Das Grab meines im vergangenen Jahr verstorbenen Schwiegervaters ist jetzt ja endlich mit einem Stein versehen worden – ein teurer Spaß! Damit aber noch nicht genug, denn heute lag im Briefkasten eine Rechnung nach der Friedhofsgebührenordnung bzg. der Genehmigung zum Aufstellen des Grabsteins. Darüber hat meine Frau sich ziemlich aufgeregt und es oblag mir, die Wogen etwas zu glätten. Ich sagte: „Hör‘ mal, wir leben in Deutschland. Da muss alles verwaltungstechnisch seine Ordnung haben und dafür existieren Verwaltungsvorschriften. Ich will mal versuchen, dir das an einem Beispiel zu verdeutlichen …“ Hier ist das besagte Beispiel.
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Wenn man ein Bild aufhängen will …

Wenn man ein Bild aufhängen will dann benötigt man Hammer und Nagel. Mit dem Hammer schlägt man den Nagel in die Wand und am Nagel wird das Bild befestigt. Soweit die graue Theorie. Selbstverständlich muss eine derartige Arbeit fachmännisch-kompetent ausgeführt werden, denn sollte das Bild hinterher schief hängen, dann kann das die ganze Wohnung in Mitleidenschaft ziehen. Deswegen existieren in Deutschland für alles, was man zu tun gedenkt, auch Verwaltungsvorschriften in Form von UVVs, Betriebsanweisungen, Normen usw. Sicher, es gibt natürlich auch die illegalen Schwarznagler, die sich über geltendes Recht und Gesetz einfach so hinweg setzen. Aber um die soll es hier nicht gehen. Bleiben wir also bei der legalen Vorgehensweise zum Aufhängen eines Bildes.

Zunächst einmal benötigt man einen Baustatiker. Der errechnet aus den Bildmaßen die Tragfähigkeit des Nagels, seine Größe und Zusammensetzung und bezieht in seine Überlegungen natürlich auch die Belastbarkeit der Wand mit ein. Wohl dem, der dann noch alte Bauzeichnungen vorliegen hat. Andernfalls ist nämlich das zuständige Bauamt einzuschalten. Sobald alle Berechnungen und Zeichnungen vorliegen muss der „Antrag zum Aufhängen eines Bildes“ bei der zuständigen Stelle eingereicht werden. Wird besagter Antrag positiv beschieden, dann macht man sich auf die Suche nach dem geeigneten Nagel, denn es gilt bei dem Durchmesser, Länge und Materialzusammensetzung zu berücksichtigen. Achtung: Das kann eine lange Suche werden! Anschließend rekrutiert man eine zertifizierte Fachfirma. Die schickt einen Fachmann, der den Nagel gekonnt in die Wand schlägt: Es geht doch nichts über Ausbildung und Erfahrung – gekonnt kommt von „Können“!

Damit aber natürlich noch nicht genug, denn es handelt sich ja um eine Baumaßnahme. Die muss behördlicherseits abgenommen werden. Die Fachfirma informiert folglich die zuständige Behörde über den Abschluss der Arbeiten und besagte Stelle schickt irgendwann einmal – mit etwas Glück noch zu Lebzeiten – einen Gutachter, welcher den korrekten Sitz des Nagels überprüft. Das Ergebnis der Überprüfung wird dem Bauherren schriftlich mitgeteilt. Hat man das Gutachten endlich vorliegen, dann kann auf dieser Grundlage die Erlaubnis zum Aufhängen des Bildes beantragt werden. Zugegeben, bis dahin ist das Papier des Bildes längst zerfallen. Aber es geht hier ja um das Prinzip der legalen Vorgehensweise!

All das ist selbstredend keineswegs kostenlos, denn für jede Eingabe, jeden Antrag, jedes Gutachten und jede schriftliche Antwort fallen Verwaltungsgebühren an, nicht zu vergessen das Material und den Arbeitslohn für die Fachfirma. Das ist auch nur logisch und leicht verständlich, denn in die ganze Aktion waren ja schließlich eine Unmenge von Menschen involviert und die müssen ja auch von irgendwas leben, nicht wahr? Übrigens: Die Sache mit den betreffenden Anträgen gestaltet sich mitunter manchmal auch geringfügig komplizierter … – und außerdem sind Gerüchte dahingehend im Umlauf, dass so mancher Bauherr es zwar geschafft haben soll, sein Häuschen hoch zu ziehen, mit dem Aufhängen eines Bildes jedoch in die Privatinsolvenz geschlittert ist! 😉