Wenn man sich eine DVD kauft braucht man zum Abspielen einen DVD-Player. Das ist allseits bekannt. Wenn man den Film auf der DVD aber auf einem anderen Gerät wie bspw. dem Smartphone, Tablet oder dem PC wiedergeben bzw. im Heimnetzwerk streamen will, dann muss er in ein IT-kompatibles Video umgewandelt werden. Kann und darf man machen, denn es gibt ja das Recht auf Privatkopie. Der Privatkopie steht allerdings der leidige Kopierschutz auf der DVD im Wege. Den darf man nicht aktiv umgehen und der verhindert, dass man den Film einfach so rippen und auf IT bringen kann. Was man aber tun kann und darf: Den Film für den Privatgebrauch vom Bildschirm abfilmen!

Dafür gibt es Screen Recorder. Aber gute (im Sinne von wirklich funktionelle) Screen Recorder sind teuer. Im Bereich der Freeware sind mir da keine geeigneten Programme bekannt (und ich kenne sehr, sehr viele). Allerdings hört man auch immer wieder, dass man mit VLC einen DVD-Film abfilmen kann. Versucht man das, dann kommt der große Frust: So nach 20 bis 60 Minuten hängt VLC, weil dessen Muxer Murks muxt. D. h. man hat vielleicht das Bild, aber keinen Ton. Oder ein Standbild mit Ton. Oder ein Standbild ohne Ton. So in der Richtung jedenfalls und immer am Aufnahmende, niemals aber zwischendrin. Dieser Bug zieht sich in den gut 25 Jahren, die es VLC jetzt gibt, quer durch alle Versionen. Vermutlich hätte man ihn längst beheben können wenn man wollte. Aber aus gewissen Gründen will man vielleicht … – lassen wir das; ist ein anderes Thema. VLC geht für einen Spielfilm also nicht. Wirklich nicht?

Geht doch! Wenn man nämlich den Film splittet, die Einzelteile bearbeitet und hinterher wieder zum Gesamtfilm zusammen setzt. Den zugehörigen Arbeitsablauf habe ich erfolgreich unter Windows 7 und Windows 10 mehrfach ausprobiert und will ihn nachfolgend mal stichwortartig beschreiben. Ich gehe dabei von einem 90-Minuten-Film aus, der in drei halbstündige Teile aufgesplittet wird.

Schritt 1: VLC starten und „Ansicht/ Erweiterte Steuerung“ aufrufen.
Schritt 2: Bei den Bedienungselementen unter dem Filmfenster erscheint dadurch ein roter Aufnahmebutton.
Schritt 3: Unter „Extras/ Einstellungen/ Input & Codecs/ Dateien“ den Zielpfad für die Ausgabe der Aufnahme angeben.
Schritt 4: Sicherstellen, dass unter „Extras/ Einstellungen/ Audio“ die Checkbox „Audio aktivieren“ aktiv ist (gesetztes Häkchen).
Schritt 5: DVD einlegen.
Schritt 6: „Medien/ Medium öffnen/ DVD/ Wiedergabe“ aufrufen und das DVD-Menü erscheint.
Schritt 7: Unmittelbar nacheinander im DVD-Menü „Film starten“ und bei VLC den roten Aufnahmebutton betätigen.
Schritt 8: Die Aufnahme läuft und nach 30 Minuten wieder auf den roten Aufnahmebutton klicken um die Aufnahme zu beenden; parallel dazu den Pause-Button betätigen.
Schritt 9: VLC hat den Teilfilm jetzt normalerweise als *.mpg im Zielverzeichnis und in Originalgröße (also z. B. 700*576px o. ä.) abgespeichert.
Schritt 10: Den Teilfim in Teil1.mpg umbenennen, damit später die Reihenfolge eindeutig zu erkennen ist.
Schritt 11: Kontrolle des Teilfilms mit einem zweiten Player (vgl. dazu Anmerkung unten).
Schritt 12: Bei VLC den Fortschrittsmarker exakt positionieren, so dass die nächste Aufnahme an der gleichen Stelle fortgesetzt werden kann.
Schritt 13: Unmittelbar nacheinander den Play-Button und bei VLC den roten Aufnahmebutton betätigen.
Schritt 14: Die Aufnahme läuft und bei der Zeitmarke 60 Minuten wieder auf den roten Aufnahmebutton klicken um die Aufnahme zu beenden; parallel dazu den Pause-Button betätigen.
Schritt 15: VLC hat den Teilfilm jetzt normalerweise als *.mpg im Zielverzeichnis und in Originalgröße (also z. B. 700*576px o. ä.) abgespeichert.
Schritt 16: Den Teilfim in Teil2.mpg umbenennen, damit später die Reihenfolge eindeutig zu erkennen ist.
Schritt 17: Kontrolle des Teilfilms mit einem zweiten Player (vgl. dazu Anmerkung unten).
Schritt 18: Bei VLC den Fortschrittsmarker exakt positionieren, so dass die nächste Aufnahme an der gleichen Stelle fortgesetzt werden kann.
Schritt 19: Unmittelbar nacheinander den Play-Button und bei VLC den roten Aufnahmebutton betätigen.
Schritt 20: Die Aufnahme läuft und am Filmende wieder auf den roten Aufnahmebutton klicken um die Aufnahme zu beenden.
Schritt 21: VLC hat den Teilfilm jetzt normalerweise als *.mpg im Zielverzeichnis und in Originalgröße (also z. B. 700*576px o. ä.) abgespeichert.
Schritt 22: Den Teilfim in Teil3.mpg umbenennen, damit später die Reihenfolge eindeutig zu erkennen ist.
Schritt 23: Kontrolle des Teilfilms mit einem zweiten Player (vgl. dazu Anmerkung unten).

Anmerkung zur Teilfilmkontrolle: Die Kontrolle dient dazu, festzustellen, ob die Aufnahme in Ordnung ist. Es kann nämlich durchaus passieren, dass VLC mal schon nach nur 20 Minuten und mal erst nach 60 Minuten murkst. Sollte ein Filmteil vermurkst worden sein, dann hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man wiederholt die Aufnahme dieses Teils komplett oder aber – wenn das Gros des Teilfilms OK ist – man sucht sich für den darauf folgenden Teilfilm genau die Stelle als Aufnahmeanfang aus, ab der es beim vorausgegangenen Teil nicht mehr hingehauen hat (geht i. d. R. schneller). Die Kontrolle vermittels eines zweiten Players (unter Windows reicht dazu schon der zumeist bereits mitgelieferte Windows Media Player völlig aus) hat den Vorteil, dass man im Hintergrund VLC pausiert stehen lassen kann, was den Start der Aufnahme des nächsten Teilfilms wesentlich vereinfacht.

An diesem Punkt liegt der Film gesplittet in drei Teile und die allesamt zusätzlich noch in einem ungeeigneten Format vor: VLC ist damit abgehakt. Weiter geht es mit der Win-Freeware XMedia Recode, welche auch portabel lauffähig ist. Sie dient zur Konvertierung in XviD-MP3-AVI und zur Pegel-Korrektur von Audiospur sowie Seitenverhältnis. Dazu wird XMedia Recode gestartet und mit „Datei/ Datei öffnen“ der Teilfim „Teil1.mpg“ eingelesen. Unter dem Reiter „Format“ stellt man ein:
– Profil: Benutzerdefiniert
– Format: AVI
– Dateiendung: avi
– Ausgabe-Streamart: Video und Audio
– Video Codec: XviD
– Audio Codec: MP3
– Zielordner: Ort für die Ausgabe angeben.
Unter dem Reiter „Audio“ stellt man ein:
– Laustärke Korrektur: Lautstärke normalisieren
– Normalisieren (dB): 89
Unter dem Reiter „Filter/Vorschau“ schiebt man den Play-Regler irgendwo soweit in den Film rein bis ein Kopf zu sehen ist (weil Köpfe sich am besten zur Bestimmung der richtigen Proportionen eignen). Danach klickt man auf „Seitenverhältnis“ und stellt das Verhältnis ein, bei dem besagter Kopf vollkommen natürlich wirkt. Nun kann man im Bedarfsfall zusätzlich auch noch bei „Breite“ und „Höhe“ abweichende Bildmaße angeben; das Häkchen vor „Behalte Größenverhältnis“ bewirkt, dass die korrekten Proportionen erhalten bleiben. Es wird auf „Job hinzufügen“ und auf „Kodieren“ geklickt und die Konvertierung in das Zielformat läuft. Den gesamten Vorgang wiederholt man für Teil2.mpg und auch für Teil3.mpg. Damit ist XMedia Recode abgehakt und das gewählte Format wirklich beinahe überall lauffähig.

Man hat jetzt den Film im endültigen Format als *.avi in Form von Teil1.avi, Teil2.avi und Teil3.avi vorliegen. Woran es noch fehlt sind etwaige Schnittarbeiten (falls VLC bei der Aufnahme gemurkst hat) sowie das Zusammenfügen der drei Teilfilme zum Gesamtfilm. Das lässt sich alles mit der portablen Windows-Freeware Avidemux erledigen. Machen wir den Anfang mit den Schnittarbeiten. WICHTIG: Wenn VLC NICHT gemurkst haben sollte, dann sind auch KEINE Schnittarbeiten nötig!

Nehmen wir an, Teil1.avi ist 30 Minuten lang und völlig in Ordnung. Dafür sind von Teil2.avi nur die ersten 20 Minuten verwendbar, denn danach fehlt es am Ton. Die Kontrolle beim Abfilmen hat den Fehler frühzeitig gezeigt und deswegen wurde Teil3.avi früher begonnen, ist aber 40 Minuten lang und sauber. D. h. von Teil2.avi sind die letzten 10 Minuten wegzuschneiden. Teil1.avi und Teil3.avi bleiben wie sie sind. Dafür wird Avidemux gestartet. Mit „Datei/ Öffnen“ ist Teil2.avi einzulesen. Nun sind folgende Einstellungen wichtig:
– Video-Codec: Copy
– Audio-Codec: Copy
– Ausgabeformat: AVI-Muxer
Mit dem Schieberegler unter dem Bild navigiert man bis zu der Stelle, an welcher der unbrauchbare Ausschnitt anfängt. Es folgt „Bearbeiten/ Setze Markierung A“. Nun den Regler bis zum Ende schieben, gefolgt von „Bearbeiten/ Setze Markierung B“. Mit „Bearbeiten/ Ausschneiden“ wird der unbrauchbare Teil entfernt. Das ist allerdings erst der Rohschnitt, denn das Filmende kann man gar nicht genau genug treffen! Der Rohschnitt wird mit „Datei/ Speichern“ unter anderem Namen (hier also bspw. Teil2Rohschnitt.avi) abgespeichert. Avidemux beenden und erneut starten, dann den Rohschnitt einlesen. Hinweis: Ohne das Beenden von Avidemux zwischendurch funktioniert es nicht vernünftig (keine Ahnung warum)! Den Schnittvorgang wiederholen, um das Filmende so genau wie irgend möglich zu treffen. Das ist der Feinschnitt. Der wird wieder mit anderem Dateinamen gespeichert. Nehmen wir der Einfachheit halber jetzt mal Teil2fein.avi als Namen dafür an. Bitte beachten: Schnittungenauigkeiten sind zwar unvermeidlich, aber vernachlässigbar, weil man sie beim späteren Betrachten des Films kaum noch wahrnimmt.

Was haben wir jetzt? Wir haben die drei passgenauen Filmteile Teil1.avi, Teil2fein.avi und Teil3.avi. Avidemux starten und Teil1.avi einlesen. Die obigen Einstellungen für Video- und Audio-Codec sowie Ausgabeformat vornehmen und „Datei/ Anfügen“ wählen. Nun Teil2fein.avi hinzu laden und mit „Datei/ Speichern“ unter anderem Dateinamen – z. B. Teil1_2.avi – ablegen. Avidemux beenden und erneut starten. Jetzt Teil1_2.avi einlesen, die obigen Einstellungen für Video- und Audio-Codec sowie Ausgabeformat vornehmen und „Datei/ Anfügen“ wählen. Es wird Teil3.avi hinzu geladen und unter dem endgültigen Namen – bspw. Catweazle.avi – gespeichert. Film sichern, Dateileichen beseitigen und fertig!

Ich habe dieses Verfahren – wie schon gesagt – unter Win7 und unter Win10 erfolgreich ausprobiert. Es müsste mit Hinblick auf die verwendete Software aber eigentlich auch unter WinXP und unter Win11 laufen. Ein etwaiger Kopierschutz der DVD, ganz gleich wie ausgefuchst der auch sein mag, spielt dabei keinerlei Rolle, denn es wird ja der laufende Film für den Privatgebrauch abgefilmt. Damit das alles aber frei von Aussetzern und Ruckelbildern über die Bühne geht sollte der verwendete PC schon eine gewisse Leistungsfähigkeit aufweisen. Anders ausgedrückt: Unter 8GB RAM geht gar nichts und andere Sachen dürfen auch nicht simultan laufen! Zusätzlich muss man viel Zeit mitbringen, da das alles ja in Echtzeit geschieht: Rund zwei Stunden für das Abfilmen und die Kontrolle der Teilfilme sowie knapp zwei Stunden für das Konvertieren. Die Schnittarbeiten und das Verketten hingegen sind relativ schnell erledigt; länger als maximal eine Stunde dauert das nicht. Wichtig dabei ist aber: Man muss dabei bleiben und kann den PC während dieses Zeitraums für nichts anderes nutzen. Das Abfilmen ist somit eher eine Beschäftigung für verregnete Wochenenden oder so …