Urlaubserinnerungen in Form von Fotos sind eine schöne Sache, denn dann kann man im Nachhinein nochmal daran zurück denken und sich erneut über die (hoffentlich) schönen Tage des Jahres freuen. Gleiches gilt selbstverständlich auch für besondere Ereignisse wie Hochzeit, Nachwuchs, runde Geburtstage, neues Haus usw. Wesentlich gefälliger werden solche Bilder, wenn man sie als Diashow präsentieren kann und eine weitere Aufwertung erfahren sie, wenn besagte Diashow aus einem vertonten Filmchen besteht. Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen. All das kann man mit Windows-Freeware realisieren. Vorab aber erst einmal ein paar Grundvoraussetzungen.

Erfahrungsgemäß ist zumindest bei mir etwa jedes dritte Foto eingermaßen brauchbar. Dieser Wert mag aber individuell variieren. Für eine Stunde an Diashow werden daher ca. 400 gute Bilder bzw. 1.200 Rohaufnahmen benötigt. Die Rohaufnahmen sollten das Maß von 2048*1536px nach Möglichkeit überschreiten, da man dieses Maß als Minimum benötigt und da sich bei größeren, nicht perfekten Aufnahmen so immerhin noch recht brauchbare Ausschnitte anfertigen lassen. Die brauchbaren Bilder sind zu bearbeiten, was bei der genannten Bildanzahl und etwas Übung ungefähr eine Woche an Zeit erfordert. Für die fertig bearbeiteten Bilder muss man dann für die Diashow (nicht für den Film) noch einmal etwa zwei Tage an Arbeitszeit hinzu rechnen. Das alles setzt einen PC voraus, der mit viel RAM (es sollten schon 16GB sein) und hinreichend freiem Plattenspeicher von mindestens 15GB bestückt ist, denn andernfalls funktioniert es nicht. Um vom Bild zum Video zu gelangen sind anschließend folgende Arbeitssequenzen vonnöten: Bildbearbeitung, Videoerstelllung, Tonspurerstellung, Nachvertonung, Kontrolle und das Aufräumen. Ich will nachfolgend einmal in Stichworten (die Details dazu könnten ganze Bücher füllen) erläutern, welche Einzelschritte in der jeweiligen Arbeitssequenz durchzuführen sind.

Bildbearbeitung:

An Freeware benötigt man

* IrfanView (Portabel)

* Photoscape (Portabel)

* GIMP (Portabel)

* MS ICE (Installer)

* JPG Illuminator (Portabel)

* HoneyView (Portabel)

Zusätzlich erforderlich ist natürlich noch der Windows-Explorer, mit man tunlichst umgehen können sollte. Was macht man nun hinsichtlich der Bearbeitung? Hier sind die Einzelschritte in Kurzfassung.

  • Zuerst wird alles Verwackelte gelöscht.
  • Alles Brauchbare wird rausgesucht.
  • Jedes brauchbare Bild ist separat zu bearbeiten.
  • Ggfs. müssen dabei Ausschnitte angefertigt werden.
  • Ggfs. ergänzt man das Ganze durch Google-Downloads von Beschilderungen, Landkarten o. ä. um sich Beschriftungen zu ersparen.
  • Für die Diashow werden Bilder von 2048*1536px gebraucht (kleiner führt zum Verpixeln und größer zu Kompatibilitätsproblemen auf unterschiedlichen Wiedergabegeräten).
  • Mit IrfanView fertigt man Ausschnitte an und führt man die Größennormierung durch.
  • Mit Photoscape wird bei Bedarf die Lage korrigiert (also kein schräger Horizont, bergauf fließendes Wasser oder sowas).
  • GIMP ist das Mittel der Wahl für Filterungs- und Schärfungsaufgaben sowie für alles was mit Ebenen zu tun hat und für etwaig erforderliche Beschriftungen (Beschriftungen können umso sparsamer ausfallen, je besser man Schilder, Landkarten, Flyer o. ä. integriert).
  • Mit MS ICE werden Panoramafotos zusammengesetzt (ggfs. mit IrfanView vor der weiteren Bearbeitung verkleinern damit der PC nicht aussteigt).
  • Der JPG Illuminator ist unerlässlich für Feinarbeiten bzg. Ausleuchtung, Aufhellung, Farben, Sättigung, Kontrast, Kontrastausgleich, Farbstichminimierung etc.
  • Im Windows-Explorer werden alle bearbeiteten Aufnahmen durch Umbenennen der Dateien in die korrekte Reihenfolge gebracht.
  • Die Kontrolle der Diashow geschieht mit HoneyView.

Die Einzelbild-Diashow steht damit und es kann mit dem Video weitergehen.

Videoerstellung:

An Freeware benötigt man

* MiniTool Movie Maker (Installer)

* VLC (Portabel)

* XMedia Recode (Portabel)

Zumindest bei mir ist der MiniTool Movie Maker das Mittel der Wahl, denn damit funktioniert es am bequemsten. Die Freeware läuft zwar theoretisch noch mit 8MB RAM, erfordert praktisch aber 16MB RAM (eine nicht ganz so gute Alternative für PCs mit weniger RAM ist der Bolide Slideshow Creator, doch muss bei dem im Gegensatz zum MiniTool Movie Maker alles pixelgenau die exakt gleiche Größe haben). Wie ist nun vorzugehen?

  • Zuerst die Einzelbilder-Diashow in etwa vier bis sechs gleichgroße Teile (je nach Bildanbzahl) aufteilen, so dass man es pro Teil mit 70-80 Fotos zu tun hat (andernfalls wird’s unübersichtlich).
  • Die Bilder unter dem MiniTool Movie Maker laden.
  • Anschließend die Bilder EINZELN in der korrekten Reihenfolge auf die Timeline ziehen.
  • Kontrollieren ob alles OK ist (denn die Software legt öfters mal Doubletten an, die manuell zu löschen sind).
  • Die Darstellungszeit jedes EINZELNEN Bildes justieren; sie sollte etwa 8,5-9 Sekunden (bei Beschriftung und Panos auch länger; bis 10 Sekunden) betragen.
  • Die Übergänge zwischen den Bildern EINZELN einfügen.
  • Kontrollieren ob alle Übergänge vorhanden sind (manchmal „unterschlägt“ die Software die).
  • MP4-Export mit einer Auflösung von 1280*720px (liegt auf dem TV zwischen HDready und FullHD, wg. etwaigen Kompatibilitätsproblemen NICHT größer) und mit einem die eindeutige Zuordnung erlaubenden Namen
  • Den zweiten bis vierten bzw. sechsten Teil der Diashow in gleicher Weise bearbeiten (dauert).
  • Es liegen jetzt 4-6 MP4-Filmteile vor.
  • Jeden einzelnen Teil mit VLC kontrollieren ob es OK ist.
  • Alle MP4-Filmteile unter MiniTool Movie Maker laden.
  • Die Filmteile EINZELN in korrekter Reihenfolge auf die Timeline ziehen.
  • Kontrollieren ob alles OK ist.
  • Die Übergänge wieder EINZELN einfügen.
  • MP4-Export mit einer Auflösung von 1280*720px (nicht größer, vgl. oben).
  • Kontrolle mit VLC dahingehend ob alles OK ist.
  • Mit XMedia Recode in XViD-MP3-AVI konvertieren (Größe KEINESFALLS ändern).
  • Kontrolle mit VLC dahingehend ob alles OK ist.
  • Laufzeit des Videos notieren.

Damit liegt die Diashow quasi als Stummfilm und in einem zwar undokumentierten, dafür aber megakompatiblen Format vor. Nun fehlt es noch am Sound.

Tonspuranfertigung:

Als Freeware benötigt man

* MP3 Quality Modifier (Portabel)

* No23Recorder (Portabel)

* CDex (Portabel)

* mp3 DirectCut (Portabel)

* MergeMP3 (Portabel)

* Audacity (Portabel)

* Wavosaur (Portabel)

Zusätzlich bedarf es noch des Windows-Explorers sowie einer beliebigen MP3-Player-Software. Nützlich sind auch Online-Pegel-Normierer wie MP3Louder oder Audiotrimmer. Wenn alles vorhanden ist lässt es sich wie folgt vorgehen.

  • Zuerst thematisch zu den Bildern passende Musik (gerne MP3) raussuchen, wobei alle Files hinsichtlich Verfahren und Bitrate einerseits sowie Modus und Abtastrate andererseits unbedingt absolut identisch sein müssen, damit es später nicht zu Aussetzern, Hängern oder gar Abstürzen kommt.
  • Im Bedarfsfall wird daher alles mit dem MP3 Quality Modifier hinsichtlich exakt gleicher Spezifikationen normiert (Verfahren Constant, Modus Stereo, Rate 128kbps, Abtastrate 44100Hz – läuft überall).
  • Die addierte Laufzeit der Titel sollte der Videolaufzeit entsprechen oder sie knapp (1-4 Sekunden) unterschreiten (niemals überschreiten, da der Ton sonst abgehackt wird).
  • Wenn es nicht reicht dann lassen sich Pausen in Form von Stille einfügen.
  • Stille generiert man als Wave mit No23Recorder, indem eine Aufnahme bei abgeschalteten Inputs vorgenommen wird.
  • Die Wave-Stille anschließend mit CDex in MP3 umformen (gleiche technische Spezifikationen wie oben).
  • Mit mp3 DirectCut kann die Länge der benötigten Stille exakt zugeschnitten werden, dabei ist es praktisch sinnvoll, 6-Sekunden-Stille zu erzeugen und ggfs. mehrfach zu verketten.
  • Nun die Soundfiles so kombinieren, dass sie der Videolaufzeit entsprechen oder sie knapp (1-4 Sekunden) unterschreiten.
  • Die Dateien im Windows-Explorer durch Umbenennen in die korrekte Reihenfolge bringen.
  • Mit MergeMP3 alles zu einem großen Soundfile verketten.
  • Diese große Sounddatei mittels beliebigem MP3-Player kontrollieren.
  • Ihre Aufwertung ist durch thematisch passende Geräusche (Bachplätschen, Vogelrufe, Brandung, Möwen etc.) anstelle der Stille sinnvoll.
  • Entsprechende Sounds liefert YouTube und daher dort danach suchen.
  • Solche Geräusch-Sounds mit mit einem beliebigem YouTube-Downloader als Audio runterladen.
  • Anschließend mit mp3 DirectCut auf die benötigte Länge zuschneiden.
  • Den Pegel der Geräuschdatei auf 100% normieren, denn das vereinfacht das spätere Mischen.
  • Mit Audacity wird das ein- und Ausblenden der Geräuschdatei implementiert.
  • Anschließend die fertige Geräusch-Datei als Wave exportieren.
  • Nun den zuvor verketteten MP3-Soundfile mit CDex nach Wave konvertieren.
  • Die Geräusch-Datei unter Wavosaur laden (kann nur das Wave-Format), markieren und in die Zwischenablage schieben.
  • Den nach Wave konvertierten, verketteten Soundfile unter Wavosaur laden.
  • Im File an gewünscher Stelle eine Einfügemarkierung setzen.
  • Die Geräusch-Datei an dieser Stelle mittels „Paste and mix at marker“ zumischen.
  • Das bei allen stillen Abschnitten wiederholen.
  • Den fertig gemixten Sound als Wave abspeichern.
  • Die Tonspur mit CDex nach MP3 konvertieren.

An dieser Stelle sind jetzt zeitlich und hinsichtlich der Dateiformate zueinander passende, getrennte Ton- und Videospuren vorhanden. Erst damit kann es an die eigentliche Nachvertonung gehen.

Nachvertonung:

Als Freeware benötigt man

* Avidemux (Portabel)

Die Vorgehensweise ist nach den vielen Vorarbeiten denkbar einfach.

  • Tonloses AVI-Video unter Avidemux laden.
  • In der Software den AVI-Muxer einschalten.
  • Mit „Audio/ Tonspur wählen“ den mit CDex konvertierten MP3-Sound hinzufügen.
  • Abspeichern unter anderem Dateinamen.

Theoretisch wäre das Video damit fertig. Praktisch feht allerdings noch die Kontrolle dahingehend, ob wirklich alles auch so funktioniert wie es sein soll.

Kontrolle:

PCs sind bei etwaigen Fehlern i. d. Regel toleranter (zu tolerant), so dass Fehler dort nicht offensichtlich werden. Bei Fernsehern, DVD-Playern und Sat-Empfängern ist das nicht der Fall. Daher die vertonte AVI-Diashow auf einen USB-Stick kopieren, den Stick in Fernseher, DVD-Player, Sat-Empfänger o. ä. stecken und die AVI-Diashow starten. Wenn sie komplett mit Ton durchläuft ist alles OK. Bei Fehlern stockt bzw. hängt das Bild, fällt der Ton aus oder das Gerät stürzt sogar ab und muss neu gebootet werden. In dem Falle kann man hinsichtlich etwaiger Reparaturmaßnahmen aber immer noch auf die aus den gesamten Vorarbeiten bereits vorliegenden Dateien zurückgreifen um den Fehler zu beseitigen. Das ist zwar ätzend und dauert, geht aber immer noch sehr viel schneller als von vorne anzufangen.

Aufräumen:

Das „Großreinemachen“ bildet den letzten Schritt und darf niemals vergessen werden, denn man hat jetzt etliche Gigabyte, verteilt auf hunderte von Dateien, auf der Platte liegen. Erst dann, wenn alles AM FERNSEHER zufriedenstellend funktioniert, werden diese Dateileichen gelöscht (und müssen auch gelöscht werden, wenn man sich den PC nicht hoffnungslos zumüllen will). Das fertige Video mit den obigen Einstellungen ist megakompatibel, läuft praktisch überall und gehört umgehend gesichert.

Man sieht der fertigen Diashow nicht an, wieviel Arbeit darin investiert wird. Andererseits aber lohnt sich der Aufwand durchaus, denn erfahrungsgemäß schaut man sich so etwas doch öfter mal an als man ein Fotobuch zur Hand nimmt. Außerdem ist das schnell mal abgespielt, wenn man etwas zeigen will. Abschließend vielleicht noch ein paar Anmerkungen zu den gewählten Formaten (AVI-Container, Bildauflösung, MP3-Spezifikationen, Codecs etc.): Selbstverständlich lässt sich mit H.264 und AAC im MP4-Container eine merklich bessere Qualität erzeugen und auch Diashows in 4k-Auflösung sind durchaus möglich. Allerdings geht all das gewaltig zulasten der Kompatibilität. Mit den o. e. Daten ist es völlig egal, ob man die Diashow per USB-Stick an einen Flatscreen-TV, einen Sat-Receiver oder einen DVD-Player anschließt; auch Smartphone, Tablet oder x-beliebiger Computer machen keinen Unterschied: Es läuft überall – zigmal ausprobiert! Mit anderen Formaten hingegen ist das nicht der Fall und Fehlermeldungen a la „Die Datei kann nicht wiedergegeben werden“ „Unbekanntes Format“ finde ich total ätzend.