Der Fotograf Benjamin Jaworskyj veröffentlichte kürzlich auf Facebook ein kombiniertes Bild, bei dem Landschaften über und unter Wasser zu einem einzigen Foto kombiniert worden waren. Ich finde solche Aufnahmen zwar faszinierend, habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass man so etwas im Moment der Aufnahme mit einer Billig-Unterwasserkamera nicht hinbekommt – so dass also der Wasserspiegel die Aufnahme quasi in oben und unten bzw. in über und in unter Wasser teilt. Greift man jedoch auf zwei Einzelfotos, aufgenommen über und unter Wasser, zurück dann lässt sich damit durchaus etwas anfangen – und dann muss das Equipment auch gar nicht mal teuer sein! Für meine Versuche habe ich nämlich Aufnahmen, die mit der Billig-Unterwasserkamera Maginon Splash 8 (für ’nen Zwanziger vom Aldi-Grabbeltisch) 2019 im Urlaub auf Fuerteventura entstanden sind, zugrunde gelegt.

Dazu boten sich Fotos aus unserer unter Wasser ziemlich belebten Badebucht an. Was zu beachten ist: Längst nicht alle Fotos lassen sich miteinander so kombinieren, dass es hinterher auch halbwegs echt aussieht. Auf folgende Prämissen ist zu achten:
– Die Farben über und unter Wasser sollten stimmen (im Sinne von einander sehr ähnlich sein).
– Die Proportionen sollten einigermaßen stimmen (kleine Menschen und Riesenfische passt zumeist nicht und auch zu groß erscheinender Meeresboden zerstört die Bildstimmung, ggfs. zuerst skalieren und dann auf Größe zuschneiden).
– Die Bilder sollten gleiche Maße aufweisen.
– Die Bilder sollten vorab bereits optimiert worden sein.
Ich fand zwei Aufnahmen, welche alle diese Voraussetzungen ganz gut erfüllten. Das Bild von mir beim Schwimmen hatte meine Frau aufgenommen. Das Bild mit den Fischen unter Wasser stammte von mir.


Die Aufnahme, auf der ich am Schwimmen bin – ich nenne sie hier mal das Landbild.

Die Aufnahme mit den Fischen – ich nenne es hier mal das Fischbild – ist zwar eigentlich ziemlich vergeigt, aber das untere Drittel (und nur das wird gebraucht) ist OK.

Als geeignete Bildbearbeitung habe ich GIMP gewählt. Und wie kombiniert man die Bilder jetzt? Zuerst wird das Fischbild mit „Datei/ Laden“ geöffnet. Anschließend wird das Landbild mit „Datei/ Laden“ hinzu geladen. Nun im Werkzeugkasten die „Freie Auswahl“ (Lasso) anklicken und bei dem Landbild großzügig (gerne auch außen herum außerhalb des Bildes) eine Markierung anbringen, die von oben her etwa zwei Drittel des Bildes umfasst – nur auf dem Bild selbst sollte die Markierung möglichst genau der Form der aufgenommenen Wellen folgen, damit es hinterher echt aussieht.

Mit „Bearbeiten/ Kopieren“ wird der ausgewählte Bereich in die Zwischenablage gegeben. Jetzt auf den Reiter mit dem Fischbild klicken und „Bearbeiten/ Einfügen als/ Neue Ebene“ selektieren. Der ausgewählte Bereich erscheint nun mittig auf dem Fischbild. Im Werkzeugkasten das Verschiebewerkzeug aktivieren und die eingefügte Ebene durch Hochschieben exakt ausrichten. Anschließend wird im Werkzeugkasten das Pipettenwerkzeug bemüht. Mit der Pipette einen Farbwert unmittelbar an der Kante zwischen eingefügter Auswahl und Fischbild aufnehmen, so dass man eine ideal passende Vordergrundfarbe erhält.

Damit kann – wieder per Werkzeugkasten – das Pinselwerkzeug zum Einsatz kommen. Als Einstellungen wählt man (Richtwerte bei einem Bild von 2048*1536px, bei anderen Bildgrößen die Pinselgröße anpassen):
– Deckkraft 50
– Pinsel 2. Hardness 025
– Größe 50
– Härte 25
– Druck 50
– Weiches Zeichnen Qualität 20, Gewicht 50
Damit wird die verbliebene Kante zwischen beiden Bildebenen der Wellenlinie folgend übermalt. Sie wird dadurch „aufgeweicht“ und erscheint unscharf, was durchaus erwünscht ist. Nun noch mit „Ebene/ Nach unten vereinen“ beide Ebenen zusammenfügen und das Resultat exportieren: Fertig!


Das kombinierte Unter-und-über-Wasser-Bild: Wildlife-Beobachtungen beim Schwimmen!

Was mich bei der ganzen Sache mal interessieren würde ist, ob man damit nicht auch nur an Land die Split-Lens-Technik nachträglich simulieren kann, weil das kombinierte Unter-und-über-Wasser-Bild ja im Grunde genommen auch nichts anderes ist. Muss ich bei Gelegenheit auch mal auspobieren …