Stellt euch mal eine historische Altstadt vor. Die Häuser sind zum überwiegenden Teil aus Holz erbaut worden und stehen dicht an dicht. In der Wohnung eines Hauses – nennen wir ihren Bewohner einfach mal Hern Söder – kokelt Papier vor sich hin. „Das geht von selbst aus!“, denkt der Bewohner und kümmert sich nicht weiter darum. Etwas weiter entfernt, in einem zweiten Haus, geschieht in der Wohnung eines anderen Bewohners – nennen wir ihn mal Herrn Laschet – etwas sehr ähnliches und auch der kümmert sich zunächst nicht weiter darum. Auch er unterliegt der Fehleinschätzung, dass das Feuer von selbst erlöschen würde. Tut es aber nicht: Es breitet sich sogar aus! Beide – also sowohl der Herr Söder wie auch der Herr Laschet – informieren daraufhin, auf rasche Hilfe hoffend, das für die Brandschutzaufsicht zuständige Amt bzw. dessen Leiter – nennen wir ihn mal Herrn Spahn. Herr Spahn ist Quereinsteiger in dem Job und kann die Gefahren nicht korrekt einschätzen. Deswegen entwickelt er erst einmal ein Formblatt und glaubt, dass nach dem Ausfüllen des Formblattes das Feuer von selbst ausgegangen sein müsste.

Das Feuer jedoch ist gänzlich anderer Ansicht und inzwischen brennen zwei Wohnungen lichterloh. Mehr noch: Die Flammen greifen auf weitere Wohnungen über. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Leiter der Brandschutzaufsicht einen gewissen, minimalen Handlungsbedarf erkennen kann. Er regt an, dass die Flammen mit Feuerpatschen und Feuerlöschern beseitigt werden sollen. Bringt zwar nichts, aber er hat immerhin schonmal Einsatz gezeigt. Parallel dazu werden die Herren Söder und Laschet – man erinnere sich, dass die Brände bei denen ihren Ursprung genommen haben – nicht müde, den vor Ort tätigen Feuerwehrleuten kluge Ratschläge dahingehend zu geben, wie die ihre Arbeit besser machen könnten. Auch die beiden Herren haben jetzt Aktivität gezeigt und lassen diese Aktivität sogar medienwirksam verkünden, während die Feuerwehrleute mit der schnöden Brandbekämpfung befasst sind.

Die unmittelbar vor Ort tätigen Feuerwehrleute gelangen schnell an ihre Grenzen und sogar darüber hinaus. Mittlerweile brennen nämlich bereits zwei Häuser lichterloh und die Feuer drohen auf benachbarte Gebäude in der Altstadt überzugreifen. Als der Leiter der Brandschutzaufsicht – der Herr Spahn – davon erfährt, bricht er in hektische Maßnahmen aus. Hauptsache ist nämlich zuerst einmal publicityträchtigen, blinden Aktionsmus zu zeigen um zu beweisen, dass man handlungsfähig ist! Zunächst ordert er mehr Schläuche. Da er aber von Haus aus sehr sparsam wirtschaftet bestellt er Billigschläuche. Die sind teils durchlöchert und haben teils unpassende Anschlüsse. Sonderlich hilfreich ist das nicht wirklich. Immer mehr Feuerwehrleute überschreiten die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und fallen daher bei der Brandbekämpfung aus. „Prima“, denkt sich der Herr Spahn und baut die unbesetzten Fahrzeuge nebst der mangels Personal nicht mehr nutzbaren Ausrüstung ab. Warum soll das alles auch ungenutzt rumstehen? Parallel dazu spornt er die noch mit den Löscharbeiten befassten Einsatzkräfte zu noch viel mehr Arbeit an, dabei immer auf die klugen Ratschläge der Herren Söder und Laschet hörend.

Allein mit den Feuerpatschen und den Feuerlöschern lässt sich aber nichts erreichen. Das muss auch der Herr Spahn einsehen und gibt irgendwann sein OK für „Wasser marsch!“. Endlich dürfen die Feuerwehrleute auf das Löschwasser zurückgreifen. Damit werden aber nur noch Teilsiege errungen, denn nun brennen bereits viele Häuser. Einige Brandherde kann man löschen. Einige Gebäude kann man schützen. Es scheint zeitweise sogar so, als könne man den Großbrand vielleicht noch unter Kontrolle bringen. Der Leiter der Brandschutzaufsicht ist darüber hocherfreut, kann er doch endlich Erfolge vermelden. Er informiert seine Vorgesetzten diesbezüglich und gemeinsam fasst man den Entschluss, dass nun das Schlimmste vorbei sei. Die Einsatzkräfte vor Ort werden nach und nach abgezogen und weil es mit so wenig Personal ja auch irgendwie geklappt hat macht man das wenige Personal zum Standard. Ausgeschiedene Mitarbeiter werden nicht ersetzt und dadurch übrig bleibendes Material kann gewinnbringend verhökert werden – die Feuerwehren müssen ja schließlich auch wirtschaftlich arbeiten, nicht wahr?

Auch die Brandwachen werden abgezogen. Zugegeben, da ist immer noch das eine oder andere Glutnest. Aber was soll daraus schon erwachsen? Die Glut frisst sich insgeheim weiter. Die zuvor durch Löschwasser geschützten Häuser sind wieder getrocknet. Die Flammen finden neue Nahrung. Die Feuerwehr kann darauf nicht mehr umgehend reagieren, denn mit zuwenig Material und zuwenig Personal sind ihr die Hände gebunden. Die Feuer flackern hier und da wieder auf. Zwischenzeitlich hat der Leiter des Amtes für Brandschutzaufsicht einen Bescheid erhalten, der ihm binnen allerkürzester Frist eine richtig fette Pension zusichert. Zufrieden lehnt er sich zurück und denkt: „Nach mir die Sintflut!“ In Absprache mit seinen Vorgesetzten wird der Brand offiziell für beendet erklärt. Auf die zahlreichen Fachleute, die ihre warnende Stimme erheben, hört selbstverständlich keiner, denn wer glaubt schon den ewigen Besserwissern? Über einen Nachfolger für den Leiter wird zwar noch diskutiert, doch es wird auf jeden Fall wieder ein fachfremder Quereinsteiger sein. Wer auch immer dafür in Frage käme ist jetzt jedenfalls noch nicht zuständig.

Zwischenzeitlich ist das Feuer wieder voll ausgebrochen, jetzt allerdings schlimmer denn je und die gesamte, historische Altstadt ist zu einer einzigen, gewaltigen Flammenhölle geworden. Alles rennet, rettet, flüchtet. Na ja, nicht alles. Es gibt da immer wieder und überall so selbsternannte Heilsbringer, welche die Flüchtenden dazu auffordern, doch soviel Papier und Pappe wie möglich in die Flammen zu werfen, um die damit zu ersticken. Mancher schenkt denen sogar Gehör und nährt so auf seine ganz persönliche Weise das Feuer weiter. Denjenigen aber, die dem Großbrand entkommen konnten, dämmert es so langsam, dass man vielleicht doch besser den Fachleuten anstelle der fachlich unbeleckten Entscheidungsträger hätte glauben sollen. Entscheidungsträger übrigens, die immer noch von einzelnen Feuern faseln, während die Altstadt längst zu einem einzigen Flammenmeer geworden ist. Aber auch Entscheidungsträger, die durch Vorsorge in Form von Kommunikation, optimierter Austattung der Feuerwehr und sofortiger, situationsgerechter Reaktion anstelle von Ignoranz das Schlimmste hätten verhindern können.

Zum Glück ist diese ganze Geschichte nur frei erfunden und rein fiktiv. „Wenn es brennt …“ könnte in dieser Form bei uns hierzulande garantiert niemals passieren und etwaige Ähnlichkeiten mit realen Vorfällen sind wirklich absolut unbeabsichtig und rein zufällig. Sollte sich jetzt aber doch jemand sagen, dass ihm oder ihr die Geschichte irgendwie bekannt vorkommt, dann … -PFUI!!! Das liegt wirklich nur an deiner durch und durch kranken, abartigen Phantasie und du wärst wirklich sehr gut beraten, wenn du umgehend einen Termin beim Psychiater machst! Kritiker brauchen wir hier nicht und Menschen, die sich selbst noch Gedanken machen, sind doch durchweg nur Störenfriede! Alles potenzielle Gefährder! Wegsperren muss man die! Jawoll!