Betrachten wir einmal ein Stück Kohle, sagen wir ein Brikett. Da sind ganz, ganz lange Kohlenstoffketten – vielleicht 1.000 Kohlenstoffatome lang – drin und deswegen ist das ein Feststoff. Wenn ich die Kohle verbrenne, dann entsteht bei vollständiger Verbrennung Kohlendioxid, und zwar ein Betrag X aus jedem einzelnen Kohlenstoffatom. Bei 1.000 Atomen sind das 1.000 Moleküle CO2. Deswegen ist Kohle auch „BÄH!“ und ein Klimakille ersten Ranges. Doch es entsteht noch etwas anderes. Pro Verbrennung u. d. h. pro Kohlenstoffatom entsteht nämlich auch ein Betrag Y an Wärme. Bei 1.000 Kohlenstoffatomen macht das auch 1.000 Y an Wärme.

Nehmen wir jetzt mal Öl. Da sind die Kohlenstoffketten sehr viel kürzer, vielleicht nur so um die 60 Atome lang, und deswegen ist es flüssig. Als Flüssigkeit lässt es sich auch viel einfacher und bequemer transportieren als die leidigen Briketts. Wenn ich das Öl vollständig verbrenne entsteht aus jedem Kohlenstoffatom der gleiche Betrag X an CO2 wie bei der Verbrennung von Kohle. Anstelle von 1.000 Molekülen CO2 bilden sich jedoch nur 60, bis die Kohlenstoffkette vollständig umgesetzt ist. Klingt doch super – wenn man rein auf die Menge guckt! Bloß: Statt 1.000 Y an Wärme habe ich auch nur 60 Y u. d. h. ich muss viel mehr Öl verballern, um auf die gleiche Heizleistung wie bei der Kohle zu kommen.

Dann wäre da noch das Erdgas. Seine Kohlenstoffketten sind im Mittel nur noch schlappe vier Atome lang und deswegen ist es ja auch gasförmig. Das bringt den Vorteil, es aus der Leitung direkt ohne häusliche Lagerung mit Druck in den Brenner einspeisen zu können. Außerdem entstehen daraus bei vollständiger Verbrennung nur noch vier Moleküle CO2 – und das ist angesichts der Klimaerwärmung zwar immer noch zuviel; Wasserstoff wäre ganz zweifellos viel besser – aber doch ein Riesenfortschritt gegenüber Kohle oder Öl! Oder etwa nicht? Rein auf die Menge gesehen schon. Aber die Gasverbrennung bringt auch nur 4 Y an Wärme. Ich muss also viel mehr Gas verheizen um auf die gleiche Wärmeerzeugung wie beim Öl zu kommen. Ich muss sehr viel mehr Gas verheizen um auf die gleiche Wärmeerzeugung wie beim Brikett zu kommen.

Die Menge an Brennstoff, die ich für eine bestimmte Menge an Wärmeerzeugung benötige, erzeugt unter dem Strich auch die gleiche Menge an Kohlendioxid. Immer und ganz unabhängig davon, ob ich nun Kohle, Öl oder Gas verwende. Weil immer die gleiche chemische Umsetzung „C+O2->CO2“ zugrunde liegt und weil bei dieser Reaktion eine definierte Wärmemenge entsteht. So will es Mutter Natur; so wollen es unsere Naturgesetze. Daran ändert auch die Aussage einer naturwissenschaftlich offensichtlich eher unbeleckten (zum Ausgleich aber im Schreiben unterschiedlicher Lebensläufe sehr erfahrenen) Außenministerin nichts, wenn sie behauptet, dass ihre Grillkohle kein CO2 erzeugt, weil es sich um zertifizierte Grillkohle handelt.

Der gleichfalls naturwissenschaftlich eher unbeleckte Blick auf die Mengen – und nicht auf die Wärme und nicht auf die chemischen Grundlagen – hat dazu geführt, dass man hierlande das Gas favorisierte. Es war ja auch mit Blick auf Bezug, Transport und Lagerung sehr viel attraktiver. Bisher. Jetzt nicht mehr. Weil: Putin ist Schuld! Jedenfalls wird es uns so von Politik und Medien eingehämmert. Aber stimmt das eigentlich?

Gas könnten wir durchaus über Nordstream 2 beziehen und dann hätten wir keine Energiekrise. Aber wer hat denn noch VOR dem Beginn des Ukraine-Krieges Nordstream 2 auf Geheiß der USA und ohne Rücksicht auf die eigene Bevölkerung auf Eis gelegt? Putin doch nicht … Wenn ich mich recht erinnere geht das doch auf Kosten gewisser „Volksvertreter“ bei uns. Warum vermitteln Scholz, Habeck und Co dann jetzt den Eindruck, dass die Russen am hausgemachten Dilemma Schuld sind? Nordstream 1 fällt aus, weil da gerade die Wartung läuft. Sowas hat mit schnöden technischen Problemen und Anforderungen zu tun und da steht man als Minister mit Germanistik-Studium doch drüber und kann das als „vorgeschoben“ bezeichnen! Nun unterstellt man den Russen, auch nach Abschluss der Wartungsarbeiten kein Gas zu liefern, somit vertragsbrüchig zu werden und kein Geld mehr einnehmen zu wollen: Geld, welches die brauchen. Im Grunde genommen unterstellt man letztlich den Russen, blöd zu sein und sagt: Putin ist Schuld!

Jedenfalls ist die vom Versagen gewisser „Volksvertreter“ ablenkende Propaganda offensichtlich auf fruchtbaren Boden gefallen, wurde doch gerade eine Reform des „Energiesicherungsgesetzes“ beschlossen. Sonderte Habeck anfangs noch ab, dass er Gas bei der Industrie einsparen und den Verbraucher schonen wollte, so sieht das jetzt plötzlich ganz anders aus. Die Reform gestattet, wie nicht anders zu erwarten war, die aufgrund politischer Fehlentscheidungen hierzulande erfolgte Gasverteuerung an die Endverbraucher weiter zu geben. Konsequent zu Ende gedacht bedeutet das, dass Vermieter irgendwann eine Maximaltemperatur für Wohnungen vorschreiben dürfen. Die „notleidende Wirtschaft“ (es hat ja auch nie eine andere gegeben!) geht sogar noch weiter, indem durch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger aufgrund der hausgemachten Energiekrise die Ausrufung eines „nationalen Notstands“ mit eingeschränktem Streikrecht gefordert wird und ein gewisser Herr Lindner, der sich auf Sylt im Porsche Targa rumtreibt, hat deswegen schon Leistungskürzungen für Arbeitslose in Aussicht gestellt.

Kommen wir von ganz oben jetzt mal nach ziemlich weit unten. Stell‘ dir vor, du wohnst auf dem Land. Ein Bus fährt nur an jedem ersten Donnerstag im Monat, vorausgesetzt es ist Vollmond und gerade Westwind. Die nächste Stadt ist 30km entfernt und dahin musst du mit deiner 18-20 Jahre alten Rostlaube juckeln, und zwar tagtäglich zur Arbeit. Die hiesigen Dumping-Löhne – zum Sterben zuviel und zum Leben zuwenig – reichen gerade so aus, um die nötigsten Reparaturen für die Rostlaube zu finanzieren, ein Dach über dem Kopf zu haben und die Miete bezahlen zu können. Jetzt sollst du obendrein noch im Kalten rumsitzen (Corona freut sich!) und mit kälterem und dadurch u. U. Legionellen-verseuchtem Wasser duschen (wenn deswegen der Deckel zuklappt jubelt die Rentenversicherung und die Bestattungsindustrie muss ja auch leben).

Zeitgleich erklären dir die offensichtlich in einer anderen Welt lebenden Rosa-Wolke-Politclowns, dass du künftig mit einem schweineteuren E-Auto zu fahren hast, tunlichst teure Bioprodukte kaufen sollst und sagen dir aber nicht wo du die Kohle dafür herbekommen kannst. Ist das eine Regierung oder eine Regierungskatastrophe? Sahra Wagenknecht hat die Grünen einmal als (Zitat) „FDP mit Krötenschutzprogramm“ bezeichnet. Die heutige Politik mit hausgemachten Krisen und daraus abgeleiteten Einschränkungen für uns Bürger gibt ihr Recht.