Seit meinen ersten Altglas-Versuchen – nämlich dem uralten Walimex-Danubia-Teleobjektiv an einer Systemkamera wie der Sony alpha6000 – bin ich ja zum richtigen Altglasfan geworden. Weil das eine ausgesprochen preisgünstige Möglichkeit ist, um große Brennweiten für lau an modernen Kameras realisieren zu können, und zwar bei echt guter Abbildungsqualität. Es könnte auch alles so schön sein gäbe es da nicht meinen Angstgegner. Der Angstgegner ist der Objektivadapter. Einige meiner alten Objektive haben ein M42-Gewinde und bedürfen daher eines passenden Adapters. Schraubt man das aber zusammen, dann liegen die Objektiveinstellmarken – also die Beschriftung des Objektivs, die für die manuelle Einstellung unerlässlich ist – unten. Das nervt unendlich!

Bevor es weiter geht vielleicht an dieser Stelle noch ein klitzekleiner Einschub. Objektive mit M42-Gewinde waren früher in der DDR sehr weit verbreitet (Zeiss, Practica usw.). Sie weisen einen Außendurchmesser des Schraubgewindes von 42mm bei einer Steigung von 1mm Höhe pro Umdrehung auf. Man bezeichnet sie auch als T- bzw. T1-Anschlüsse oder als M42*1,0. Beim ursprünglichen T-Anschluss befinden sich Außenanschluss und T-Innengewinde in einem Teil und sind somit gegeneinander nicht verdrehbar. Von Tamron wurde ein weiterer 42mm-Anschluss entwickelt, der zwar auch einen Außendurchmesser des Schraubgewindes von 42mm hat, aber bei einer Steigung von nur 0,75 mm Höhe pro Umdrehung. Dieser Anschluss wird als T2-Anschluss bzw. als M42*0,75 bezeichnet und stellt eine auch heute noch zu findende Weiterentwicklung dar. Bei dem Adapter für den T2-Anschluss befindet sich das Innengewinde in einem gegenüber dem Außenring verdrehbaren Innenring und der ist mit Klemmschrauben fixiert. Dadurch wird es möglich, die Obektiveinstellmarken so anzupassen, dass die Beschriftung zum Benutzer zeigt. BTW: Wenn man versucht T1 in T2 oder T2 in T1 zu schrauben, dann funktioniert das nur etwa eine Umdrehung lang, bevor sich die unterschiedlichen Gewinde festfressen.

Ich habe hier einen T2-Anschluss und auch einen T2-Adapter. Warum ist der mein Angstgegner? Weil 1mm-Klemmschrauben und Wurstfinger in Verbindung mit feinmotorischen Schwächen (bin zwangsumgeschulter Linkshänder) irgendwie inkompatibel sind. Dennoch habe ich den Versuch der Adapterjustierung gewagt und die Aktion – die keine fünf Minuten gedauert hat – war sogar von Erfolg gekrönt! Da das Problem mit der am Objektiv unten liegenden Beschriftung offensichtlich nicht nur mich allein betrifft kommt hier eine kleine Anleitung zur Adapterjustierung. Also: Wie geht das?


Die Kamera mit montiertem Objektiv nebst Telekonverter: Die Objektivbeschriftung befindet sic auf der Unterseite und ist unzugänglich.

So sieht die Unterseite bei nicht justiertem Adapter aus.

Betrachtet man den eigentlichen T2-Adapter einmal genauer, dann findet man den Innenring und i. d. R. drei Klemmschrauben, welche den Innenring halten.


Hier ist der Innenring des Adapters gut zu erkennen.

Die drei Klemmschrauben sind gleichmäßig um den Ring verteilt angebracht.

Schritt 1: Passendes (Uhrmacher-) Werkzeug besorgen! Das sind 1mm-Schlitzschrauben und ohne passendes Werkzeug macht man die nur kaputt!
Schritt 2: Eine Markierung suchen oder anbringen, die es gestattet, eine Drehung um 180° auch gut zu sehen.
Schritt 3: Die Klemmschrauben eine nach der anderen lösen – sollten die sich nicht bewegen dann die Aktion abbrechen: Es geht nicht! Normalerweise aber wird es nach der zweiten gelösten Schraube schon locker genug um die Drehung vornehmen zu können. SCHRAUBEN NICHT RAUSDREHEN, NIEMALS!!! Die sind nämlich derart winzig, dass sie schon von Natur aus unwiederbringlich verschwinden und wenn das der Fall sein sollte, dann kann man den Adapter nur noch wegschmeißen.
Schritt 4: Anhand der Markierung den Innenring vorsichtig so weit drehen, dass die Objektivbeschriftung oben liegt (meist 180°).
Schritt 5: Klemmschrauben wieder festknallen (aber nicht überdrehen)!
Schritt 6: Objektivkragen (Objektivschelle) lösen, auch um 180° drehen, befestigen.

Im Anschluss liegt die Objektivbeschriftung oben wie es sich gehört und das Objektiv kann nun (endlich) vernünftig eingestellt werden – das muss es ja auch, denn bei dieser Art des Altglasrecyclings werden keine elektronischen Steuerimpulse übertragen. Die Kamera muss folglich auf „Auslösen ohne Objektiv“ justiert werden; man stellt ISO manuell an der Kamera und die Blende manuell am Objektiv ein, fokussiert manuell am Objektiv (es lebe das Focus Peaking, denn das garantiert scharfe Bilder) und kann an Automatiken bestenfalls die Zeitautomatik der Kamera verwenden. Bei den großen Brennweiten – d. h. wenn das Ganze hinsichtlich der Größe zum Ofenrohr gerät – kommen noch Stativ und Fernauslöser hinzu.


So sieht es mit justiertem Adapter aus.

Hier noch einmal der Vorher-Nachher-Vergleich.