Presets sind in. Es gibt Unternehmen, die so etwas für viel Geld veräußern. Sucht man im Web nach Presets, dann werden die beinahe ausschließlich für Adobe Lightroom angeboten. Doch auch bei GIMP und JPG Illuminator kann man durchaus Presets verwenden. Was ist das eigentlich – Presets? Das sind kleine Dateien mit Einstellungen. Sie dienen dazu, Bilder thematisch mit einer ganz bestimmten Stimmung zu versehen (kühlere Winterfarben, wärmere Sommerfarben, märchenhafter Look, goldener Herbst usw.) oder aber um Fotoserien hinsichtlich eines einheitlichen Aussehens zu bearbeiten. Sie verändern das Erscheinungsbild des Fotos. Im Grunde genommen handelt es sich um Einstellungen für Kontrast, Werte, Buntheit, Sättigung usw.

Sicher, so etwas kann man alles in einer Tabelle notieren und dann Bild für Bild neu einstellen. Doch das ist mühsam. Vor allem aber ist es mühsam und zeitraubend, wenn man wirklich manuell erst einmal eine definierte Bildstimmung erzeugen will. Da ist es doch wesentlich einfacher, die Einstellungen gleich in einer Datei abzuspeichern oder so eine Datei von dritter Seite zu übernehmen, die dann vom Bearbeitungsprogramm immer und immer wieder aufgerufen werden kann. Im Laufe der Zeit entsteht so nach und nach eine ganze Preset-Bibliothek. Das funktioniert eben nicht nur mit Lightroom: GIMP und der JPG Illuminator können das auch! Ich will hier einmal erläutern, wie dabei vorzugehen ist.

Presets für GIMP

Presets für GIMP funtionieren unter „Farben“ für alle Optionen im ersten Block von „Farbabgleich“ bis „Kurven“. Um sie zu verwenden muss bereits ein Bild geladen worden sein. Jetzt ist zwischen dem Anlegen und dem Aufrufen eines Presets zu differenzieren. Beginnen wir mit dem Anlegen. Dazu wird eine der o. e. Optionen aufgerufen, bspw. „Farbton/Sättigung“. Nun nimmt man die Einstellungen vor, die man für einen bestimmten Look des Fotos haben will (dauert!). Bevor man jedoch auf den „OK“-Button klickt wird der winzige Pfeil rechts oben in der Dialogbox betätigt.

Nun öffnet sich eine Drop-Down-Liste, aus der man „Aktuelle Einstellungen in Datei exportieren“ auswählt. So lange die Preset-Liste leer ist – also noch keine Presets verwendet worden sind – fragt GIMP nach dem Anlegen eines Ordners, der in der portablen Version standardmäßig nach „Data\.gimp“ wandert. Angenommen man nennt den Ordner „Presets“ (was etwas unglücklich ist, doch dazu weiter unten mehr) hat man anschließend einen neuen Ordner „Data\.gimp\Presets“. Nun wird unter „Name“ noch ein möglichst aussagekräftiger Name für das Preset vergeben und der Button „Speichern“ betätigt.

In dem Ordner findet sich ab sofort eine klitzekleine Plain-Text-Datei (weniger als 1kB) mit dem angebenen Namen, jedoch ohne Dateiendung. Hierbei ist anzumerken, das man dem Preset-Ordner prinzipiell jeden Namen geben und dass man ihn eigentlich auch an beliebiger Stelle abspeichern kann. „Data\.gimp“ ist allerdings insofern sinnvoll, als dass das immer der zuerst von GIMP aufgerufene Arbeits-Ordner ist.

Kommen wir nun zum Aufrufen eines Presets. Das zu bearbeitende Bild ist bereits geladen. Man selektiert wieder „Farbton/Sättigung“ und es öffnet sich die zugehörige Dialogbox. Wieder wird auf den klitzkleinen Pfeil rechts oben geklickt. Jetzt aber wählt man „Aktuelle Einstellungen aus Datei importieren“ und klickt anschließend den „Presets“-Ordner an. Dort werden nun alle bislang vorhandenen Presets angezeigt und man wählt nur noch den Namen des Presets aus, welches man haben will: Damit ist die Bildbearbeitung schon geschehen – nur noch mit „OK“ bestätigen und fertig!

Soviel zur grundlegenden Vorgehensweise. Ich erwähnte weiter oben jedoch, dass „Presets“ doch ein eher unglücklich gewählter Name für den Preset-Ordner ist. Warum? Für jede der Optionen – also „Farbton-Buntheit“, „Farbton/Sättigung“, „Werte“ etc. – lassen sich eigene Presets anlegen. Die aber funktionieren nur zusammen mit der jeweiligen Option, mit der sie angelegt worden sind. Legt man also ein Preset „Maerchenhaft“ mit der Option „Farbton-Buntheit“ an, dann funktioniert dieses Preset auch nur mit „Farbton-Buntheit“, aber NICHT mit „Farbton/Sättigung“. Man kann es zwar auch mit „Farbton/Sättigung“ aufrufen, doch dann tut sich gar nichts!

Packt man nun alle möglichen Presets von allen möglichen Optionen in ein und den gleichen Ordner, dann geht einerseits jede Übersicht ganz schnell verloren und andererseits kann man u. U. lange suchen, bis man das zur gerade aktiven Option passende Preset (wieder)findet. Merke daher: Nicht jede Option nimmt jedes Preset! Deswegen ist es weitaus übersichtlicher, gleich schon von vornherein Ordner anzulegen, die der betreffenden „Farben“-Option entsprechen, also Ordnernamen wie bspw. „presetBuntheit“, „presetSaettigung“ usw. zu wählen. Dann sieht man schon auf den ersten Blick, welches Preset zu welcher Option gehört!


Vier unterschiedliche Bildstimmungen im Uhrzeigersinn: Rechts oben Preset „Maerchenhaft“, dann „AehnlichSepia“, „Fantasy“ und links oben das Original.

Der Vollständigkeit halber ist noch darauf hinzuweisen, dass es unter GIMP noch eine zweite Variante für Presets gibt. Das ist das „+“-Zeichen links neben dem winzigen Pfeil in der jeweiligen Dialogbox. Auch damit kann man Presets abspeichern – allerdings nur temporär. Die jedoch werden lediglich in der Preset-Liste der aktiven Dialogbox geführt und nicht permanent behalten. D. h. sie „wandern“ irgendwann aus der Liste raus und sind damit verloren. Von dieser Methode ist folglich meiner Meinung nach wirklich abzuraten!

Presets für JPG Illuminator

Der JPG Illuminator beinhaltet unter „Filter/ Preset …“ zwar zwei Möglichkeiten zur internen Preset-Verwaltung, doch sind die einerseits eher komplex zu bedienen und andererseits versionsabhängig. Zusätzlich werden sie – je nach Version – in die zugehörige *.ini-Datei geschrieben, blasen die somit auf und verlangsamen das Programm. Um diese doch eher etwas unglücklichen Möglichkeiten soll es hier NICHT gehen! Denn das Handling der Presets unter dem JPG Illuminator kann man auch anders machen: Ganz anders, viel einfacher, abwärtskompatibel und auch noch einfacher als bei GIMP, obgleich GIMP bei der Vorgehensweise möglicherweise Pate gestanden hat!

Der JPG Illuminator legt bei jeder Bildbearbeitung eine Plain-Text-Datei des Typs „(Dateiname).jif“ an. Auch die ist mit nur knapp 2kB ziemlich klein. Darin sind sämtliche Daten aller Einstellungsvarianten gespeichert. Es reicht völlig aus, diese Datei umzubenennen (bspw. bei einer Nachtaufname von „DSC02377.jif“ in „Sternenhimmel.jif“ oder bei einem Tauchbild von „DSCN3073.jif“ in „Tauchen.jif“) und die *.jif-Filter in einem separaten Ordner wie z. B. „FilterPresets“ (ein Ordner namens „Presets“ ist bereits vorhanden und somit belegt) im Programmordner abzuspeichern. Auf diese Weise erstellt man ein Preset.

Um es aufzurufen wird zuerst ein Bild geladen. Anschließend selektiert man „Filter/ Filter-Datei laden“, wählt den zuvor angelegten Filter-Ordner an (hier im Beispiel also „FilterPresets“) und dort das benötigte Preset (hier im Beispiel also „Sternenhimmel.jif“). Es erfolgt dann noch – auch wieder versionsabhängig – eine Abfrage dahingehend, ob man den Filter wirklich anwenden will, da er ursprünglich für ein anderes Bild gedacht war. Das wird mit „Anwenden“ bestätigt und fertig!

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