Unser Auge kann Farben auch noch unter schlechten Lichtbedingungen bzw. bei weniger Licht einigermaßen gut erkennen. Auf die Sensoren von Foto- und Videokameras trifft das leider nicht zu und so passiert es, dass bei Aufnahmen unter schlechten Lichtbedingungen Details quasi verloren gehen. Der mathematische MSRCR-Algorithmus (MultiScale Retinex with Color Restoration), besser bekannt als Retinex-Filter, versucht, die biologischen Mechanismen des menschlichen Auges nachzubilden („Retinex“ ist dabei ein Kunstwort, welches für die Zusammenziehung von „Retina“, also Netzhaut und „Kortex“, also Hirnrinde, steht). Hauptsächlich dient der Algorithmus dazu, um versteckte Informationen in astronomischen Aufnahmen, aber auch bei Bildern von Röntgengeräten oder medizinischen Scannern, sichtbar zu machen. Doch auch im Rahmen der Digitalfotografie kann sich der Retinex-Filter als sehr nützlich erweisen, indem er verborgene Strukturen in dunklen Bildbereichen enthüllt. Sein Einsatz soll einmal am Beispiel von GIMP demonstriert werden.


Im Originalbild kommt das Fenster als Hauptmotiv zwar gut zur Geltung, doch in den abgeschatteten Bereichen gehen die Details im Dunkel verloren.

Wie funktioniert’s? Zuerst wird das zu korrigierende Bild mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP geladen. Im Ebenenfenster mit der rechten Maustaste draufklicken und „Ebene duplizieren“ auswählen: Die Filterung wird ausschließlich auf diese duplizierte Ebene angewandt! Zur Filterung wird „Farben/ Dynamikkompression/ Retinex“ angeklickt und der Filter startet (langsam!).


Die Voreinstellungen (Defaults) des Retinex-Filters.

Für einen ersten Versuch empfiehlt es sich, die Voreinstellungen (Defaults) des Filters zu übernehmen u. d. h. die Filterung wird einfach mit dem „OK“-Button bestätigt. Bitte beachten, dass die Berechnung einige Zeit in Anspruch nimmt! Anschließend wird das Retinex-Bild dargestellt.


Das reine Retinex-Bild.

Nur dann, wenn das Retinex-Bild NICHT den Anforderungen enspricht, lohnt es sich, mit „Bearbeiten/ Rückgängig“ die Filterung zurück zu nehmen und es erneut mit anderen Filtereinstellungen zu versuchen. Diesbezügliche Richtwerte sind nicht möglich, da jedes Bild anders ist. Das Retinex-Bild selbst ist jetzt zwar in den zuvor dunklen Bereichen extrem aufgehellt worden, aber es weist eben dadurch auch ein ISO-Rauschen bis hin zur Unbrauchbarkeit auf. D. h. dass das Foto so noch nicht in Ordnung ist. Deswegen wird es mit der Ebene des Originalbildes überlagert. Dazu im Ebenenfenster eine Deckkraft um die 75% (Richtwert) und als Überlagerungsmodus entweder „Überlagern“ oder „Weiche Kanten“ wählen, anschließend beide Ebenen mit „Ebene/ Nach unten vereinen“ zusammenfügen. Dieses Bild vorsichtshalber erst einmal abspeichen für den Fall, dass bei der weiteren Bearbeitung irgend etwas schiefgehen sollte.


Die Zusammenfügung aus Original und Retinex-Bild enthüllt mehr Details.

Mit etwas Glück ist die Bearbeitung jetzt schon erledigt. Doch in den meisten Fällen ist immer noch eine störende Körnigkeit in den aufgehellten Bereichen erkennbar. Die lässt sich durch Weichzeichnung weitgehend beseitigen. Dazu „Filter/ Weichzeichnen/ Median-Weichzeichner“ aufrufen und mit den Voreinstellungen anwenden – manchmal bietet sich auch der „Gaußsche Weichzeichner“ an, doch das muss man eben einfach ausprobieren. Nach der Weichzeichnung wird das nun fertige Bild exportiert.


Das fertig korrigierte Bild.

Den Unterschied zwischen der Originalaufnahme und der Korrektur zeigt der unmittelbare Vergleich.


Der unmittelbare Vergleich.

Da der Retinex-Filter die Leistung des menschlichen Auges nur zu simulieren versucht – aber nicht annähernd heranreichen kann – stimmen die Farben nach der Filterung zwar noch immer nicht, aber immerhin treten deutlich mehr Details zutage.

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