Früher, bei der Analogfotografie, da überlegte man sich dreimal, ob man den Auslöser betätigte – weil jeder Abzug richtig Geld gekostet hat. Heute, bei der Digitalfotografie, da mache ich hundert Bilder, schmeiße neunzig davon weg und versuche aus dem verbleibenden Rest noch was Vernünftiges rauszuholen. Na ja – so nach den ersten zehntausend Bildern wird’s ja meist auch besser … Jedenfalls: Im Laufe der Zeit läppert sich das mächtig zusammen. In meinem Fall spreche ich da von ungefähr 200.000 der erwähnten, übrig gebliebenen Fotos. Wenn man dann eine bestimmte Aufnahme wiederfinden will wird’s echt schwierig. Deswegen setzt man Software zur Bildverwaltung ein. Die Software Picasa mag dem einen oder anderen diesbezüglich vielleicht noch geläufig sein. Aber wie das so ist wenn man sich an einen Großkonzern hängt: Der bestimmt, wie lange bzw. ob man die Software benutzen kann. Im Falle von Picasa ist die Entwicklung schon lange eingestellt worden, weil firmenpolitische Gründe für Google Fotos sprachen.

Es ist also nicht wirklich eine gute Idee, bei der Verwaltung von Bildern auf einen Online-Dienst zu setzen, denn was man hat, das hat man. Nämlich gerade auch offline. Damit sind wir bei zwei Verwaltungsprogrammen – beide portabel und kostenlos für Windows 10 – angekommen, nämlich bei FotoARRAY und bei XnView. Ich habe beide Programme ausprobiert. Welches ist besser im Sinne von geeigneter? Darauf kann man keine pauschale Antwort geben, denn das hängt von den jeweiligen Vorlieben des Benutzers ab. Überhaupt: Was soll ein Bildverwaltungsprogramm eigentlich können? Der Inhalt vorhandener Bildordner muss als Thumbnail angezeigt werden. Ein Einzelbild daraus muss sich auch groß betrachten lassen. Man muss die Bilder in Ordner oder/und thematisch in Alben sortieren und Kontaktabzüge anfertigen können. Stichworte sollen dem schnellen Auffinden dienen. Das Originalbild darf dabei allerdings zwecks Vermeidung von Qualitätsverlusten nicht verändert werden. Ferner sollten wenigstens rudimentäre Möglichkeiten der Bildbearbeitung vorhanden sein.


Das Bildverwaltungsprogramm FotoARRAY.

Betrachten wir zuerst FotoARRAY. Bei dem Programm handelt es sich um eine Datenbank-Lösung. Der Vorteil dieser Lösung ist darin zu sehen, dass sie schonmal alle genannten Anforderungen erfüllt. Im Detail: Die ZIP-Version wird nur entpackt und beansprucht danach 83MB an Plattenspeicher (Startfile ist „FotoARRAY.exe“). Die Datenbank liegt im Unterordner _preview. Zuerst ist sie leer. Alles sieht gut aus. Man startet das Programm. Es wird nach einer Datenbank gefragt. Man entscheidet sich für das Anlegen einer neuen Datenbank, die eigene Fotosammlung betreffend. Als Ablageort muss der Programmordner, in dem sich „FotoARRAY.exe“ befindet, angegeben werden – _preview findet die Software dann automatisch und greift (ggf. unter Produktion der einen oder anderen Fehlermeldung) auf die noch leere, mitgelieferte Datenbank zu und füllt die. Jedenfalls gelingt es recht schnell, die Bilder einzulesen.

ABER: Das kostet Zeit und Speicherplatz und beides nicht zu knapp! Bei schlappen gut 8.000 Bildern ist die Datenbank schon auf rund 2GB Größe angewachsen und pro Stunde können etwa 16.000 Bilder eingelesen werden. Das Einlesen meiner eigenen Bildersammlung würde somit rund 13 Stunden beanspruchen und am Ende hätte ich eine Datenbank von grob geschätzt etwa 50GB Größe. Derart große Dateien benötigen ein geeignetes Dateisystem (z. B. NTFS auf Festplatten oder exFAT auf USB-Sticks). Oder aber man splittet den Datenbestand über mehrere Datenbanken auf. Dann muss man allerdings ein und die gleiche Suche auch in jeder einzelnen Datenbank durchführen, was deutlich mehr Arbeitsaufwand und Zeit erfordert. Andererseits aber wird man mit FotoARRAY auch recht schnell fündig. Kontaktabzüge zählen ebenso zu den Fähigkeiten der Software wie auch die Möglichkeit, einem Bild Tags – Stichwörter – zwecks besserer Auffindbarkeit zuzuweisen. Auch die Tags werden in der Datenbank und nicht im Bild selbst gespeichert. Um Bilder zu suchen liegt der Schwerpunkt auf dem manuellen, optischen Vergleich. Filterfunktionen gestatten das Eingrenzen der infrage kommenden Aufnahmezeiträume ebenso wie die Suche nach zuvor in die Bilder implementierten Keywords.

Der immense Speicherbedarf stört mich bei diesem Programm ganz gewaltig. Es gibt aber noch drei weitere Sachen, die ich extrem nervig finde: Nicht alle Fotos werden auch als Thumbnail dargestellt. Keine Ahnung warum das so ist. Die jedenfalls lassen sich in eine Suche nicht mit einbeziehen. Dann kommt da immer wieder dieser voll ätzende Nag-Screen mit dem Hinweis auf die kostenpflichtige, kommerzielle Version, die geringfügig mehr an Bildbearbeitungsfunktionen enthalten soll. Warum? Ich brauche ein Verwaltungsprogramm und keine „eierlegende Wollmilchsau“ für alles. Und schließlich ist da noch die Zählweise der Software: Ordner „Bilder1“, „Bilder10“, „Bilder2“, „Bilder20“, „Bilder3“ usw. – ohne führende Nullen bei der Nummerierung geht gar nichts!

Alles in allem: FotoARRAY ist nicht schlecht und die Datenbank-Lösung ist für gigantische Datenbestände – also nicht für meine mickrige Anzahl von 200.000 Bildern – wohl die bessere Lösung. Aber um FotoARRAY dauerhaft sinnvoll einsetzen zu können, wird man irgendwann um einen Rechner mit NTFS- oder exFAT-Dateisystem, der einzig für die Bildverwaltung da ist, kaum drum herum kommen. Der Profifotograf, der das wirklich braucht und dessen Bildbestand bei siebenstellig anfängt, ist damit zweifellos gut bedient. Für alle anderen aber ist diese „runterskalierte Picasa-Version unter anderem Namen“ irgendwann sicherlich ein Fass ohne Boden. Runterskalieren ist nicht immer sinnvoll.


Das Bildverwaltungsprogramm XnView.

Schauen wir jetzt mal auf XnView. Das ist in erster Linie ein Viewer mit integrierter SQL-Datenbank. Nach dem Entpacken benötigt die Software 23MB an Plattenspeicher und dabei bleibt es im Großen und Ganzen auch. Im Gegensatz zu FotoARRAY wird ein Ordner erst dann eingelesen, wenn er wirklich gebraucht wird. Eine Giganto-Datenbank mit Thumbnails entfällt daher, allerdings dauert der Bildaufbau dafür etwas länger. Auch XnView arbeitet bei der Bildersuche mit Stichworten, welche man zuvor in die Fotos eingegeben haben muss. Allerdings verwendet XnView dazu die IPTC-Informationen des Fotos u. d. h. um dieses Features sinnvoll nutzen zu können, muss man die Bilddatei selbst (genauer: deren Metadaten) verändern. Der zugehörige, rudimentäre IPTC-Editor ist in XnView integriert. Das Problem, dass bei in einer Nebendatei zum Bild gespeicherte Daten die Verbindung dieser Daten zum Foto schnell verloren gehen kann, tritt daher nicht auf.

Die Bildbearbeitungsfunktionen fallen noch spartanischer aus als bei FotoARRAY. Aber die braucht man eigentlich auch gar nicht, denn wenn man im XnView-Ordner Unterordner mit (portabler) Bildbearbeitungssoftware anlegt (z. B. JPG Illuminator, PhotoScape, GIMP, SAR ImageProcessor und IrfanView), dann kann man mit „Werkzeuge/ Öffnen mit/ Programm hinzufügen“ das jeweils gerade aktive Bild an echte Bildbearbeitungssoftware übergeben. Übrigens: Passt man die im Unterordner vorhandene Datei xnview.ini dahingehend an, als dass man die Laufwerksbezeichnungen entfernt (so dass nur noch relative Pfade übrig bleiben), dann erhält man eine hochkompatible und für alles Mögliche verwendbare, portable Grafik-Suite, die per WinE auch unter Linux läuft (ausprobiert!), für umsonst. Nachteil des „Eierlegende-Wollmilchsau“-Paketes: Updates sind nicht mehr so ohne Weiteres möglich.

Zusammengefasst lässt sich daher sagen, dass XnView sich eher für Bildbestände im sechsstelligen Bereich eignet und sich daher vielleicht stärker am engagierten Hobbyfotografen orientiert. Die längerfristigen Hardwareanforderungen sind dabei allerdings um Welten geringer als bei FotoARRAY und das bei gleichzeitig wesentlich größerer Kompatibilität. Weniger schön ist die Veränderung der Original-Bilddatei durch die hinzu zu fügenden IPTC-Daten. Ich selbst gebe dennoch XnView den Vorzug, denn wer weiß schon, mit welchen (problematischen) Neuheiten uns die Betriebssystem-Schmieden künftig noch „beglücken“ werden?

Abschließend aber noch eine allgemeine Anmerkung, völlig unabhängig von den beiden Programmen und diese Anmerkung betrifft die IPTC-Daten bzw. die Tags. Ohne Tags lassen sich bestimmte Bilder in einem riesigen Bestand nur manuell durch visuellen Vergleich auffinden. Das dauert erfahrungsgemäß einige Zeit. Ein Jahr hat 525.600 Minuten und bei 200.000 Bilder wäre man demnach – weil ein Eintippern rund um die Uhr ja nicht möglich ist – bei geschätzt einer Minuten pro Bild auch rund ein Jahr lang damit beschäftigt, die Fotos mit Tags zu versehen. Das ist folglich ziemlich unrealistisch. Beschränkt man sich aber ausschließlich auf die bearbeiteten – und somit die besten – Aufnahmen, dann wird der Arbeitsaufwand durchaus überschaubar, denn er reduziert sich auf ein paar Monate. An dieser Stelle muss jeder selbst entscheiden, ob bzw. inwiefern sich das lohnt.