Sechs Jahre lang hat mir mein altes Motorola Moto G4+ gute Dienste geleistet. Seit dem Ende des vergangenen Jahres mehrten sich dann allerdings die Fehlermeldungen von wegen „zu wenig interner Speicher“. Oder, anders ausgedrückt: Das Smartphone ist zwar technisch noch top funktionell, aber es genügt seitens der Hardware den heutigen Anforderungen nicht mehr. Nun ja – 10GB Internspeicher ist wirklich nicht die Welt. Davon werden 8GB durch das Android 7 und 1GB durch die Apps belegt. Bleibt 1GB an Internspeicher und dazu muss man wohl nichts mehr weiter sagen. Meine Erste Hilfe bestand darin, alle nicht wirklich benötigten Apps – also sowas wie DB Navigator (die Züge sind sowieso immer verspätet), Schallmessung u. ä. – runter zu schmeißen. Etwas Zeit konnte ich dadurch zwar gewinnen, aber als Dauerlösung kam ich um ein neues Handy nicht drumrum. Aber hier soll es um das Altgerät gehen.

Es widerstrebt mir aus tiefstem Herzen, etwas, was noch funktioniert, wegzuschmeißen – aber sowas von! Außerdem macht das alte Handy mit seiner 16MP-Kamera dank eingebauter Stabilisierung um Welten bessere Fotos als das neue Gerät mit 64MP ohne Stabilisierung. Als Knipskiste und zum Musikhören ist es jedenfalls nach wie vor bestens geeignet! Fehlt eigentlich nur noch die Telefonfunktion, aber dafür benötigt man eine SIM-Card. Braucht man die wirklich? Nein, eigentlich nicht – jedenfalls nicht unter Android – denn es gibt ja Satellite … Mit Satellite telefoniert man über WLAN und Internet – und zwar in der Grundversion kostenlos.

Funktioniert so: Zuerst lädt man sich die App runter. Die Installation erfolgt wie üblich automatisch. Beim Erststart wird eine Telefonnummer für dieses eine, einzige Handy angezeigt: Nummer abschreiben – WICHTIG! Das ist nämlich die Telefonnummer, unter der das Handy künftig erreichbar sein wird bzw. mit der man raustelefoniert, und zwar OHNE SIM-Card und in jedem WLAN mit 100 Freiminuten monatlich und in alle Netze bzw. aus allen Netzen (und zwar kostenlos). SMS ist allerdings NICHT möglich. Aber für ein kurzes Telefonat – bspw. beim Auslandsurlaub vom Hotelzimmer aus per Hotel-eigenem WLAN nach zuhause – reicht es allemal. Wer mehr will muss ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Derzeit funktioniert Satellite in 63 Ländern und die Gespräche laufen verschlüsselt über das I-Net.

Nach der Installation muss man die App personalisieren und aktivieren. Dazu ist ein Konto, bestehend aus E-Mail-Adresse und Password, anzulegen. Es folgen die persönlichen Angaben wie Name und Adresse. Wozu braucht Satellite die? Satellite braucht die gar nicht! Aber die Bundesnetzagentur besteht darauf, dass Rufnummern nur an Personen ausgegeben werden, deren Identität bekannt ist. Die Adressangabe basiert also auf rein rechtlichen Gründen. Das war’s im Grunde auch schon! Irgendwann läuft jetzt noch auf dem Computer (oder auf einem anderen Handy) eine E-Mail für einen Testanruf auf. Klickt man in besagter Mail auf den Anruf-Button, dann führt ein Bot zwecks rein technischer Überprüfung einen Testanruf auf der o. e. Satellite-Rufnummer durch: Das Handy klingelt, man nimmt ab und eine Stimme bestätigt die Funktionalität der Verbindung.

Fehlen letztlich nur noch die Aktivierungsdaten. Die kommen per Brief an die zuvor angegebene Adresse (hat bei mir fünf Tage gedauert, Wochenende inklusive). Es handelt sich um einen sechsstelligen Code, der zwecks Verifizierung einmalig in die App einzutippern ist. Im Anschluss steht das Smartphone für Telefonate zur Verfügung – im WLAN, per I-Net, kostenlos und länderübergreifend sowie mit eigener Rufnummer. Hab’s (zumindest im Inland) ausprobiert und es funktioniert hervorragend mit ausgesprochen guter Sprachqualität. Ich meine, so etwas ist doch eine sehr gute Alternative zur Entsorgung!