Ganz ehrlich jetzt? GPS im Schaumburger Land ist reine Glückssache! Selbst das Navi im Auto zeigt erst nach ein paar hundert Metern Fahrt halbwegs vernünftig an. Was wir anstelle von GPS haben sind Funklöcher und deswegen funktionieren auch die so beliebten GPS-Tracker bzw. -Logger im Smartphone nicht vernünftig. Habe ich ausprobiert: Zehn-Kilometer-Tour und davon wurden die ersten und die letzten zwanzig Meter erfasst – genial! Mit den GPS-Empfängern in Kameras verhält sich das genauso: GPS-Signale kommen nur bei bestimmten Windrichtungen durch. Oder wenn Neumond ist oder so. Mit der (Un-) Genauigkeit solcher Kamera-Empfänger wird es dann vollends sinnlos (auch ausprobiert). Es gibt da einen simplen Test: Man aktiviere das GPS-Tracking der Kamera, stelle die für eine halbe Stunde irgendwo hin und staune hinterher, wo man mit dem Ding angeblich überall gewesen sein soll (so etwa im Vier-Kilometer-Radius). Das sind dann keine Daten. Das ist einfach nur Müll!

Ich fotografiere meine Bilder daher von vornherein OHNE die sowieso mehr oder weniger falschen GPS-Angaben, denn im Bedarfsfall kann man die richtigen Daten ja noch nachträglich implementieren. Kann man das wirklich? Tatsächlich scheint das gar nicht mal so einfach zu sein … Schaut man diesbezüglich nach Anleitungen im Netz, dann findet sich da einiges. Probiert man das aus dann folgt das lange Gesicht. Entweder funktioniert es von vornherein nicht oder aber die ins Bild gespeicherten Angaben sind derart grob, dass „Nordeuropa“ der Location im eigenen Wohnort noch am nächsten kommt. Nun gibt es aber auch Programme, die so etwas ganz gut machen sollen. Eins davon – bereits ziemlich alt – ist GeoSetter.

Das habe ich im Laufe der Jahre immer mal wieder angetestet und bislang immer mit negativen Ergebnissen, denn irgendwie scheiterte das an den erforderlichen Zusatzprogrammen ExifTool und Java. Bis jetzt – jetzt funktioniert’s, und zwar in der Version 3.5 von 2018. Diese Version findet sich bei SnapFiles und bringt alles mit was man braucht. Mehr noch: Diese Freeware-Version ist sogar portabel lauffähig! Allerdings nicht stealth, denn sie schreibt Daten in einen Ordner „Benutzer/(name)/AppData/Roaming/GeoSetter“ – aber derartiges Rumschmaddeln ist vertretbar. Im Rahmen der Installation kann man zwar einen abweichenden Ordnernamen angeben, doch das Rumschmaddeln bleibt – dann eben nur unter anderem Namen.

Wie jetzt? Installation? War da nicht eben noch die Rede von portabel? GeoSetter komt als Installer von gut 23MB Größe. Man muss die Software zuerst installieren. Sie benötigt danach gut 37MB im Programmordner zzgl. rund 10MB im Schmaddel-Ordner. Wie macht man das jetzt portabel? Geht ganz einfach: Den Programmordner an andere Stelle kopieren (NICHT verschieben!), die Systemsteuerung aufrufen und den Programmordner am ursprünglichen Ort löschen: Fertig! Die 1:1-Kopie läuft portabel und kann überall hingeschoben werden; ein etwaig fehlender Schmaddel-Ordner wird beim Erststart automatisch neu angelegt.

Kommen wir nun zum Erststart. Der erfolgt mit „GeoSetter.exe“ und mündet zunächst einmal in der Frage nach den Verknüpfungen für zu bearbeitende Bilddateien. Wenn man hier JPG anklickt dann ist man normalerweise schon auf der sicheren Seite (andere Dateitypen wie BMP o. ä. sind aber auch möglich). Daraufhin erscheint die Benutzeroberfläche: Im linken Fenster kann man die Ordner mit den Bilddateien anwählen und im rechten Fenster erscheinen, so man eine Bilddatei aktiviert hat, deren EXIF-Daten. Die wollen wir aber gar nicht haben. Wir wollen eine Landkarte haben, aus der sich Geokoordinaten in das gerade aktive Foto übernehmen lassen. Dazu wählt man „Ansicht/ Karte“ bzw. betätigt den Button „Kartentyp auswählen“ über dem rechten Fenster (erster Button von links). Als Kartentypen stehen vier verschiedene Typen von Google-Karten sowie OpenStreetMap zur Verfügung.

Wählt man eine der Google-Karten dann erscheint die für gewöhnlich abgedunkelt mit einem API-Hinweis und dem Wasserzeichen „For Development Purposes Only“, Der Hinweis beruht darauf, dass Google Ende 2018 ein neues Abrechnungsmodell für das Maps-API eingeführt hat und ohne Abrechnung die Karten jetzt nur noch eingeschränkt – eben abgedunkelt und mit Wasserzeichen – zur Verfügung stellt. Das macht aber nichts, denn es funktioniert trotzdem. Die Karte kann mit dem Mauszeiger verschoben werden und mittels Scrollrad wird gezoomt. Der Linksklick in die Karte definiert den Aufnahmeort. Ein zweiter Klick darauf und es öffnet sich ein kleines Hinweisfenster, mit dem man die Position dem links ausgewählten Bild zuweisen kann.


Das nachträgliche Zuweisen der GPS-Koordinaten.

Die betreffenden Geo-Koordinaten erscheinen jetzt in Rot unter dem Bild: Sie sind zwar zugewiesen, aber noch nicht gespeichert. Mit „Datei/ Aktualisieren“ erscheint ein Bestätigungsfenster. Die Frage nach dem Speichern der Änderungen wird mit „Ja“ beantwortet.


Das Speichern der zugewiesenen Daten.

Als Zeitzone wählt man im nächsten Fenster die Systemeinstellungen und das war’s auch schon. Die Geo-Koordinaten erscheinen unter dem Bild-Thumbnail jetzt in Schwarz und das rechte Fenster zeigt die EXIF-Daten: Runterschrollen und man findet die GPS-Position.

So weit, so gut – aber taugen die im Bild gespeicherten Daten jetzt auch was? D. h. kann man damit aus dem Bild heraus den Aufnahmort wirklich ziemlich genau wiederfinden? Ja, das geht! Das lässt sich ganz einfach testen, indem man das um die Koordinaten erweiterte Bild unter IrfanView lädt und „Bild/ Information/ EXIF-Daten/ Show in Google Earth“ wählt – wobei Google Earth aber selbstverständlich installiert sein muss.


Der Test mit IrfanView …

… und Google Earth.

Die Abweichung liegt irgendwo im Bereich von 1-2 Metern. So, das war jetzt die wirklich funktionierende Kurzanleitung, um mit GeoSetter nachträglich GPS-Koordinaten in Fotos einzufügen: Geht wirklich ganz einfach! Selbstverständlich kann das Programm aber noch einiges mehr doch in diesem Beitrag beschränke ich mich auf die Geo-Koordinaten.