Sohlen angeschlichen kommende Geschichtsfälschung unter dem Deckmäntelchen der Vermeidung von vermeintlicher „Hassrede“ hinaus, ganz legal und elegant mit Absegnung von höchster Stelle. Am Ende eines solchen Prozesses braucht man das Denken der Nutzer nicht mehr zu kontrollieren – denn man lenkt es bereits! Orwell lässt grüßen … 😦

[Edit – Nachtrag]

Rund sieben Stunden nach meiner Beschwerde erreichte mich folgende Mail von YouTube: „Wir haben deine Beschwerde zu folgendem Inhalt geprüft: ‚Video: Deisterpanoramen‘. Nachdem wir uns den Inhalt noch einmal angesehen haben, sind wir auch diesmal zu dem Ergebnis gekommen, dass er gegen unsere Richtlinien zu Hassrede verstößt. Wir können verstehen, wenn du deswegen jetzt enttäuscht bist. Wichtig ist uns dabei aber vor allem, dass YouTube eine sichere Plattform für alle Nutzer ist. Welche Auswirkungen hat das auf deinen Kanal? Das Video wird nicht auf YouTube reaktiviert.“

Bye Bye Niedersachsenlied – und dass mir das künftig WIRKLICH GAR KEINER MEHR VERWENDET! DENN DAS NIEDERSACHSENLIED IST HASSREDE! Sagt YouTube …