Fake News sind Falschmeldungen. Warum werden Falschmeldungen lanciert? Weil sie die Meinung in eine ganz bestimmte Richtung beeinflussen. Das ist offiziell nicht wirklich erwünscht; man sollte sich doch besser an die Tatsachen halten. Sehe ich auch so. Inoffiziell hingegen … Deswegen gibt es bei verschiedenen, sozialen Netzwerken die so genannten „Faktenchecker“. An sich ist das auch gar keine so schlechte Idee, aber … Nehmt mal irgendein x-beliebiges Nachrichtenportal. Nehmt mal irgendeinen Artikel aus dem Portal (ganz heißer Tipp: Russen-Bashing oder Energiekrise) und seht euch den bzw. dessen Tenor in einem anderen Nachrichtenportal an. Fällt euch was auf? Irgendwie wird da immer die gleiche Meinung vertreten und kritische Meinungsäußerungen gibt es kaum. Man könnte zwar glatt an eine Art von „Gleichschaltung“ denken (das zumindest drängt sich auf), doch ich will hier keine unzulässigen Vergleiche ziehen.

Eine solche „Gleichschaltung“ ist mit Zensur gleichzusetzen. Natürlich findet bei uns keine Zensur statt, steht ja sogar im Grundgesetz. Zumindest findet offiziell keine Zensur statt. Deswegen ist es auch verboten zu sagen, dass eine Zensur stattfindet. Aber vielleicht doch indirekt, durch die Hintertür, so quasi nach dem „Recht des Stärkeren“? Ich meine, es nützt keinem etwas, Recht zu haben und im Recht zu sein, wenn eine Gegenseite über Finanzmittel verfügt, die es ihr gestattet, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu prozessieren. Halten wir also fest: In einer Postdemokratie findet offiziell keine Zensur statt. Stattdessen kommt es zur „Meinungsbildung“ und für die ist im Regelfall das Finanzpolster in der Hinterhand ausschlaggebend. Für die „Meinungsbildung“ sind Unternehmen zuständig, welche die so genannten „Faktenchecker“ bereitstellen.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Checken die Faktenchecker wirklich die Fakten und wenn ja, nach welchen Kriterien? Bzw. wer bewacht die Wächter? Wenn man versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen, dann findet man … – Merkwürdigkeiten! Ich habe es versucht, nachdem binnen der letzten zwei Monate drei meiner Facebook-Beiträge gelöscht worden sind, da es sich angeblich um Fake News handeln würde.

Der erste Beitrag war das meinerseits geteilte Video von einer Möwe, die ein Stück Pizza klaut. Die Faktenchecker waren der Meinung, dass Möwen keine Lebensmittel klauen würden, es sich ergo um Fake News handeln müsse. Ich, nicht faul, konterte mit einem weiteren Beitrag, in dem die Karikatur einer Bratwurst klauenden Möwe von Stephan „Hösti“ Höstermann abgebildet wurde: Jeder an der Nordsee kennt die Gefahr durch die Luftpiraten! Das war der zweite „Fake-News“-Beitrag, verbunden mit der Verwarnung hinsichtlich einer 30-Tage-Sperre. Auffällig in diesem zweiten Fall: Es handelte sich ganz offensichtlich um Satire und ebenso offensichtlich war die unerwünscht. Der dritte Fall ereignete sich vor ein paar Tagen und betraf ebenfalls ein ganz offensichtlich satirisches Posting. Da hatte ich nämlich ein Bild geteilt, bei dem es sich nur um Satire handeln konnte (weil es „Baerbocks Kleine Elektro-Fibel“ gar nicht gibt).

OK – Satire darf eben nicht alles. Vor allem dann nicht, wenn sie gewissen Herrschenden ein Dorn im Auge sein könnte – China und Nordkorea lassen grüßen! Na ja, nicht ganz so krass. Aber wieder mit einer Sperr-Androhung – zwecks Unterdrückung der Meinungsfreiheit oder was?!? Facebook ist natürlich *achtung_satire_ein* völlig transparent *achtung_satire_aus* und gestattet es, nach der Ursache einer Einstufung als Falschinformation – sprich Fake News – zu recherchieren. Machte ich!

Die weitere Suche führte zu einer Seite, auf der folgendes zu erfahren war (Zitat): „Wie werden unabhängige Faktenprüfer auf Facebook ausgewählt? Unabhängige Faktenprüfer auf Facebook unterliegen als Unterzeichner dem Code of Principles des International Fact-Checking Network. Unabhängige Faktenprüfer untersuchen Meldungen mittels journalistischer Ressourcen, um den Wahrheitsgehalt einer Meldung nachzuweisen.“ Hm … – da steht was von „journalistischen Ressourcen“. Bedeutet das nicht letztlich, dass etwas, was schon durch die Medien gegangen ist, als wahr und etwas, was man da nicht findet, als falsch gekennzeichnet wird?

Im vorliegenden Fall stand da auch was von „dpa-Faktencheck“ (vgl. obiges Bild). Na gut suchen wir mal nach „dpa-Faktencheck“, um zu ermitteln, wie die vorgehen! Gleich der allererste Satz sticht ins Auge (Zitat): „Der dpa-Faktencheck ist streng genommen ein Behauptungs-Check.“ Wie jetzt?!? Geprüft wird die freie Meinungsäußerung eines x-beliebigen Bürgers anhand von journalistischen Quellen? Dazu fällt mit eine beinahe schon 50 Jahre alte Folge von „Papa, Charly hat gesagt …“ ein – Auszug aus der Folge „Pressefreiheit“: Sohn: „Ist das bei allen Zeitungen so?“ Vater: „Selbstverständlich. Jeder Verleger muss Rücksichten nehmen.“ Sohn: „Damit er Geschäfte macht …“ Vater: „So ist es.“ Sohn: „… und nicht sagt, was wirklich los ist.“ Vater: „Wenn man sich genauer informieren will, kann man ja noch andere Zeitungen lesen. Wie du siehst, abonniere ich zwei Zeitungen.“ Sohn: „Vom selben Verleger.“ Die Prüfung erfolgt nicht auf Fakten hin sondern stattdessen auf Behauptungen, mithin also auf Meinungen? Äh… Eigentlich hatte ich anderes erwartet! Allerdings bestätigt das die Meldungen, in denen Facebook wegen Streichungen, Löschungen und Sperren vor Gericht den Kürzeren gezogen hat.

Aber sei’s drum! Der so genannte Faktencheck fällt damit streng genommen in die Kategorie „Meinungsmache“ und lässt nur solche Meinungen zu, die dem Konzern auch genehm sind. Das kennt man ja auch aus dem Hause Google! Was mich dann aber doch noch interessierte war, ob Facebook direkt mit dpa zusammenarbeitet oder ob es da noch zwischengeschaltete Unternehmen gibt. An der Stelle wurde es dann pikant. Die Süddeutsche Zeitung brachte dazu im Jahr 2016 einen interessanten Artikel. Danach ist die Bertelsmann-Tochter „Arvato“ maßgeblich für die Zensu… – äh – Korrektur verantwortlich. Bertelsmann, da war doch was? Genau, die heimliche Regierung, offiziell in beratender Funktion, von Mitgliedern aus der Liste der 500 reichsten Deutschen.

Selbstverständlich will ich hier keinesfalls irgendwem irgendetwas unterstellen; ein Schuft wer Böses dabei denkt. Es ist ja auch nur reiner Zufall, wenn über Jahrzehnte hinweg ein CDU-Abgeordneter „Senior Vice President Media Development“ von Bertelsmann die EU-Politik maßgeblich beeinflusst hat. Der in Fachkreisen „Mr. Bertelsmann“ genannte Herr wusste aber angeblich immer Lobbyismus und Politik messerscharf zu trennen. Außerdem darf Facebook rechtlich zulässige Meinungsäußerungen ja gar nicht löschen und dieses Recht kann man sogar einklagen – sofern man es sich leisten kann. Wenn man es sich nicht leisten kann dann verschwindet man nicht in irgendeinem Knast oder Lager. Dann wird man wirtschaftlich ruiniert. Das ist der größte Unterschied zu den totalitären Regimen und vielleicht auch die größte Errungenschaft der Postdemokratie.

Wenn ich all das zusammen nehme, dann wird mir angst und bange. Was noch relativ harmlos mit zensier… – äh – als Fake News eingestufter (verbotener?) Satire begann, das hat nach relativ kurzer Recherche Ausmaße angenommen, bei denen einem die Ohren schlackern. Noch hat bei uns die Zensur nicht die Ausmaße erreicht, die sie in totalitären Regimen hat – noch längst nicht. Allerdings geht man hierzulande auch sehr viel subtiler vor. Man schützt die Menschen vor Falschinformationen. Ich hatte früher schon mit entsprechenden Zensurmaßnahmen zu tun und das mehr als nur einmal. Facebook und Google sind somit absolut keine Einzelfälle.

Vielmehr findet sich die Meinungsmache – oder anders augedrückt die vorsätzliche und bewusste Manipulation der Bürger – als reguläres, legales Instrument überall. Wobei der Faktencheck in Bezug auf vermeintliche Fake News sogar noch einen Zirkelschluss vollzieht, indem er die Meinungsmache (man erinnere sich an die „journalistischen Ressourcen“) als Begründung für die Einstufung als Fake News heran zieht. Schützen wir aber nicht vielleicht auf diese Weise genau das zu Tode, was an unserer (Rest-) Demokratie noch schützenswert ist? Merke: Kritische Gedankengänge gehören sich nicht – nicht mal in Form von Satire! Hatten wir das nicht schonmal? Sogar in zwei früheren deutschen Staaten? 😦