Vorab: Dieser Beitrag befasst sich mit einem Fehler, welcher ausschließlich bei Spiegelreflexkameras (Digital single-lens reflex camera „DSLR“) und bei spiegellosen Systemkameras (Digital Single Lens Mirrorless „DSLM“) auftritt, NICHT jedoch bei Kompakt- und Bridgekameras. Warum? Weil DSLR und DSLM Kameras mit Wechselobjektiven sind, Kompakt- und Bridgekameras jedoch nicht. Bei den letztgenannten Kameratypen bilden Gehäuse und Objektiv eine verkapselte Einheit, durch die kein Staub eindringen kann. Anders sieht es beim Objektivwechsel aus, denn das ist ein Einfallstor für kleine Staubkörnchen, die sich mit konstanter Bosheit auf dem beim Wechsel offen liegenden Sensor ablagern wollen – so etwas ist ist auch bei größter Sorgfalt unvermeidlich! Die DSLR ist hierbei sogar noch von Vorteil, denn bei ihr dient der Spiegel als erster „Staubfänger“. Bei der DSLM dagegen stellt sich dem Staubkorn gar nichts in den Weg.


Sensorspots (Staubflecken) bei einer Himmelsaufnahme.

Woran erkennt man Sensorspots bzw. Staubflecken? Staubflecken verursachen verfärbte Punkte auf dem Bild. Sie können sowohl vom Objektiv wie auch vom Sensor her rühren. Man macht ein Testfoto von einem möglichst einfarbigen Motiv (z. B. grauer oder blauer Himmel, Schneefelder o. ä.; bei gemischtem Hintergrund bleiben die Spots i. d. R. unsichtbar, so dass KEINE Reinigungsnotwendigkeit besteht) mit kleiner Blendenöffnung (d. h. große Blendenzahl, ab etwa Blende 11). Sind keine Spots vorhanden dann ist alles sauber. Sind Spots vorhanden dann das Objektiv wechseln und noch ein Testbild anfertigen. Fehlen bei dem die Spots, dann sitzt der Staub auf dem ersten Objektiv. Das also mit geeignetem Equipment putzen, und zwar vordere wie auch hintere Linse. Sind die Spots aber auf beiden Fotos vorhanden, dann hat sich der Staub direkt auf dem Sensor verewigt.

Was kann man dagegen tun? Manche Kameras wie z. B. die Sony a6000 verfügen über einen Reinigungsmodus, bei dem der Sensor in Ultraschallschwingungen versetzt wird und den Staub quasi abschütteln soll. Man entfernt also das Objektiv, schaltet die Kamera ein, hält sie mit dem Sensor nach unten zeigend – so dass der Staub theoretisch herausfallen kann – und schaltet den Reinigungsmodus ein. Der läuft für zwei bis drei Sekunden oder so und signalisiert wann die Reinigung beendet ist. Was bringt’s? Gar nichts … OK, Plan B: Mit einem Blasebalg, den man zweckmäßigerweise staubgeschützt in Beutel und Schrank aufbewahrt und den man vorsichtshalber zuvor ein paarmal betätigt, um etwaig darin vorhandenen Staub rauszupusten wird versucht den Staub vom Sensor abzublasen (die Kamera wird dabei wieder wie oben beschrieben gehalten). Testbilder machen: Manchmal bringt das sogar was. Aber eben leider nur manchmal bzw. eher selten.

Der nächste Schritt wäre Plan C, die Nassreinigung des Sensors. Bei der DSLM ist der Sensor frei zugänglich und bei der DSLR klappt ein Reinigungsmodus den Spiegel hoch, so dass der Sensor erreichbar wird. Aber nun ist so ein Sensor ein megaempfindliches Bauteil, auf dem man nicht einfach mit einer Klobürste rumschrubben kann. Deswegen bietet der Fachhandel dafür extra Nassreinigungssets an, exemplarisch sei hier nur das System von Visible Dust genannt. So etwas ist teuer! Wenn ich nach den Anwenderberichten gehe (selbst habe ich die Nassreinigung noch nicht durchgeführt), dann braucht es schon vier Reinigungsgänge, bevor der Sensor sauber ist.

Preislich kommt das dann aber schon in etwa der professionellen Reinigung durch eine Fachwerkstatt gleich. Macht man etwas falsch dann war’s das für die Kamera, und zwar endgültig. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass solche Bauelemente standardmäßig mit einer härtenden Siliziumnitrid-Schicht abgedeckt sind, die vor mechanischen Einflüssen und dem Eindringen von Feuchtigkeit und Ionen schützen soll. BTW: Es ist übrigens gerade diese Schutzschicht, die einen UV-Filter überflüssig macht, weil sie UV-undurchlässig ist. Die Schutzschicht ist jedoch nur hauchdünn u. d. h. mehrere Moleküle dick. So etwas ist trotz aller Vorsicht schnell zerstört. Steht also eine Nassreinigung an, dann sollte man sich ernsthaft überlegen, ob man da nicht lieber zehn Euro drauflegt und die gleich in einer Fachwerkstatt durchführen lässt, denn es gilt die Faustregel: Die beste Sensorreinigung ist KEINE Reinigung!


Das Originalbild mit den störenden Sensorsports.

Hier sind die Spots noch einmal verdeutlicht.

Muss man daher mit den Staubflecken leben? Nein, denn es gibt ja noch Plan D, nämlich das Beseitigen der Flecken mittels Software. Das kann man mit einer beliebigen Bildbearbeitung, die ein Klonen-Werkzeug beinhaltet, binnen kürzester Zeit machen. Ich will hier einmal am Beispiel von GIMP demonstrieren, wie dabei vorzugehen ist. Da die Sensorspots zumeist erst im Zuge der Bildbearbeitung richtig deutlich auftauchen wird das Foto zunächst regulär bearbeitet. Anschließend dieses eigentlich fertige Bild unter GIMP laden.


Das unter GIMP geladene und bereits bearbeitete Bild.

Im Werkzeugkasten selektiert man nun das Klonen-Werkzeug und stellt die geeignete Pinselform sowie die Werzeugeigenschaften ein.


Auswahl des Klonen-Werkzeugs.

Auswahl der geeigneten Pinselform.

Das Einstellen der Werkzeugeigenschaften.

Anschließend kann man mit [Strg][Scrollrad] bei Bedarf noch in das Bild reinscrollen um die Spots besser auf den Bildschirm zu bekommen. Mit [Strg][linke Maustaste] wird ein Quellbereich unmittelbar neben einem Spot festgelegt, dann den Mauszeiger über den Spot bewegen und durch Klicken mit der linken Maustaste den Spot wegstempeln. Anstelle des Klonen-Werkzeugs lässt sich mit gleicher Vorgehensweise auch das Heilen-Werkzeug benutzen, welches zwar manchmal natürlichere Resultate ergibt, aber normalerweise etwas mehr an Korrekturklicks erfordert. Welches der beiden Werkzeuge man verwendet ist Geschmackssache – auf jeden Fall ist die Korrektur in Minutenschnelle erledigt. Zuletzt wird das korrigierte Foto dann noch exportiert: Fertig!


Nach der Korrektur mit dem Klonen-Werkzeug.

Nach der Korrektur mit dem Heilen-Werkzeug.

Sensorspots lassen sich also per Software noch im Nachhinein sehr einfach entfernen. In Anbetracht des Beschädigungsrisikos ist diese Methode daher der Nassreinigung eines Sensors allemal vorzuziehen und sollte sich die Nassreinigung aufgrund von starker Verschmutzung irgendwann gar nicht mehr umgehen lassen, dann liegen die Kosten beim Einschalten einer Fachwerkstatt nur unwesentlich über den Kosten für ein selbst zu beschaffendes Reinigungsset. Macht man es selbst und baut dabei Mist, dann ist die Kamera ein Fall für den Müll. Murkst hingegen die Fachwerkstatt, dann ist es ein Versicherungsfall. Läuft alles glatt dann hat man erstmal wieder für mindestens ein halbes bis ein Jahr Ruhe. Aber bis dahin ist die Spotbeseitigung per Software durchaus eine echte Alternative.