Flüsse, Bäche, Wasserfälle, Eis, Wellen, das Meer – Wasser ist immer ein lohnenswertes Motiv beim Fotografieren. Bewegtes Wasser nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Unter bewegtem Wasser sind fliegende Tropfen, in der Bewegung eingefroren und mystisch anmutende Wellenbewegungen von fließendem Wasser zu verstehen. Beide Motive bedürfen ganz bestimmten Techniken beim Fotografieren. Vorab sei noch angemerkt, dass alles, was jetzt kommt, ausschließlich Richtwert-Charakter hat. Man kann die Angaben aber gut als Ausgangspunkt für eigene Fotoarbeiten verwenden und das dann davon ausgehend noch verfeinern.

Fliegende Tropfen:

Fliegende Tropfen abzulichten ist relativ einfach. Man benötigt dazu ein Objektiv mit langer Brennweite (bzw. ein entsprechendes Zoom) und vor allem Licht, Licht, Licht und noch viel mehr Licht. Warum? Die lange Brennweite, so ab 300mm aufwärts, dient dazu, die Tropfen dicht heran zu holen. Allerdings ist die durch so ein Objektiv fallende Lichtmenge gegenüber dem 50mm-Normalsicht-Objektiv sehr stark eingeschänkt, u. U. schon in der Größenordnung von einer Zehnerpotenz. D. h. es fällt wenig Licht auf den Sensor. Dieses wenige Licht muss aber ausreichen, um binnen kürzester Zeit korrekt belichten zu können. Kürzeste Zeit bedeutet 1/1250 Sek. (nicht mehr, eher noch kürzer!) und eine Blende zwischen 5,6 und 11 wegen der Bildschärfe. Den ISO-Wert sollte man wenigstens auf 800 (oder höher) einstellen. Mit diesen Justierungen fotografiert man – und zwar frei Hand mittels Autokus. Der wird durch das sich permanent verändernde Motiv zwar schnell irritiert, aber ein manuelles Fokussieren scheidet schon allein deswegen aus weil es einfach zu lange dauert. D. h. zur Fotografie von fliegenden Tropfen wird obendrein auch noch eine gehörige Portion an Glück benötigt. Dem Glück kann man etwas auf die Sprünge helfen, wenn die Kamera über einen Sport- bzw. Highspeed-Modus verfügt, der es erlaubt, binnen einer Sekunde bei gleicher Auslösung drei Bilder hintereinander weg zu schießen. Etwa jedes zehnte Foto zeigt dann erfahrungsgemäß fliegende Tropfen, und zwar scharf. Bei der Bildnachbearbeitung wird der Bereich mit den fliegenden Tropfen ausgeschnitten (hierzu ist ein Sensor mit hoher Megapixel-Anzahl von Vorteil, weil der ein entsprechend großes Bild ergibt) und anschließend unterzieht man diesen Ausschnitt einem Hochpass-Schärfen.

„Fließendes“ Wasser:
Hinsichtlich des Lichtes ist das „fließende“ Wasser das exakte Gegenteil der fliegenden Tropfen, denn hier geht es nicht um kürzestmögliche Belichtung, sondern vielmehr um eine Langzeitbelichtung. Man benötigt dazu auf jeden Fall ein Stativ, ND-Filter mit kleinen Werten (normalerweise ND4 und ND8, nur im sehr sonnigen Ausnahmefall sowie für die „neblige“ Abbildung auch mal ND64) und einen Fernauslöser (bzw. alternativ den 10-Sekunden-Selbstauslöser). Das fließende Wasser bildet zwar das Hauptmotiv, doch das bedarf eines statischen Eye Catchers (z. B. ein Stein, Baumstamm o. ä. im Wasser), so dass das Bild vom Kontrast zwischen Ruhe (Eye Catcher) und Bewegung (Langzeitbelichtung des fließendes Wassers) quasi „lebt“. Das fließende Wasser selbst kann man wahlweise „fädig“, „milchig“ oder „neblig“ abbilden – es gibt dabei kein richtig oder falsch, sondern lediglich das, was man selbst bevorzugt.

„Fließendes“ Wasser – „fädige“ Abbildung:
Der ISO-Wert wird auf 100 fixiert. Vor die Kamera kommen ND4 oder ND8. Als Programm wird die Blendenvorwahl mit Zeitautomatik verwendet. Man stellt die Blende dann so ein, dass die Belichtungszeit bei etwa 1,3 Sekunden liegt (wobei Blende 22 aber aufgrund der Gefahr von Bildfehlern durch Vignettierung, Verzeichnung o. ä. nicht überschritten werden darf – ideal ist maximal Blende 18). Fotografiert wird mit Autofokus bei Fokussierung auf den Eye Catcher.

„Fließendes“ Wasser – „milchige“ Abbildung:
Der ISO-Wert wird auf 100 fixiert. Vor die Kamera kommen ND8 oder ND4+ND8. Als Programm wird die Blendenvorwahl mit Zeitautomatik verwendet. Man stellt die Blende dann so ein, dass die Belichtungszeit bei etwa 2,5-5 Sekunden liegt (wobei Blende 22 aber aufgrund der Gefahr von Bildfehlern durch Vignettierung, Verzeichnung o. ä. nicht überschritten werden darf – ideal ist maximal Blende 18). Fotografiert wird mit Autofokus bei Fokussierung auf den Eye Catcher.

„Fließendes“ Wasser – „neblige“ Abbildung:
Der ISO-Wert wird auf 100 fixiert. Vor die Kamera kommen ND64 oder ND8+ND64. Als Programm wird die Blendenvorwahl mit Zeitautomatik verwendet. Man stellt die Blende dann so ein, dass die Belichtungszeit bei etwa 8-30 Sekunden liegt (wobei Blende 22 aber aufgrund der Gefahr von Bildfehlern durch Vignettierung, Verzeichnung o. ä. nicht überschritten werden darf – ideal ist maximal Blende 18). Fotografiert wird mit Autofokus bei Fokussierung auf den Eye Catcher.