„Schon drängte sich auf Bahnhöfen siegesgewiss das Heer,
den Jubel auf den Lippen und mit Blumen am Gewehr …
… Millionen Tote auf den Schlachtfeldern, sinnloses Leid.
Wer heimkehrte, fand Elend, Not und Arbeitslosigkeit.“
(Reinhard Mey in „Die Eisenbahnballade„)

Ich habe lange nichts von mir hören lassen. Dafür gab es verschiedene Gründe, beruflich wie privat und auch gesundheitlich. Mittlerweile fängt alles an, wieder seinen halbwegs normalen Gang zu gehen – soweit man in diesen Zeiten von halbwegs normal sprechen kann. Ihr merkt sicherlich schon, worauf ich anspiele, nämlich auf den Krieg in Europa. Ich sage dabei ganz bewusst „in Europa“ und nicht „in der Ukraine“, weil es uns mittlerweile alle betrifft. Wer für seine Heizung Öl oder Gas benötigt weiß wovon ich rede. Wem beim Volltanken des Autos genau wie beim Zwiebelschneiden Tränen in die Augen kommen, der kann das sicherlich auch nachvollziehen. Womit wir beim Thema wären. Bevor ich da allerdings einsteige, muss ich unbedingt eins voraus schicken: Ich bringe in Grenzen zwar Verständnis für Putin auf, finde es aber absolut NICHT richtig, was er da gerade veranstaltet.

Doch der Reihe nach. Putin hat die Separatistengebiete Luhansk und Donezk als eigenständige Staaten anerkannt, womit sie aus russischer Sicht nicht mehr dem Staatsgebiet der Ukraine zuzuordnen waren. Daran soll sich – unseren Medien zufolge – der Krieg entzündet haben. Hm… – Putin betreibt Propaganda, ist klar. Unsere Medien aber nicht? Ganz im Gegenteil sogar! Der Donbas-Konflikt geht tiefer. Es gibt da diesen (sehr sehenswerten) Dokumentarfilm „Frontstadt Donezk“ von einem freien deutschen Journalisten, der im Donbas lebt. Dieser Film zeichnet doch ein ziemlich anderes Bild, als unsere Medien es verlauten lassen. Dem Film zufolge leben im besagten Gebiet Menschen wie du und ich. Sie wollen was zu Essen auf dem Tisch haben, ein Dach über dem Kopf haben und in Frieden ihre Kinder großziehen können. Sie entstammen sowohl dem ukrainischen wie auch dem russischen Volk und leben friedlich miteinander. Die Ukraine aber stört sich daran. Deswegen beschießt und bombardiert sie dieses Gebiet. Das hat zu den vielgescholtenen Separatistengebieten geführt. Das hat auch dazu geführt, dass die hochgerüstete Ukraine einen Großteil ihrer Waffen verbraten hat.

Nach der Anerkennung von Luhansk und Donezk als eigenständige Staaten durch Russland endeten Beschuss und Bombardierung durch die Ukraine nicht. Gerüchteweise meldeten einige Medien sogar, dass ukrainische Raketen aufgrund von Fehlschüssen auf russischem Gebiet eingeschlagen sein sollen. Keine Ahnung ob das wirklich stimmt. Jedenfalls hat Putin daraufhin mit dem Einmarsch und durch die Separatistengebiete hindurch begonnen – wobei auffällt, das es keine Berichte über Kampfhandlungen in diesen Gebieten gibt. Dort leben viele Russen. Putin versuchte sie zu schützen. Bis dahin hat er mein vollstes Verständnis. Doch dann ging es weiter mit dem Sturm auf die Ukraine und diesbezüglich kann ich nur mutmaßen, dass er vielleicht ein Exempel statuieren wollte, indem er Kiew per Blitzkrieg einnimmt. Hat nicht funktioniert; sein Blitzkrieg ist stecken geblieben. Eine entmilitarisierte Ukraine wäre meiner Ansicht nach sowohl für die Russen wie auch für den Westen von Vorteil gewesen, aber ich bin ja nur einer aus dem Fußvolk und habe keine Ahnung (vielleicht bin ich aufgrund von Russen unter meinen Vorfahren einfach auch nur voreingenommen). NATO-Anhänger sehen das sicherlich anders. Jedenfalls hatte Putin, als es mit dem Blitzkrieg nicht funktionierte, nur noch zwei Optionen, nämlich sich zurück zu ziehen oder aber das Gegenteil, also Augen zu und durch.

Putin wählte – vielleicht weil er befürchtete, dass die Ukraine sich der NATO anschließt – die zweite Option. Genau an der Stelle endet mein Verständnis, denn dadurch wird die Zivilgesellschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen: Menschen, die genau wie ihre Mitbürger in den Separatistengebieten was zu Essen auf dem Tisch haben wollen, ein Dach über dem Kopf haben wollen und die in Frieden ihre Kinder großziehen wollen. Sie sind die Leidtragenden. Darüber berichten die Medien nur unzureichend; die Flüchtlinge stehen stattdessen im Brennpunkt. Die Medien beider Seiten – also bei den Russen ebenso wie bei uns im Westen – berichten unterschiedlich über den Krieg. Unterschiedlich bedeutet in diesem Kontext einseitig. Einseitige Berichterstattung für eine bestimmte Seite ist reine Propaganda. Propagandameldungen sollte NIEMAND glauben! Durch die entsteht nämlich auf jeder Seite eine reine, zwischen gut und böse differenzierende, Doppelmoral: Böse ist immer die andere Seite!

Nehmen wir als jüngstes Beispiel mal die Facebook-Abschaltung in Russland. Unsere Medien nehmen sich das Recht heraus, das als Zensur zu bezeichnen. Ja, stimmt sogar. Aber war es nicht der Westen, der zuvor RT verboten hat? Ist das etwa keine Zensur und haben die Russen nicht darauf nur reagiert? Die Guten dürfen zensieren und die Bösen dürfen das nicht? Ist das noch mit der Pressefreiheit vereinbar? Propaganda lebt von und durch Doppelmoral! Deutschland will der Ukraine helfen: Ein lobenswertes Ziel. Aber durch Waffenlieferungen (vgl. oben)? Das sehe ich beim besten Willen nicht ein. Mal ganz davon abgesehen: Was denn überhaupt für Waffen, wenn die Bundeswehr schon nichts hat? Es ist nur logisch, dass Putin alle diejenigen, die ihm in die Quere kommen, für später vormerken wird. Aber wann ist eigentlich später?

Gewisse Medien bei uns sehen in der Zukunft vielleicht die Gefahr von Cyberattacken. Wann ist das eigentlich: „In der Zukunft“? Kann es nicht vielmehr sein, dass der Cyberwar bereits läuft, dass er bereits hier bei uns in vollem Gange ist? Sind die Steuerungen der 5.800 Windräder an der Nordsee etwa „rein zufällig“ ausgefallen? Oder kommen auch Cyberwar bzw. Störsender infrage? Sind Berichte über den Cyberwar – wie jüngst im FOCUS – reine Hirngespinste? Wenn man sich einmal die einschlägigen Seiten zu diesem Thema anschaut – exemplarisch seien hier nur Kaspersky und Imperva genannt – dann erkennt man unschwer, dass der Cyberwar bereits in vollem Gange ist. Der „Hauptaggressor“ ist Deutschland und das „Hauptopfer“ (beides lt. Imperva) ist Russland. Rund 92% der Angriffe sind DDoS-Angriffe – wen wundert’s da noch wenn die Rechner überall langsamer und langsamer werden und das I-Net gestört zu sein scheint?

Dieser Krieg läuft bereits; er wird bloß eben nicht mit Bomben und Panzern ausgetragen. Er läuft auch nicht zwischen der Ukraine und Russland, sondern vielmehr zwischen Russland und Deutschland. Die meisten Leute scheinen keine Vorstellung davon zu haben, was passieren könnte, wenn das Internet im Falle einer Cyberattacke ausfällt. Die Folgen sind ganz einfach: Es träfe unsere Infrastruktur empfindlich und damit jeden Einzelnen von uns. Warum? Über das Internet läuft alles – die Steuerungen der Stromverteilung, die Warenbestellungen der Discounter, die gesamte Logistik der Just-In-Time-Production usw. Gerade die Stromverteilung ist bei uns schon zu Friedenszeiten am Limit – was wird im Falle von gestörten Steuerungssignalen wohl geschehen? Ohne Strom kein Rundfunk und Fernsehen, kein Telefon oder Handy (man denke an Festnetz, Router und Funkzellen-Masten), kein Wasser (Pumpen benötigen Strom), keine Abwasseraufbereitung, keine Heizung mangels Steuerung, kein Nachfüllen der Regale in den Discountern, kein Benzin, keine gewohnte Gesundheitsversorgung und-und-und. Die amtlicherseits empfohlene Katastrophenvorsorge nützt da nur wenig.

Der jetzt schon laufende Cyberwar – in den wir unmittelbar involviert sind und der seitens unserer Medien de facto totgeschwiegen oder sogar geleugnet wird – ist nur ein Teil des Krieges, der jeden von uns bereits persönlich betrifft, obgleich die Front weit weg zu sein scheint: Das wird verschwiegen. Der andere Teil ist unsere global vernetzte Wirtschaft, in dem Handelsströme ineinander greifen wie die Zahnräder eines Getriebes. Was passiert mit einem Getriebe, wenn man ein paar Zahnräder entfernt? Durch den Sanktions-bedingten Ausschluss Russlands und das Wegfallen der Ukraine als Rohstofflieferant sind nicht nur die Jobs bei VW betroffen (was im Falle von VW bedeutet, dass man auf Neuwagen und Ersatzteile künftig mitunter verdammt lange wird warten müssen). Auch die exorbitant gestiegenen Preise für Öl, Gas und Treibstoff sind eine unmittelbare Folge davon. Da all das – und selbstverständlich auch Futtermittel – seitens der Landwirtschaft benötigt wird, sind drastisch steigende Preise und somit drastisch steigende Lebenshaltungskosten unausweichlich. Es wird Insolvenzen und hohe Arbeitslosigkeit geben; das ist absehbar. Das nennt man dann Stagflation und die Betroffenen dabei sind hier bei uns eben NICHT die oberen Zehntausend!

Auch darüber schweigen sich unsere Medien bei aller Kriegshysterie aus. Würde ausgewogene Berichterstattung nicht das Aufgreifen dieser Thematik voraus setzen? Stattdessen werden unisono reißerische Schlagzeilen über die „bösen Russen“ produziert. Schlagzeilen, die keiner verifizieren kann. So sollen die Russen angeblich Streumunition einsetzen, doch einen Beweis für diese Behauptung habe ich nirgendwo finden können. Auch verwenden die „bösen Russen“ angeblich TOS-Raketenwerfer – deren Wirkung durchaus der einer US-amerikanischen MOAB nahe kommt – doch sind auf den Bildern im Fernsehen derartige Einheiten niemals auch nur entfernt erkennbar. Wer betreibt denn da eigentlich Propaganda? Und sollte es nicht jedem zu denken geben, wenn einerseits Beträge von 40 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und andererseits von 100 Milliarden Euro für Aufrüstung genannt werden? Ist da nicht jegliche Relation längst schon verloren gegangen?

OK, der Beitrag ist schon zu lang geworden und deswegen komme ich jetzt ziemlich abrupt zum Schluss. Meiner Meinung nach hat der Krieg in Europa durchaus das Potential, zum Dritten Weltkrieg auszuarten. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt, denn in dem Falle leben wir mitten auf dem Schlachtfeld und sind sowas von am Ar… Es ist die Bevölkerung im Westen wie im Osten, die ihrer jeweiligen Führung auf die Finger klopfen kann, damit das Schlimmste vermieden wird. Das bedeutet aber auch, sich nicht von der beiderseitigen Propaganda einlullen zu lassen. Es gibt nicht „die bösen Russen“, „die unschuldigen Ukrainer“ und „den friedliebenden Westen“: Dreck am Stecken haben alle! Deswegen meine ganz große Bitte an alle Leserinnen und Leser: Glaubt nicht den Schlagzeilen! Sucht euch eure Informationen selbst zusammen und macht euch selbst ein Bild von der Situation! Lasst euch nicht manipulieren!