Ein Vater mit Beziehungen ruft seinen Kumpel im Bundestag an: „Du, sag‘ mal – mein Sohn findet keinen Job. Könntest du den nicht irgendwo bei euch mit unterbringen?“ Entgegnet das MdB: „Was kann er denn?“ „Gar nichts!“ „Perfekt – dann müssen wir ihn nicht erst einarbeiten!“
(Fundsache im Netz)

Eine unserer Regierungsparteien hat sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben und praktiziert nun das genaue Gegenteil. Mehr noch: Sie handeln als Vasallen der USA und meiner Meinung nach gegen die Interessen ihrer Wähler. Aber das ist ein anderes Thema und da will ich auch gar nicht drauf raus. Unser Erdgas haben wir in der Vergangenheit über Nordstream 1 aus Russland bezogen. Am Erdgas hängt nicht nur der Heizbedarf der Haushalte sondern auch die Strom-, Chemie- und Stahlproduktion und damit am Ende der Kette unsere gesamte Wirtschaft. Viel Erdgas zu verbrennen bedeutet nun konsequenterweise aber leider auch, viel Treibhausgas – nämlich CO2 – zu erzeugen. Um die deutsche Erdgasversorgung sicher zu stellen wurde die Pipeline Nordstream 2 gebaut. Sie ist betriebsbereit, ging aber nie in Betrieb, weil unsere Regierung das Projekt stoppte. Ob das auf Geheiß der USA (denen unsere Gasversorgung schon lange ein Dorn im Auge war) und gegen unsere ureigenen Interessen geschah sei mal dahin gestellt. Jedenfalls geschah das noch VOR dem Ukraine-Krieg und die Russen waren deswegen mächtig angepisst (wäre ich an deren Stelle auch gewesen), so dass sie uns jetzt das Gas so ziemlich ganz abgestellt haben. Da bewahrheitet sich ein altes Sprichwort: „Wie man in den Wald hinein ruft so schallt es heraus.“

Wir müssen unseren Gasbedarf folglich anderweitig decken. Da trifft es sich gut, dass „rein zufällig“ ca. 15% des Bedarfs durch den Import von US-amerikanischem Fracking-Gas abgefangen werden könnten. Nun ist Fracking so ziemlich die schmutzigste und gefährlichste Technologie zur Gasgewinnung. Macht aber nichts, denn nach der Aufreinigung mutiert die Umweltsauerei ersten Ranges zum (Liquid) „Natural“ Gas – so genanntes LNG – und erhält damit sogar noch so etwas wie einen grünen Anstrich. Allerdings entsteht bei der Verbrennung genauso CO2 wie bei der Verbrennung von russischem Gas. Im Urlaub umwanderten meine Frau und ich das „Hooksmeer„. Außerhalb des Waldes fiel uns ziemlich dicht am Waldrand eine gigantische und sich über zig Kilometer hinziehende Baustelle auf, der große Flächen von Naturlandschaft zum Opfer fielen. Gerüchteweise erfuhren wir, dass dort die Pipeline gebaut wird, die LNG vom Terminal vor Wilhelmhaven zum Festland transportieren soll.

Just an dem Tag gingen mir ein paar Fragen durch den Kopf: Was kostet das LNG-Terminal eigentlich? Wieviel Wasserstoff kann man unserem Erdgas beimischen ohne dass Brenner und Heizungsanlagen Schaden nehmen? Wäre es nicht vielleicht möglich, anstelle des LNGs auf Elektrolyseure „von der Stange“ und auf Wasserstoff zu setzen um wirklich unabhängig zu sein? Würde das nicht den Klimazielen nützen und somit wirklich das Prädikat „grün“ verdienen? Wieviel Platz bräuchte man dafür? Rechnet sich das? Um alle diese Fragen beantworten zu können benötigt man Zahlen. Ich beschloss an dem Tag, nach unserer Rückkehr bei Gelegenheit mal etwas nach solchen Zahlen zu recherchieren um die Sache mal grob durchkalkulieren zu können. Das habe ich inzwischen gemacht – und bin baff erstaunt, dass nach wie vor dem Fracking-Gas der Vorzug gegeben wird: Das ist ja gerade so, als würde man Politik für große Unternehmen und nicht für das Volk machen – hm…

Betrachten wir also einmal die Zahlen. Ich muss dabei aber einschränken und voraus schicken, dass ich nur Zugriff auf öffentlich zugängliche Quellen habe und deren Angaben nicht überprüfen kann. Insofern ist alles das, was jetzt folgt, kritisch zu betrachten und mit Vorsicht zu genießen. Da ist erst einmal der deutsche Gasverbrauch. Der wird mit 90,5 Milliarden Kubikmeter/a beziffert. Das sind umgerechnet 250 Millionen Kubikmeter/d. Wie den Medien zu entnehmen war, kann man nur 15% davon durch Fracking-Gas ersetzen. Die TH Köln hat festgestellt, dass selbst bei 30% Zumischung von Wasserstoff (H2) zum Erdgas keine Gefahr für Pipelines, Brenner usw. besteht. Die Energieversorger EnBW und Avacon haben mit 20% H2 die Probe auf’s Exempel gemacht und das funktionierte. Bleiben wir also bei den 20% Zumischung: 18 Milliarden Kubikmeter/a könnte der H2-Anteil für ganz Deutschland betragen.

Nun muss der Wasserstoff aber auch irgendwo her kommen. Er wird mit Elektrolyseuren aus Strom und Wasser erzeugt. Strom und Wasser haben wir: Offshore-Windkraftanlagen sowie Nord- und Ostsee. Bleiben also noch die Elektrolyseure. Es wäre doch schön, wenn man dabei auf Anlagen „von der Stange“ zurückgreifen könnte, damit man nicht das Rad neu erfinden muss. Was bietet der Markt diesbezüglich an und wie leistungsfähig sind solche Anlagen? Eine Marktübersicht zeigt, dass die leistungsfähigsten Anlagen dieser Art die Größe eines LKW- bzw. Schiffscontainers haben und 90kg H2 pro Stunde erzeugen. Das sind ungefähr 2t/d.

Jetzt kommt etwas frickelige Umrechnerei, denn bei den Elektrolyseuren wird der Output als Gewicht (Tonnen) angegeben und der Gasbedarf in Deutschland wird mit einem Volumenmaß (Kubikmeter) beziffert. Kann man aber umrechnen, und zwar über das Molvolumen. Danach nehmen 2,016g H2 bei Raumtemperatur (25°C) ein Volumen von 24,7l, entsprechend 0,0247m³, ein. Zurück zum Elektrolyseur: Der schafft 2t/d an H2. Das sind 2.000kg/d bzw. 2.000.000g/d. Umgerechnet über das o. e. Molvolumen ergibt das 0,99 Millionen Mol oder 24.450m³ an Wasserstoff täglich. Teilt man nun die 250.000.000 Kubikmeter täglichen Erdgasbedarfs (vgl. oben) durch diesen Betrag, dann kommt man für 100% Wasserstoffversorgung auf 10.225 Elektrolyseure. Rechnet man, weil ja auch mal eine Anlage ausfallen kann, noch etwas Reserve mit hinzu dann landen wir bei rund 11.000 Elektrolyseuren für die Gesamtgasversorgung Deutschlands. Das ist viel. Aber das relativiert sich auch wieder. Das wären ungefähr zweieinhalb Containerfrachter vom Format der „Magleby Maersk„. Oder, wenn man entlang unserer gesamten Küstenlinie rund hundert kleinere Stationen aufbauen würde (was sich schon allein aus Gründen der Sicherheit empfiehlt), Flächen für jeweils 110 Container und so etwas ist durchaus handhabbar.

Fracking-Gas kann 15% unserer Gasversorgung ersetzen. Würden wir stattdessen Wasserstoff nehmen, dann bräuchten wir nicht mehr 11.000 Elektrolyseure (denn die entsprechen ja 100%), sondern nur noch 1.650 der Anlagen. Damit sind wir bei der Kostenfrage angekommen. Die Kosten des LNG-Terminals vor Wilhelmshaven werden derzeit mit 1,5 Milliarden Euro beziffert. Das ist der Richtwert, an dem sich der Wasserstoff messen lassen muss. Leider ist es mir nicht möglich gewesen, die Kosten für einen der o. e. Elektrolyseure in Erfahrung zu bringen. Stattdessen werden immer nur Kosten gemessen an der Leistung genannt. Derzeit ist bei den Anlagenkosten im ungünstigsten Fall von 380 Euro/kW auszugehen. Ein 90t/d erzeugender Elektrolyseur macht lt. technischen Daten 4.300kW und würde demnach mit ungefähr 1.634.000€/Stück zubuche schlagen. Rechnen wir der Einfachheit halber mit rund 1,7 Millionen Euro pro Container.

Um das Fracking-Gas zu ersetzen – und um hinsichtlich der Gasversorgung wirklich unabhängig zu werden – würden wir 1.650 Anlagen multipliziert mit 1,7 Millionen Euro benötigen. Das sind Kosten i. H. v. 2,8 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Investitionskosten verdoppeln sich beinahe gegenüber dem LNG-Terminal bei gleicher Leistungsfähigkeit. Aber hätte es sich nicht vielleicht doch lohnen können, dieses Geld auszugeben anstatt auf fossile Energiequellen zu setzen? Denn die Vorteile eines solchen Einstiegs in die Wasserstofftechnologie liegen auf der Hand: Unabhängigkeit von schmutzigem Fracking-Gas, Unabhängigkeit von Gasimporten und keine CO2-Emissionen. Zuletzt gäbe es da noch etwas zu berücksichtigen, nämlich den Heizwert. Der ist bei Wasserstoff rund viermal größer als bei Erdgas u. d. h. mit einer 20%igen Wasserstoff-Zumischung zum Erdgas ließen sich rein auf die Heizleistung bezogen nochmal gut 50% des Erdgases einsparen und das ist ja auch schonmal ’ne Hausnummer.

Hätte man alles ja mal durchrechnen und machen können, bevor man mit Fracking-Gas und LNG-Terminal angefangen hat. Das wäre ökologisch und „grün“ gewesen. Hat man aber nicht gemacht. Und da stellt sich mir die Frage: Wie umweltbewusst ist diese vermeintlich „grüne“ Regierung eigentlich wirklich? Trägt die ihr Ökosiegel nur wie ein Feigenblatt vor sich her, während weitergemauschelt wird wie bisher oder sind die einfach nur inkompetent? Oder – noch schlimmer – beides? Ich bin ganz sicher nicht antiamerikanisch, aber kann es unter dem Strich betrachtet nicht vielleicht auch sein, dass bei uns die Verbraucher über Umwege im Endeffekt mit der Gasumlage für die Kriegslüsternheit eines gewissen „Bündnispartners“ zur Kasse gebeten werden? Geht’s nicht vielleicht auch ganz anders?

„Manchmal frage ich mich, ob die Welt von klugen Menschen regiert wird, die uns zum Narren halten – oder von Schwachköpfen, die es ernst meinen!“
(Mark Twain, 1835-1910)