Unter Datenschutz versteht man den Schutz vor missbräuchlicher Datenverarbeitung. Unter Datensicherheit versteht man die Methoden, die bewirken, dass Daten vor Verlust oder Manipulation geschützt werden. Datenschutz und Datensicherheit gehen Hand in Hand. Ein Virus oder ein Trojaner schert sich nicht darum – er beeinflusst beide Bereiche, zockt ab und verfälscht (sofern es aus der Sicht eines Angreifers notwendig erscheint). Deswegen wird so etwas auch als Malware oder Schadsoftware bezeichnet. Anders hingegen sieht es aus, wenn ein Benutzer freiwillig – bspw. durch seine Zustimmung zum „Kleingedruckten“ bei der Installation einer Software – dem Verzicht auf den Datenschutz zustimmt. Dann ist es keine Malware mehr sondern stattdessen vielmehr legal. Dann ist es ein Geschäftskonzept: „Privatsphäre gegen Geschäftsmodell“.

Klngt kompliziert? Ist es aber ganz und gar nicht! Nehmen wir einmal folgendes Beispiel: Dir wird eine App – sagen wir mal ein Messenger – schmackhaft gemacht. Das Teil ist kostenlos und der reine Wahnsinn, so dass beinahe jeder es begeistert benutzt: Es kann Text- sowie Sprachnachrichten senden und empfangen, es hilft dir, Foto-, Kontakt-, Video- und Audiodateien auszutauschen; Telefonie, Videotelefonie und Bezahlfunktion verstehen sich von selbst, Gruppenchat selbstverständlich auch; die App kann dir den eigenen und per GPS ermittelten Standort mitteilen und gestattet dir eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Ist doch voll geil, oder?

Im Gegenzug allerdings – und das steht im „Kleingedrukten“ – bezahlst du mit persönlichen Daten: Die App erstellt ein komplettes Bewegungsprofil. Sie hat Vollzugriff zu deiner Kamera (Foto und Video betreffend), auch ohne dein Zutun, empfängt und sendet SMS ohne dass du es bemerkst, erstellt ein Profil deines sozialen Umfeldes, indem sie die Anruf- und Kontaktliste ausliest und die Personen identifiziert und hat Vollzugriff auf alle Telefon- und WLAN-Funktionen. Sie erstellt ein Interessenprofil von dir, indem sie deine Dateien untersucht, ermöglicht es durch Auslesen deiner Telefon-ID, dich ganz genau zu orten und zu erkennen und gestattet die Fernsteuerung deines Handys aus dem Internet heraus durch dir unbekannte Dritte. Mikrophon und Kamera deines Smartphones werden ohne dein Wissen und Zutun eingeschaltet (Wanzenfunktion, was hätte sich die Stasi über so etwas gefreut); die App kann dein Handy für Fake-Identitäten nutzen, läuft immer, kontrolliert und nutzt darüber hinaus NFC und Bluetooth und ermittelt alle relevanten technischen Daten deiner Handynutzung. Sollte dein E-Mail-Verkehr über das Handy laufen, dann wird das selbstverständlich auch abgehört und aufgrund der Ermittlung aller technischen Daten beinhaltet die App prinzipiell eine Keylogger-Funktion, gegen die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nichts nützt.

All das ist ganz und gar nicht illegal, denn du hast dem ja im Zuge der Installation zugestimmt. D. h. so ein zur ultimativen Wanze umfunktioniertes Smartphone sammelt alles über dich und dein Umfeld was es kriegen kann und übermittelt es im Rahmen der Fernsteuerung an irgendwen, den du nicht kennst – und den deine Lebensumstände auch nichts angehen. Über Telefon-ID, Telefonnummer und Namen sind alle diese Daten eindeutig zuzuordnen und – wie schon gesagt – alles völlig legal, denn du hast dich ja damit einverstanden erklärt. Nun geht dir aber selbstverständlich der Datenschutz über alles – nicht mal deine Mailadresse gibst du raus, damit keiner mit der Unfug anstellen kann – und daher würdest du so eine Spy-App natürlich niemals auf deinem Handy installieren, nicht wahr?

Hast du eigentlich WhatsApp auf dem Handy? Falls ja, dann ruf mal die „Einstellungen“ auf und anschließend die „Apps“. Da gehst du auf „Alle Apps“ und suchst „WhatsApp“. Das tippst du an. Es erscheint die „App-Info“. Bei der gibt’s eine Rubrik, die sich „Berechtigungen“ nennt: Da drauf tippen. Interessant, was jetzt alles zum Vorschein kommt, nicht wahr? Da hättest du nie mit gerechnet, weil das ja alle verwenden und sowas wie Ausforschen immer nur anderen ganz woanders und sehr weit weg passiert. Außerdem stört dich das ja auch alles nicht, weil du nichts zu verbergen hast. Deswegen lässt du zuhause ja auch immer die Haustür sperrangelweit offen und schließt dein Auto niemals ab oder etwa nicht? Alle Menschen sind von grundauf ehrlich … Sicher, einige der Berechtigungen kann man – das entsprechende Betriebssystem voraus gesetzt – abschalten. Aber dann nützt dir die App nichts mehr, weil sie nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

Nun stell‘ dir vor, dass du noch zusätzlich ein Soziales Netzwerk benutzt, sagen wir mal Facebook oder/und Instagram. Die sammeln auch deine Daten. Die gehören zum gleichen Konzern. Zusammengeführt ist das Geschäft mit deinen persönlichsten, privatesten Angaben garantiert noch sehr viel größer. Aber das würde so ein Konzern, selbstlos wie er nun einmal ist, garantiert niemals tun und den Verdienst natürlich sausen lassen! Deswegen nennt sich das Netzwerk ja auch „sozial“ … 😦