Man stolpert manchmal über gewisse „Fotoregeln“. Einige davon sind ganz nützlich, so bspw. „Hinterlasse nichts als deine Fußabdrücke und nimm‘ nichts mit außer ein paar Bildern!“. Bei anderen Regeln aus dem Bereich der Merkwürdigkeiten kann man eigentlich nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: „Niemals gegen sie Sonne fotografieren!“ Würde die letztgenannte Regel in irgendeiner Weise zutreffen, dann gäbe es keine Gegenlichtaufnahmen. Zugegeben, Gegenlichtfotografie ist nicht einfach. Normalerweise hat man dabei mit zwei Problemen zu kämpfen. Entweder ist der Vordergrund (und damit zumeist auch das Motiv) zu dunkel oder aber der Hintergrund zu hell. Profis behelfen sich dann damit, dass über eine diffuse Reflektion das Motiv aufgehellt wird, z. B. mittels eines Faltreflektors.

Und wenn man den gerade nicht dabei hat oder wenn das Motiv nicht so lange abwartet bis man endlich soweit ist? Dann versucht man es ohne Reflektor mit den beiden o. e. Nachteilen. Dabei ist es grundsätzlich besser auf den Hintergrund zu belichten und den Vordergrund dunkler zu belassen, denn eine Unterbelichtung kann man aufhellen. Bei einer Überbelichtung hingegen ist ohne Verwendung des RAW-Formats meist Hopfen und Malz verloren. Zur Aufhellung dient die Kontrastmaske, genauer gesagt die „Contrast Swiss Mask“. Die hat man in der Kombination von GIMP und G’MIC – also bei den Installerversionen der jeweiligen Software – zur Verfügung. Ich will nachfolgend einmal kurz beschreiben, wie damit zwecks Vordergrundaufhellung bei Gegenlichtfotos vorzugehen ist.


Das Originalbild: Der leicht bedeckte Himmel stimmt zwar einigermaßen, aber die roten Beeren im Vordergrund sind hoffnungslos unterbelichtet.

Zunächst wird das Foto mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP geladen. Wie immer arbeitet man dabei mit einer Kopie des Bildes, um die Originalaunahme für eine etwaige anderweitige Bearbeitung noch unangetastet zur Verfügung zu haben (alternativ kann man selbstverständlich auch die Ebene des Originals duplizieren, ist halt Gewohnheitssache). Jetzt wird „Filter/ G’MIC-Qt“ angeklickt. Dort wählt man „Lights & Shadows/ Contrast Swiss Mask“.


Einstellung der „Contrast Swiss Mask“.

Man hat hier zwei Regler zur Verfügung, nämlich „Blur the Mask“ und „Intensity“. Bei „Intensity“ ist die Voreinstellung „1“ i. d. R. bereits der optimale Wert. Anders bei „Blur the Mask“, denn hier lohnt es sich durchaus, verschiedene Einstellungen auszuprobieren – der rechte Mausklick in das Vorschaubild zeigt die Unterschiede. Hat man die optimale Einstellung gefunden, dann wird mit „OK“ bestätigt und das Bild zurück an GIMP übergeben. Dort klickt man auf „Farben/ Werte“ und selektiert unter „Alle Kanäle“ den Button „Automatische Quellwerte“; mit „OK“ bestätigen. Zuletzt kann man noch – muss man aber nicht – unter „Farben/ Belichtung“ versuchen, mit den Reglern für „Schwarzwert“ und „Belichtung“ eine weitere, marginale Optimierung vorzunehmen: Fertig – das Bild kann exportiert werden!


So sieht die Aufnahme nach der Bearbeitung mittels „Contrast Swiss Mask“ und der weitergehenden Filterung aus.

Hier der unmittelbare Vorher-Nachher-Vergleich.

Das Verfahren eignet sich allerdings wirklich nur für Gegenlichtaufnahmen – hab’s ausprobiert! Wendet man es für Fotos ohne Gegenlicht an, dann werden die Ergebnisse grausam!