Legt man mehrere Fotos von ein und dem gleichen Motiv unter absolut gleichen Bedingungen aufgenommen übereinander, dann erhält man ein rauschärmeres und schärferes Bild mit mehr Details – jedenfalls meistens. Man nennt das auch Stacking. Ich verfüge über fünf Freeware-Stackingprogramme, nämlich in alphabetischer Reihenfolge Chasys Draw IES, CombineZP, Fitswork, GIMP und Picolay. Fitswork legt den Schwerpunkt auf die Astrofotografie und Picolay auf die Mikrofotografie. Bei CombineZP ist es das Focus-Stacking im Makrobereich und GIMP ist eigentlich gar kein Stacking-Programm, kann aber erweitert um G’MIC auch zum Stacking verwendet werden. Chasys Draw IES stellt dagegen gleich mehrere Stacking-Methoden mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Verfügung. Nun stellte sich die Frage: Welche Stacking-Software liefert eigentlich die besten Resultate und wie hat die Nachbearbeitung der Stacking-Fotos auszusehen? Dazu habe ich viel – sehr viel! – rumprobiert und die Resultate miteinander verglichen. Was dabei rausgekommen ist hat mich, gelinde gesagt, doch ziemlich überrascht, denn ich hätte eine gänzlich andere Reihenfolge erwartet!

Ich hatte von neulich nachts ja einige Beinahe-Vollmond-Bilderserien, aber leider keine 10er-Serien, die man ja eigentlich als Minimum für das Stacking braucht – was daran lag, dass ich einerseits die Mondbewegung offensichtlich total unterschätzt und andererseits keine automatische Objektiv-Nachführung hatte. Beim nächsten Mal werde ich folglich manuell etwas schneller sein müssen. Aber was soll’s: Für die zahllosen Stackingversuche habe ich zwei verschiedene 6-Bilder-Serien zugrunde gelegt und damit haut es auch hin! Die nun folgenden Aufnahmen entstammen allerdings nur einer der beiden Serien, doch um die Unterschiede aufzuzeigen sollte es ausreichen.


Eins der sechs dem Stacking zugrunde gelegten Originalbilder aus der ersten Serie.

Die Originale wurden mit Stativ sowie Fernauslöser mit folgenden Einstellungen und einer Sony a6000 angefertigt:

– Brennweite 1.500mm (500mm Danubia-Altglas + 2fach-Kenko-Telekonverter an APS-C),
– Blende 11,
– ISO 100,
– Belichtungszeit 1/60″,
– Fokus komplett manuell (via Kantenanhebung),
– Ausrichtung auf das Motiv manuell,
– Nachführung manuell.

Jedes Einzelbild für sich war so ein „Na-Ja“-Foto: Nicht wirklich gut. Nichts um es gleich wegzuschmeißen, aber auch nichts um damit irgendwo irgendwie antreten zu können. Daher lohnte sich der Stacking-Versuch und hier ist meine Hitliste.

Platz 5: Chasys Draw IES

Auf Chasys Draw IES hatte ich ziemlich große Hoffnungen gesetzt, zumal die Software gleich 7 verschiedene Stacking-Methoden anbietet. Das jedoch relativierte sich sehr schnell. Da sich alle 6 Bilder einer Serie beim besten Willen NICHT vernünftig ausrichten ließen mussten jeweils die ersten beiden Aufnahmen weggelassen werden, damit es überhaupt funktionierte. Anschließend zeigte das Stack-Resultat zwar einerseits eine sichtbare Verbesserung gegenüber den Originalaufnahmen, doch da hatte ich wirklich etwas mehr erwartet.


Das Stacking-Ergebnis mit Chasys Draw IES.

Die Vorgehensweise war wie folgt:

– Ausrichtung halbautomatisch
– Stacking-Methode Super-Auflösung
– Nachbearbeitung: Schärfen mit GIMP
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Ebenenüberlagerung 65% mit GIMP, Modus „Harte Kanten“
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Zuschnitt mit IrfanView


Der direkte Vergleich zwischen Original und Stack bei Chasys Draw IES.

Platz 4: Fitswork

Bei Fitswork konnten alle 6 Bilder jeder Serie zugrunde gelegt werden. Da Fitswork eine Stacking-Software speziell für die Astro-Fotografie ist, setzte ich darauf bei dem vorhandenen Bildmaterial zuerst meine größten Hoffnungen – doch es sollte noch besser werden!


Das Stacking-Ergebnis mit Fitswork.

Die Vorgehensweise war wie folgt:

– Stacking-Methode: Additiv Planet/Mond
– Ausrichtung manuell
– Iteratives Gauss-Schärfen
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Ebenenüberlagerung 65% mit GIMP, Modus „Normal“
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Zuschnitt mit IrfanView


Der direkte Vergleich zwischen Original und Stack bei Fitswork.

Platz 3: Picolay

Da Picolay seinen Schwerpunkt auf die Mikrofotografie legt, hatte ich von diesem Stack eigentlich nichts erwartet: Wie man sich doch täuschen kann! Wieder kamen alle 6 Fotos einer jeden Serie zum Einsatz. Allerdings zeigte sich, dass Picolay bei gleichbleibenden Bildmaßen möglicherweise eine geringfügige Verkleinerung des Motivs vornimmt – jedenfalls wurde alles exakt so wie bei den anderen Versuchen gemacht und dennoch erschien das Resultat etwas (aber nicht viel) kleiner.


Das Stacking-Ergebnis mit Picolay.

Die Vorgehensweise war wie folgt:

– Stacking-Methode: Standard mit „Align“ und „2x“
– anschließend automatische Ausrichtung
– Nachbearbeitung: Hochpass-Schärfen mit GIMP
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Zuschnitt mit IrfanView


Der direkte Vergleich zwischen Original und Stack bei Picolay.

Platz 2: GIMP (Installerversion) + G’MIC

Auch hier wurden wieder alle 6 Fotos einer jeden Serie verwendet. Da GIMP eigentlich kein Stacking-Programm ist wurde das Verfahren der Multishot-Superauflösung eingesetzt, welches ausschließlich bei der mit dem „Superfilter“ G’MIC erweiterten Installerversion funktioniert. Mit einem derart guten Resultat hätte ich nie gerechnet!


Das Stacking-Ergebnis mit GIMP+G’MIC.

Die Vorgehensweise war wie folgt:

– Stacking-Methode „Multishot-Superauflösung“: Ausrichtung mit G’MIC „Filter/G’MIC-Qt/Layer/Align Layers/Anwenden“
– Stacking-Methode „Multishot-Superauflösung“: Stacking mit G’MIC „Layer/Blend(median)/Anwenden“
– Hochpass-Schärfen mit GIMP
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Zuschnitt mit IrfanView


Der direkte Vergleich zwischen Original und Stack bei GIMP+G’MIC.

Platz 1: CombineZP

Das uralte WinXP-Programm testete ich nur der Vollständigkeit halber und ohne irgend etwas davon zu erwarten, wobei auch wieder alle 6 Bilder einer jeden Serie benutzt wurden. Umso erstaunter war ich über das Ergebnis: Stand 2022 ist die Software rund 20 Jahre alt, seit 12 Jahren nicht mehr aktualisiert und dennoch unschlagbar, obgleich sie eigentlich für die Makrofotografie gedacht war!


Das Stacking-Ergebnis mit CombineZP.

Die Vorgehensweise war wie folgt:

– Stacking-Methode: All Methods
– Nachbearbeitung: Hochpass-Schärfen mit GIMP
– Nachbearbeitung: Ausleuchtungskorrektur mit JPG Illuminator
– Nachbearbeitung: Zuschnitt mit IrfanView


Der direkte Vergleich zwischen Original und Stack bei CombineZP.

Fazit: Es existieren nicht sonderlich viele Stacking-Programme und im Freeware-Bereich für Windows schon gar nicht. Wer aber bestmögliche Ergebnisse beim Stacking erzielen will, ist nicht etwa mit spezieller Software, sondern vielmehr mit dem fast schon antiken CombineZP sowie mit der Kombination aus GIMP+G’MIC bestens bedient. Auf das Stacking spezialisierte Programme folgen erst dahinter und das finde ich ausgesprochen bemerkenswert!

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