Mit den Objektiven bei der Fotografie ist das ja so eine Sache. Otto Normalknipser kauft sich eine Kamera mit fest montiertem Objektiv und gut is‘ – mitunter tut es aber auch vielleicht sogar schon das Handy. Der Hobby- oder Landschaftsfotograf greift da schon etwas tiefer in die Tasche und i. d. R. kommen bei ihm gerne mal ein paar Kameragehäuse und Objektive zusammen, wobei auch schonmal mitunter an der Grenze vom Preis eines Kleinwagens gekratzt wird. Der Profi-Tierfotograf hingegen kauft sich ein Spitzen-Objektiv und vom Wechselgeld das High-Tech-Kamergehäuse, denn man gönnt sich ja sonst nichts, und liegt preislich irgendwo bei den Kosten eines Mittelklassewagens.

Was macht jetzt aber der engagierte Hobbyfotograf, wenn das Objektiv des Tierfilmers weit außerhalb seiner finanziellen Reichweite liegt und er es trotzdem mal mit entsprechenden Aufnahmen versuchen möchte? Oder, anders ausgedrückt: Geht’s vielleicht auch ein bisschen billiger? Ja – und zwar mit Altglas, sofern man seine Erwartungen nicht zu hoch schraubt. Die Bezeichnung Altglas bedeutet im Bereich der Fotografie, alte oder uralte Objektive aus analogen Zeiten über Adapter mit einer aktuellen (System-) Kamera zu verbinden und die Aufnahmen komplett manuell zu machen. Die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben bedeutet, dass man bei dem Altglas nicht die gleiche Schärfe bzw. Abbildungsleistung wie mit aktuellen und zur Kamera passenden, sündhaft teuren High-Tech-Objektiven erwarten darf – dennoch erscheinen mir die Resultate aber ganz passabel zu sein.

Zu analogen Zeiten und als der Verdienst noch deutlich besser als heute war, legte ich mir eine Canon-T90-Ausüstung zzgl. eines handlichen Mittelgebirges von Wechselobjektiven zu. Von dieser Ausrüstung habe ich mich niemals trennen können, denn da hängen viel zu viele Erinnerungen dran. Die Gläser sind durchweg noch sehr gut, also kein Glaspilzbefall oder sowas und die Blendenringe funktionieren auch noch so zuverlässig wie früher: Alles nur eine Frage der Pflege und Lagerung. Vergangenes Jahr im Frühsommer legte ich mir dann eine Sony A6000 zu, weil meine Nikon P510 einfach ausgereizt war. Den Brennweitenbereich von 12 bis 350mm kann ich mit den für die Sony-Kamera passenden Objektiven „erschlagen“. Irgendwann im Spätsommer wurde mir allerdings klar, dass 350mm für die Tierfotografie irgendwie ganz und gar nicht ausreichend ist – es sei denn, man geht sehr weit ran, was je nach Viech auch die eine oder andere Gefahr mit sich bringen kann (ich werde es jedenfalls niemals vergessen, wie ich einer Bache mit Frischlingen mal zu dicht auf den Pelz gerückt bin und seinerzeit war ich noch ein paar Jahrzehnte jünger).

Größere Brennweiten … – kann ich ohne Lottogewinn nicht bezahlen. Sowas fängt vierstellig erst an. Aber von meiner alten T90-Ausrüstung sind da noch zwei Objektive – ein 500mm Danubia und ein 200mm Tokina – sowie ein 2fach Telekonverter vorhanden, mit denen sich vielleicht was anfangen lassen müsste. Das sind 30 bis 40 Jahre alte Objektive für KB. Berücksichtigt man den Cropfaktor von 1,5 meiner Sony, dann könnte man das 500mm-Objektiv als 750mm-Objektiv verwenden, mit Telekonverter als 1500mm-Objektiv und das 200mm-Objektiv mit dem Telekonverter als 600mm-Objektiv. Rein rechnerisch jedenfalls. Das wäre schonmal nicht schlecht. Selbstverständlich schluckt der Telekonverter jede Menge an Licht, doch wo man in früheren Zeiten einen empfindlicheren Film einlegen musste, da verändert man heute einfach nur die ISO-Empfindlichkeit des Kamerasensors. Ergo besorgte ich mir letztes Jahr bereits einen Adapter von Canon FD Bajonett auf Sony E-Mount, um das Altglas anschließen zu können. Die ersten Versuche damit waren allerdings eher … – bescheiden!

Aber: Geht nicht gibt’s nicht! Jetzt habe ich das nochmal versucht, und zwar gleich unter realen Schmuddel-Bedingungen – d. h. bei bedecktem Himmel mit nur 1500lx und vom Sturm „Nadia“ ordentlich durchgeschüttelt. Wichtigste Erfahrung dabei: Ohne Stativ und Fernauslöser geht gar nichts. Um den Schwerpunkt einigermaßen in die Mitte legen zu können werden bei den alten „Ofenrohren“ auch Objektivkragen zwecks Befestigung benötigt (ohne den ausgewogenen Schwerpunkt besteht die Gefahr, dass die Kamera beschädigt wird, weil das Objektiv zu schwer für die Anschlüsse sein kann – es könnte abbrechen). Bei der Kamera muss, da sie die Uraltobjektive nicht erkennen kann, „Auslösen ohne Objektiv“ aktiviert sein (bei der Sony A6000: „Menü/ Kamera/ 3/ Ausl. ohne Objektiv/ Aktivieren“).

Dann kam die nächste Frage: Wo müssen Blende, ISO und Belichtungszeit eigentlich liegen? ISO und Belichtungszeit werden an der Kamera eingestellt. Die Blende ist am Objektiv einzustellen. Oder aber auch nicht – weil nämlich beim Canon FD Bajonett der Bajonetthebel die Blende schließt und mit aufgesetztem Adapter funktioniert das nicht mehr. D. h. da kann immer nur offenblendig (also mit der am weitesten geöffneten Blende des Objektivs) gearbeitet werden – Mist, Mist, Mist! Na gut, nicht zu ändern – vielleicht fällt mir dafür irgendwann nochmal ’ne Lösung ein, irgendwas mit reingestopftem Plastik oder Schaumstoff um den Hebel zu betätigen oder so … Einstweilen also weiter mit den vorliegenden Gegebenheiten. Bedeutet: Beim 600mm Tokina mit Blende 4 und beim 750mm- bzw. 1500mm-Danubia mit Blende 8, denn das sind bei denen von Haus aus die größtmöglichen Blendenöffnungen. Weniger wäre mir zwar lieber gewesen, ist aber nicht … BTW: Kleiner Tipp an dieser Stelle – für die Altglasverwendung sind Objektive mit 42mm-Gewindeanschluss wirklich besser geeignet, denn da ist die Blende, die man am Objektiv einstellt, auch die Arbeitsblende ohne irgendwelchen Hebelmist.

Also weiter im Text mit Belichtungsversuchen. Um Blende, ISO und Belichtungszeit aufeinander abzustimmen habe ich für alle drei Objektiv-Konverter-Kombination Belichtungsreihen von so ungefähr jeweils drei bis fünf Aufnahmen gemacht – und nicht schlecht gestaunt, wie unglaublich viel Licht der Konverter doch „frisst“. Die Ergebnisse sehen so aus:
– 600mm (mit Konverter, Tokina): 1/50 Sek. bei ISO 2000 (Blende 4)
– 750mm (ohne Konverter, Danubia): 1/100 Sek. bei ISO 400 (Blende 8)
– 1500mm (mit Konverter, Danubia): 1/100 Sek, bei ISO 1600 (Blende 8)
Damit lässt sich doch schonmal was anfangen! Damit habe ich dann auch die eigentlichen Testbilder gemacht: Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!


Passendes Objektiv Samyang 12mm, Blende 5, 1/200 Sek., ISO 100, Vollautomatik.

Passendes Obketiv Sony 50mm, Blende 5, 1/160 Sek., ISO 100, Vollautomatik.

Passendes Objektiv Sony 350mm, Blende 6,3, 1/500 Sek., ISO 1250, Vollautomatik.

Altglas Tokina mit 2*Telekonverter 600mm, Blende 4, 1/50 Sek., ISO 2000, komplett manuell.

Altglas Danubia 750mm, Blende 8, 1/100 Sek., ISO 400, komplett manuell.

Altglas Danubia mit 2*Telekonverter 1500mm, Blende 8, 1/100 Sek., ISO 1600, komplett manuell.

Und die Moral von der Geschicht‘? Pauschalisieren kann man nicht! D. h. wenn man Altglas an einer modernen Kamera verwendet, dann ist jedes Objektiv anders und man muss es durch eine Belichtungsreihe quasi erst „einmessen“. Ich hätte vorher Stein und Bein geschworen, dass das Tokina-Objektiv (mit oder ohne Telekonverter) absolute Top-Qualität bei den Aufnahmen liefert, denn an der T90 war das über 15 Jahre hinweg der Fall und es mein Standard- sowie Lieblingsobjektiv. Mit dem Danubia hingegen konnte ich an der Canon kaum was werden.

An die moderne Sony montiert verhält es sich aber genau andersrum! Das hätte ich niemals erwartet. Somit werde ich künftig für Tieraufnahmen verschärft auf das alte Danubia-Objektiv respektive die 750mm-Brennweite setzen. Muss ich mir bloß noch was überlegen um das Ofenrohr bequem transportieren zu können … Somit lautet das Fazit: Altglas an einer modernen Kamera verwenden zu wollen ist zwar prinzipiell möglich, aber wirklich von Objektiv zu Objektiv grundverschieden! Man muss es einfach ausprobieren und manchmal sind die Ergebnisse sogar überzeugend. Dann spart man mit dem Uralt-Teil gegenüber der Neubeschaffung eines passenden und vergleichbaren, modernen Objektivs sogar Unsummen! Der Versuch lohnt sich allemal!