Meine Kinder sind erwachsen und können auf sich selbst aufpassen. Meine Frau und ich haben nie zu den so genannten Helikopter-Eltern gehört, weil es eben wichtig ist, dass Kinder ihre Erfahrungen selbst machen. Eine wirklich völlig kindersichere Wohnung bekommt man sowieso nicht hin (eher scheitert man als Erwachsener an der Kindersicherung als dass ein Kind das tut) und außerdem sind Kinder maßlos erfinderisch, sobald es um’s Experimentieren geht. Für ein unerfahrenes Kind ist aber alles erst einmal ein Experiment! Wenn die Kids früher irgendwelchen Blödsinn vorhatten – ich war ja selbst nicht anders – dann habe ich denen die Gefahren erklärt. Sobald die den Blödsinn dann aber trotzdem durchzogen, sagte ich regelmäßig: „Wenn du meinst, dass du das machen musst, dann mach‘ ruhig – ich hole schonmal Pflaster und Verbandsmaterial.“

Später, nach einigen (schmerzhaften) Erfahrungen genügte meist ein Blick von mir und die Bemerkung „Ich hole schonmal Pflaster!“ um das Töchterchen von ihrem Vorhaben abzubringen: Lektion gelernt! In einem einzigen Punkt allerdings bin ich immer steinhart geblieben und das war der elektrische Strom. Da gab’s knallharte Verbote. Das war zwar nicht immer so, wurde aber zum Standard, als ich eines schönen Abends unter der Dusche plötzlich im Dunkeln stand, weil die Große unbedingt ausprobieren musste, was passiert, wenn man die beiden Bananenstecker eines 12V-Ventilators jeder Kindersicherung zum Trotz in die Steckdose prokelt. Ist durch rechtzeitiges Ansprechen der Sicherung auch nichts weiter passiert, außer einem wirklich verdienten Schrecken für das Kind und der Tatsache, dass einzelne Teile des Ventilators plötzlich eine Irrsinsbeschleunigung erreichten.

Aber es muss gar nicht mal der Haushaltsstrom oder die Autobatterie sein. Wenn ich in einem Haushalt, in dem sich Kinder befinden, lose rumliegende Knopfzellen sehe, dann könnte ich kotzen! Dann werde ich i. d. R. auch äußerst sarkastisch, bis hin zum Rauswurf durch den Gastgeber. Warum? Weil sich kaum irgendwelche Eltern Gedanken darüber machen, was für verheerende Folgen das Verschlucken von so einem Teil – und zwar in Rekordzeit! – nach sich zieht. Sicher, da steckt dann ein Fremdkörper in Speiseröhre, Magen oder Darm. Der kann im Krankenhaus wieder rausgeholt werden – irgendwie jedenfalls. Aber es ist nicht irgendein Fremdkörper. Es handelt sich nämlich um einen Energiespeicher. Der gibt, durch die Körpersäfte kurzgeschlossen, seine Energie an das umliegende Gewebe ab. Und was dann Ekliges passiert …

Dazu habe ich einen kleinen Versuch gemacht. Ist ganz einfach und kann jeder nachmachen. Man braucht zwei Scheiben Bierschinken (entspricht dem in Mitleidenschaft gezogenen Gewebe) und eine Knopfzelle. Ich habe als Knopfzelle aufgrund ihrer Größe (damit es sich besser fotografieren lässt) die 3V-Lithiumzelle aus unserer Küchenwaage gewählt (und die Zelle war am Versuchende NICHT leer!). Eine Scheibe des Bierschinkens wird auf eine Untertasse gelegt. Mittig da drauf kommt die Knopfzelle. Die zweite Scheibe Bierschinken bedeckt das. Jetzt heißt es abwarten und beobachten. Was beobachten? Das zeigt die folgende Fotoserie. Nach knapp einer Stunde brach ich den Versuch dann ab, weil es schon eklig und schlimm genug aussah.


Der grundlegende Versuchsaufbau.

Minute 0: Der Versuch hat begonnen.

Minute 8: Wenn man genau hinsieht, dann deutet sich eine Verfärbung des Fleisches an und es ist etwas rissiger geworden, untrüglicher Hinweis auf erste Verbrennungen.

Minute 15: Die Verfärbung ist jetzt deutlicher sichtbar u. d. h. das Gewebe beginnt sich zu zersetzen.

Minute 20: Die Verfärbung wird dunkler, was untrüglich auf Nekrosen hindeutet.

Minute 26: Rings um die Knopfzelle ist nun deutlich ein schwarzer Ring erkennbar und das bedeutet, dass Gewebe im Körper und im Falle des Verschluckens einer Knopfzelle bereits im merklichen Umfang abgestorben wäre.

Minute 33: Das Absterben von Gewebe – die Nekrose – schreitet voran.

Minute 37: Die Nekrose wird immer größer und deutlicher.

Minute 50: Unübersehbar abgestorben …

Minute 58: Die Nekrose wird jetzt nur noch zwar langsamer, aber unaufhaltsam größer.

Versuchsende: Die Knopfzelle ist nicht zersetzt u. d. beweist, dass die Verfärbung des Gewebes nur durch den Strom passiert sein kann.

Schiebt man die Knopfzelle beiseite, dann zeigt sich am Pluspol die nekrotische Gewebszerstörung und am Minuspol wird das Fleisch gegart.

Betrachtet man diese Fotostrecke, dann ist unschwer davon auszugehen, dass nach dem Verschlucken einer Knopfzelle binnen schlapper fünf Minuten bereits erste innere Verbrennungen auftreten können. Nach nur einer Viertelstunde sind erste nekrotische Gewebsveränderungen unausweichlich. Preisfrage: Wie lange dauert es bis ein RTW vor Ort ist und bis im Krankenhaus durch Röntgenuntersuchung die genaue Lage des verschluckten Fremdkörpers festgestellt werden kann? Bei vielen Nekrosen ist die chirurgische Entfernung des abgetöteten Zellmaterials das Mittel der Wahl.

Wenn also ein Kind eine Knopfzelle verschluckt haben sollte, dann ist das Warten darauf, dass die irgendwann wieder auf natürliche Weise von selbst rauskommt, das Falscheste was man tun kann! Übrigens: Was ich hier über Kinder gesagt habe, das gilt sinngemäß auch für zur Gefahrenabschätzung unfähige geistig behinderte Personen sowie für schwer demenzkranke Senioren, die nur allzu gern die Knopfzellen aus ihren Hörgeräten rausprokeln!