Normalerweise braucht man sich bei der Fotografie nicht um den Weißabgleich zu scheren. Worum handelt es sich bei dem Weißabgleich? Je nach Lichtquelle beinhaltet Licht einen Farbstich (d. h. die Farbtemperatur fällt unterschiedlich aus). Kameras kompensieren das mit einem automatischen Weißabgleich. Mischlicht ist dabei allerdings immer problematisch und daher bieten die meisten Kameras zusätzlich wählbare Voreinstellungen für schwaches Licht, Kunst-, Leuchtstoffröhren- und Tageslicht.

Bei vielen Smartphones sucht man eine Möglichkeit zur Anpassung des Weißabgleichs jedoch vergeblich und Scanner bieten so etwas ebenfalls so gut wie gar nicht an. Folglich hat man es in solchen Fällen häufiger mit Farbstichen, hervorgerufen durch falschen Weißabgleich, zu tun. Und dann gibt es noch den Härtefall (den meine Frau einmal anlässlich einer Kur erlebt hat): Weil irgend etwas an der Kamera verstellt war, ging sie in ein so genanntes „Fachgeschäft“ und der dortige „Fachmann“ verstellte die Kamera dann noch gründlicher – entsprechend (unbrauchbar) sahen die Fotos hinterher auch aus, was in der Aussage gipfelte: „Die Kamera hat Wasser abbekommen – die ist hin! Kaufen Sie sich eine Neue!“ Um alle diese drei Varianten und um die dazu notwendige, nachträgliche Weißabgleichs-Korrektur soll es in diesem Beitrag gehen. BTW: Besagte Kamera meiner Frau wurde nach der Rückkehr von mir neu eingestellt und funktioniert auch heute noch!

Die nachträgliche Weißabgleichs-Korrektur ist mit portabler Windows-Freeware machbar. Ihr braucht dazu drei Programme (die nativ oder per WinE auch unter Linux laufen), und zwar:
GIMP,
PhotoScape und
JPG Illuminator.
Beginnen wir mit dem bei Glühlampenlicht per Handy aufgenommenen Smartphone-Foto.


Diese Aufnahme entstand bei Glühlampen- und Kerzenlicht – das Handy konnte nur den Tageslicht-Weißabgleich und versah die Aufnahme daher mit einem rot-gelben Farbton.

Im ersten Beispiel handelt es sich um eine Smartphone-Aufnahme, wobei das Handy Tageslicht für den Weißabgleich vorausgesetzt hat, obwohl Glühlampen- und Kerzen-Mischlicht vorgelegen haben. Die Folge ist ein unnatürlicher Farbstich, der in Richtung gelb-orange-braun geht. Man lädt das Bild zuerst unter PhotoScape mit der Option „Bildbearbeitung“ und klickt auf den Pfeil neben dem Button „Helligkeit, Farbe“. In der sich öffnenden Drop-Down-Liste wird „Weißabgleich“ gewählt und der Mauszeiger verwandelt sich in ein kleines Fadenkreuz. Damit im Bild auf einen Bereich klicken, von dem man sicher ist dass er rein Weiß sein muss. Das Bild verändert sich umgehend und anhand der sich öffnenden Dialogbox mit der Frage „Möchten sie das anwenden?“ kann man die Korrektur mit „Ja“ entweder zulassen oder mit „Nein“ einen besser geeigneten Bereich suchen. Nach erfolgter Korrektur klickt man auf den Button „Helligkeit, Farbe“ und nimmt in der sich öffnenden Dialogbox mittels der Schieberegler noch den letzten „Feinschliff“ (Aufhellung, Kontrast, Sättigung etc.) vor, bestätigt mit „OK“ und speichert das fertige Bild ab. Kleiner Hinweis an dieser Stelle: Der „Feinschliff“ lässt sich mit dem JPG Illuminator (dort Farbkorrektur und Belichtung) allerdings sehr viel besser und vor allem feiner einstellen.


Nach der Korrektur mit PhotoScape und JPG Illuminator.

Die Vorhensweise bei einer gescannten Aufnahme ist prinzipiell die Gleiche:


Der Scan eines alten Analog-Fotos.

Nach der Korrektur mit PhotoScape und JPG Illuminator.

Im Gegensatz zur korrigierten Smartphone-Aufnahme erfordern Scans jedoch häufiger noch zusätzlich eine Optimierung von Kontrast und Schärfe, für die sich auch der JPG Illuminator anbietet. D. h. hier kommt zunächst PhotoScape wie oben beschrieben zum Einsatz und dann wieder der JPG-Illuminator.

Bleibt noch der Härtefall, nämlich das Bild für die Tonne nach der „Kamerawartung“ durch ein so genanntes „Fachgeschäft“. Kleiner Hinweis für Interessierte: Das geschah im Jahr 2010 auf Borkum und ich anstelle meiner Frau hätte den dafür Verantwortlichen zuerst in der Nordsee ersäuft und später im Watt verbuddelt!


Für die Tonne: Ein Foto nach der „Kamerawartung“ durch ein so genanntes „Fachgeschäft“.

Hierbei stellt GIMP den ersten Schritt – für’s Grobe – dar. Das Bild wird mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP geladen. Man wählt „Farben/ Kurven“ und zieht die Kurve des Kanals „Wert“ so hin, dass die unnatürlichen Rottöne verschwinden. Die Aufnahme wird dadurch greller und heller.


Das Beseitigen der unnatürlichen Rottöne.

Anschließend auf den Kanal „Rot“ umschalten und auch da die Kurve variieren, bis es natürlicher aussieht.


Die Korrektur des Rot-Kanals.

Die entsprechende Korrektur wird auch einzeln für die Kanäle „Grün“ und „Blau“ durchgeführt.


Nach der Korrektur der Kanäle „Grün“ und „Blau“.

Mit „OK“ werden die Änderungen übernommen. Das Ergebnis exportieren, unter PhotoScape laden und dort den Weißabgleich wie oben beschrieben durchführen, anschließend abspeichern. Dieses Bild unter den JPG Illuminator laden und dort (vorzugsweise mit Kontrasterhöhung sowie Entsättigung) die Feinarbeiten vornehmen, speichern und fertig.


Nach der Korrektur mit GIMP, PhotoScape und dem JPG Illuminator.

Hier der direkte Vorher-Nachher-Vergleich des „Härtefalls“.

Ende des Liedes: Man muss ein Bild mit vergeigtem Weißabgleich nicht gleich wegschmeißen – selbst bei Härtefällen lässt sich da noch einiges korrigieren. Mal ganz davon abgesehen sollte man seine Kamera wirklich kennen und nicht von vermeintlichen „Fachunternehmen“ furchtbar „verschlimmbessern“ lassen … Anzumerken ist aber noch, dass man einen bewusst ungeeigneten Weißabgleich durchaus absichtlich für kreative Verfremdungen einsetzen kann.