Die beste Automatik ist immer die, die man abschalten kann. Deswegen fotografiere ich gerne im manuellen Modus. Ist ganz einfach: Blende vorwählen, Belichtungszeit nach Erfahrung ungefähr vorgeben und am ISO in Kombination mit der Belichtungszeit so lange rumschrauben bis die Belichtungskorrektur bei 0,0 steht – dann passt’s garantiert! Ausnahmen sind schnell bewegte Objekte (Kinder, Tiere, aus einem sich bewegenden Verkehrsmittel heraus, Sport) oder unter Tage. Da muss es schnell gehen – das Einstellen dauert zu lange – und dann verwende ich die Automatik. Mit der Automatik ist das aber immer so eine Sache, weil die Kamera dabei (zufällig?) irgendeine mehr oder weniger passende Kombination aus dem Belichtungsdreieck (Blende-Verschlusszeit-ISO) wählt.


Das Belichtungsdreieck: Es lohnt sich, sich einmal mit dem Zusammenhang zwischen Blende, Verschlusszeit und ISO intensiver zu beschäftigen.

Meistens passt das dann mit der Automatik auch. Meistens – nur eben leider nicht immer (weswegen ich bei Automatikbetrieb auch lieber einmal mehr auf den Auslöser drücke). Manchmal kommen unterbelichtete Bilder dabei raus: Kein Problem, denn die lassen sich durch (teils partielles) Aufhellen korrigieren. Geht eigentlich immer. Manchmal kommt es aber auch zur Überbelichtung und das sind dann i. d. R. Bilder für die Tonne. Zumindest im JPG-Format, denn wenn ein JPG-Foto überbelichtet ist, dann fehlen ihm Bildinformationen. Das, was fehlt, wird weiß dargestellt. So gerät bspw. ein blauer Himmel zum weißen Himmel, während der Vordergrund korrekt aussieht. D. h. die Belichtung im Vordergrund ist in Ordnung, der Himmel hingegen überbelichtet. Wolkenstrukturen oder weit entfernte Berggipfel sind rettungslos verloren gegangen.

Fehlende Bildinformationen sind bei JPG ganz im Gegensatz zu RAW unwiderruflich weg. Man kann sie (das Composing mal ausgenommen, doch das geht dann schon mehr in Richtung Bildmanipulation) nicht mehr nachträglich hinzufügen. Insofern ist die Korrektur eines überbelichteten JPG-Bildes auch streng genommen gar nicht möglich. Doch man kann tricksen. Weiß ist nämlich nur in den allerseltensten Fällen wirklich weiß. Normalerweise sind im vermeintlichen Weiß minimale Farbnuancen enthalten, die sich noch nachträglich zumindest etwas „herauskitzeln“ lassen und die danach die Überbelichtung abmildern. Ich will hier einmal zwei auf GIMP basierende Methoden demonstrieren, mit denen sich Überbelichtung (manchmal) vermindern lässt.


Das Ursprungsbild: Grausam überbelichtet mit Dunst drauf und im Grunde genommen ein Fall für die Tonne – deswegen mag ich auch keine Automatiken.

Methode 1:

Die erste Methode ist vergleichsweise einfach, denn bei der wird nur mit Ebenen und Deckkraft gearbeitet. Das Ursprungsbild, wie die Kamera es liefert, zeigt üblicherweise eine überbelichtet in Weiß-Grau verschwimmende Ferne. Man lädt das Foto mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP und wählt „Ebene/ Ebene duplizieren“. Die duplizierte Ebene erscheint unmittelbar mit der Erweiterung „*.jpg-Kopie“ im Ebenen-Dialog. Diese Ebene anklicken. Daraufhin noch immer im Ebenen-Dialog „Modus: Multiplikation“ und Deckkraft ungefähr „50“ wählen. Nun mit „Ebene/ Nach unten vereinen“ beide Bildebenen zusammenfügen. Was passiert? Der Multiplikationseffekt dunkelt das Bild ab und lässt Details – d. h. die eingangs erwähnten Farbnuancen – stärker zutage treten. Normalerweise ist diese erste Korrektur aber bei Weitem noch nicht ausreichend. Der beschriebene Vorgang wird folglich und je nach Bild etwa drei- bis fünfmal wiederholt, bevor die Überbelichtung abgemildert worden ist. Häufig – allerdings nicht immer – geschieht es, dass das Foto danach im Vordergrund zu dunkel wirkt. Somit kann es notwendig sein, eine selektive Aufhellung folgen zu lassen. Sollte die Aufnahme schließlich zu flau wirken, dann kann sie mit „Farben/ Helligkeit/Kontrast“ noch etwas optimiert werden.


So sieht die Aufnahme nach der Korrektur mit Methode 1 aus …

… und hier der direkte Vorher-Nachher-Vergleich.

Methode 2:

Die zweite Methode erfordert zwar merklich mehr an Arbeitsaufwand, erbringt aber meiner Meinung nach meist die besseren Ergebnisse. Dazu ist wie folgt vorzugehen:
– Das Ursprungsbild mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP laden.
– „Farben/ Automatisch/ Weißabgleich“ wählen. Die Bildfarben werden alleine dadurch schon merklich intensiver.
– „Farben/ Werte“ aufrufen und die Anfasser unter dem Histogramm verschieben bis es passt; anschließend mit „OK“ bestätigen. Das vermindert den Dunst und sättigt die Farben.
– „Farben/ Belichtung“ anklicken und die Belichtung vorsichtig zurück nehmen bis der Himmel beginnt grau zu werden; zusätzlich den Schwarzwert ganz wenig verändern bis gerade so eben schwarze Stellen auftauchen und mit „OK“ bestätigen.
– „Farben/ Helligkeit/Kontrast“ selektieren und den Kontrast etwas erhöhen, dabei beachten, dass möglichst keine schwarzen Bereiche auftreten und mit „OK“ bestätigen: Das Bild sieht jetzt bereits deutlich gefälliger aus.
– „Farben/ Automatisch/ Farbverbesserung“ erhöht in Folge zwar die Klarheit, bewirkt aber auch, dass die Farben nun unnatürlich knallig erscheinen. Doch das macht nichts.
– Nun ist Fingerspitzengefühl gefragt: „Farben/ Kurven“ aufrufen und die Kurve mittig „anfassen“, um die Mitten sachte zu reduzieren. Zusätzlich das linke Kurvenende „anfassen“ und etwas nach oben korrigieren. Das beseitigt die in den vorausgegangenen Schritten erfolgte Abdunklung bzw. Schwärzung und vermindert das Weiß des Himmels. Mit „OK“ bestätigen. Jetzt allerdings ist die Aufnahme sichtbar blaustichig geworden.
– Daher „Farben/ Farbabgleich“ aktivieren sowie Gelb vermindern, Cyan erhöhen und mit „OK“ anwenden: Die Farben sehen nun nicht natürlich sondern übersättigt aus.
– Das wird mit „Farben/ Sättigung“ korrigiert, indem man die Skalierung nach unten fährt (Richtwert ca. 0,9). Allerdings ist nun immer noch alles viel zu grell.
– Deswegen wird im Ebenenfenster mit der rechten Maustaste auf das Bild geklickt und in der Drop-Down-Liste „Ebene duplizieren“ ausgewählt. Als Modus dient „Überlagern“ und die Deckkraft wird merklich reduziert (Richtwert ca. 10-20).
– Mit „Ebene/ Nach unten vereinen“ macht man wieder ein Bild daraus.
– Ein letztes „Farben/ Kurven“ wird aufgerufen, die Mitten ganz leicht erhöhen und das linke Kurvenende gleichfalls ganz leicht nach oben korrigieren. Mit „OK“ bestätigen.
– Manchmal ist das Bild an dieser Stelle bereits fertig korrigiert worden und kann exportiert werden: GIMP danach beenden.
– Manchmal aber auch fehlt irgendwie noch der allerletzte Schliff. Dazu das exportierte Bild mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP laden.
– Dann das vergeigte Originalbild für die Tonne mit „Datei/ Als Ebenen öffnen“ hinzu laden.
– Über dem Ebenenfenster wählt man „Modus: Normal“ und vermindert die Deckkraft stark (Richtwert ca. 5).
– „Ebene/ Nach unten vereinen“ macht ein Bild daraus.
– Das Resultat wird exportiert: Fertig!


Das Ergebnis der zweiten Methode …

… und hier der direkte Vorher-Nachher-Vergleich.

Ein nachträgliches Herumbasteln an der Überbelichtung ist allerdings immer problematisch, denn – wie schon gesagt – unrettbar verloren gegangene Bildinformation lässt sich nicht mehr hinzu fügen. Insofern lohnt sich der Versuch einer Überbelichtungskorrektur auch nur dann, wenn es sich wirklich um die Aufnahme einer unwiederholbaren Gelegenheit handelt.